Fragen und Antworten

100 Dollarscheine und Ölförderanlage

Fragen und Antworten Wie lange reicht das Öl noch?

Stand: 10.07.2008 14:44 Uhr

Zwei Ölkrisen hat es bereits im 20. Jahrhundert gegeben. Als sie überwunden waren, lebten die Menschen wie zuvor - an Energiesparen dachten nur wenige. Im jetzigen Rekord-Preis sehen viele bereits die dritte große Krise, die das Ende des Ölzeitalters einläuten könnte. In Zukunft müssen wir wohl mit weniger Öl auskommen. Wie lange halten die Erdöl-Vorräte tatsächlich? Gibt es noch weitere Vorkommen? tagesschau.de hat Fragen und Antworten zusammengestellt.

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Warum steigt der Öl-Preis?

Ein Grund ist die ständig wachsende Nachfrage, verursacht vor allem durch den wirtschaftlichen Aufschwung in den Schwellenländern China und Indien. Zunehmend werden auch Spekulanten an den Börsen für die Preissteigerungen verantwortlich gemacht. Einige Ölförderländer und -konzerne haben es versäumt, in neue Technologien, zum Beispiel Förderpumpen auf dem Meeresgrund und in die Suche nach neuen Vorkommen zu investieren. Nach Ansicht von Experten ist auch die Zahl der Erdöl-Raffinieren nicht ausreichend. 

Wie lange reicht das Erdöl noch?

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat 2006 die Welt-Erdöl-Reserven auf circa 163 Milliarden Tonnen geschätzt. Pro Jahr werden etwa vier Milliarden Tonnen gefördert. Seit Beginn der industriellen Erdölförderung Mitte des 19. Jahrhunderts sind rund 151 Milliarden Tonnen aus der Erde gepumpt worden, die Hälfte davon innerhalb der vergangenen 23 Jahre. Der "Peak Oil", der Punkt an dem die Hälfte des vermuteten Öls aus der Erde geholt wird, soll innerhalb der kommenden zehn bis 15 Jahre erreicht werden.  

Infografik Entwicklung des Ölpreises 1972 bis 2008
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Die Statistik zeigt die Entwicklung des Ölpreises in Dollar pro Barrel (nominal). Dargestellt wird die Preisentwicklung für den so genannten OPEC-Korb. Der setzt sich aus den unterschiedlichen Ölsorten der OPEC-Mitgliedsländer zusammen. Die OPEC ist die Organisation erdölexportierender Länder, die über große Förderkapazitäten und Erdölreserven verfügen.

Wo liegen die meisten Erdöl-Reserven?

Unter Reserven versteht man die Mengen an Erdöl, die geortet sind und mit der heutigen Technik wirtschaftlich gefördert werden können. Mehr als zwei Drittel davon befinden sich in einem begrenzten Gebiet, der "strategischen Ellipse". Sie reicht vom Nahen Osten über das Kaspische Meer bis in den Nordwesten Sibiriens. Die größten Reserven hat Saudi-Arabien mit 21,7 Prozent der weltweiten Vorkommen, gefolgt von Iran und Irak. Zu den zehn Ländern mit den größten Reserven gehören auch Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Venezuela, Russland, Libyen, Nigeria und Kasachstan.

Welche Rolle spielen nicht-konventionelle Erdöle?

Zu den nicht-konventionellen Erdölen gehören Ölschiefer und Ölsand sowie Schwer- und Schwerstöle. Sie werden zurzeit nicht zu den Reserven gezählt, weil ihre Förderung zu teuer ist. Mit steigendem Ölpreis wird das für Unternehmen aber profitabel. Somit könnten die nicht-konventionellen Erdöle in Zukunft eine wichtige Rolle für die Energieversorgung spielen. Besonders große Vorkommen von Schwerstölen gibt es in Venezuela, in Kanada lagert ein Drittel des weltweiten Ölsandes. Der Bestand an Ölschiefer wird von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe weltweit auf 6,4 Milliarden Tonnen geschätzt, rund die Hälfte davon liegt in Australien. 

Aus welchen Ländern importiert Deutschland sein Öl?

Deutschland kaufte 2006 rund 110 Millionen Tonnen Rohöl ein. Der größte Teil kam aus Russland, das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums etwa 37 Millionen Tonnen lieferte. Russland deckt damit gut ein Drittel des deutschen Rohölbedarfs. Ein weiteres Drittel kommt aus Norwegen und Großbritannien. Die Bedeutung der OPEC-Staaten für die deutsche Rohölversorgung ist seit Beginn der 70er-Jahre deutlich zurückgegangen. 

Welchen Anteil hat der Energieträger Erdöl in Deutschland?

Primärenergie

Primärenergieträger sind fossile Rohstoffe wie etwa Steinkohle, Erdöl oder Erdgas. Auch erneuerbare Energieträger wie Windkraft, Sonnenenergie oder Erdwärme werden Primärenergieträger genannt. Erst wenn diese bearbeitet und umgewandelt sind, sind sie beispielsweise als Benzin oder Strom direkt nutzbar.

Mineralöl, als weiterverarbeitetes Erdöl, ist der wichtigste Primärenergieträger in Deutschland. 2006 lag der Anteil von Mineralöl am Primärenergieverbrauch bei 35,7 Prozent. In den 70er-Jahren war Öl noch für mehr als die Hälfte des Verbrauchs die Basis. Sein Anteil sank, weil vor allem bei Heizungen zunehmend Erdgas verwendet wurde. 2006 wurden in Deutschland 113 Millionen Tonnen an Mineralölprodukten verkauft. Davon entfielen rund 23 Millionen Tonnen auf Benzin, 29 Millionen Tonnen auf Diesel und gut 33 Millionen Tonnen auf Heizöl.

Fragen und Antworten wurden zusammen gestellt von Marcel Müller, tagesschau.de.

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