Ein Mann befüllt in Abuja Treibstoffkanister. | Bildquelle: AP

Regierung kämpft mit Preisverfall Nigeria will weg vom Öl

Stand: 11.03.2016 16:59 Uhr

Öl ist Dreh- und Angelpunkt der nigerianischen Wirtschaft - entsprechend katastrophal ist der niedrige Rohölpreis für das Land. Ausgerechnet Ölminister Kachikwu fordert eine breiter aufgestellte Wirtschaft, doch selbst für dafür nötige Reformen sind die Preise zu niedrig.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordwestafrika

Nigerianer warten an einer Tankstelle in Lagos auf Benzin. | Bildquelle: AFP
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Auch Angehörige der Mittelschicht verkaufen Autos mit hohem Verbrauch - Tankstelle in Lagos.

Alex Oji gehört zur nigerianischen Mittelklasse. Auch er spürt die Folgen der sinkenden Ölpreise - darum verkauft er seinen Geländewagen: "Ich liebe Luxusautos. Aber die Wirtschaft ist nicht stabil, deshalb ist es nicht gut, so ein teures Auto zu halten. Deshalb verkaufe ich jetzt mein Auto und suche nach einem praktischeren Wagen. Ich habe keine andere Wahl."

Der Autohändler, der den zwei Jahre alten Geländewagen zur Hälfte des Neupreises zurückkauft, kennt viele solcher Kunden. "Die Leute bringen ihre Autos zum Verkauf. Es ist kein Geld im Umlauf. Unsere Verkäufe sind sehr niedrig. Die Leute haben Angst", erzählt Aminu Samonaka.

"Milde ausgedrückt katastrophal"

Angst und echte Probleme: Die Wirtschaft Nigerias wächst nicht wie gewohnt, aber die Preise steigen. Lebensmittel, Schulgebühren, alles wird teurer. Die Staatseinnahmen sacken ab und Ölgesellschaften wie die Shoreline Group kämpfen ums Überleben. Deren Vorstandsvorsitzender Kola Karim sagt: "Nigerias Fähigkeit, Devisen zu verdienen, ist um fast 70 Prozent eingebrochen. Der Preis für Rohöl lag im Sommer 2014 bei 114 Dollar, jetzt sind wir bei etwa 30 Dollar pro Barrel. Das ist ein großer Verdienstausfall."

Der Finanzexperte Bismarck Rewane drückt es sogar noch drastischer aus: "Die Auswirkung des sinkenden Ölpreises ist - milde ausgedrückt - katastrophal. Das Problem ist groß. Die Konzepte zu dessen Lösung sind schlecht vorbereitet."

Blick über die Hafenstadt Lagos | Bildquelle: REUTERS
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Nicht nur Lagos, sondern die Wirtschaft Gesamt-Nigerias hängt am Ölhahn. Die Regierung will das möglichst schnell ändern.

Weg von der Droge Öl

Die nigerianische Währung, der Naira, ist extrem unter Druck geraten. Aber Präsident Muhammadu Buhari weigert sich, abzuwerten. Er befürchtet eine explodierende Inflation. Stattdessen setzt Buhari auf strukturelle Änderungen in der Wirtschaft: Mehr Investitionen in Landwirtschaft und Industrie. Gleichzeitig will er mehr Geld für Bildung und Ausbildung ausgeben. Buhari will versuchen, Nigerias Wirtschaft und Verwaltung schrittweise von der Droge Öl herunterzubringen.

Von dieser Droge lebten bisher auch die Verwaltungen der Bundesstaaten Nigerias. Zum Beispiel im Bundesstaat Kaduna, der landwirtschaftlich geprägt ist. Es werden vor allem Erdnüsse, aber auch Baumwolle angebaut, dazu kommt Viehzucht.

Der Bundesstaat kassierte bei seinen etwa sieben Millionen Einwohnern im Jahr 2014 umgerechnet gerade mal 46 Millionen Euro an Steuern. Das hätte niemals für die Verwaltung ausgereicht. Aber bisher kam jedes Jahr ein fetter Scheck von der Zentralregierung - finanziert eben aus Öl-Einnahmen. Diese Zuwendung wurde jetzt zusammengeschnurrt. Und Kaduna muss sehen, wie es eine effektivere Steuerverwaltung aufbaut. Die zum Beispiel digital, und nicht mehr wie bisher handschriftlich verwaltet wird.

Auch Reformen kosten viel Geld

Nigerias Ölminister Ibe Kachikwu | Bildquelle: AFP
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Kachikwu (li.) wirbt für Diversifizierung - er ist Ölminister

Nigeria setzt darauf, dass das Land lernt, über das wichtigste Exportgut Rohöl hinauszudenken und andere Einnahmequellen zu entdecken. Dafür wirbt ausgerechnet der Ölminister des Landes, Ibe Kachikwu. Auch er weiß, dass ein Ölpreis um die 40 Dollar pro Barrel notwendig wäre, um die Strukturveränderungen einigermaßen finanzieren zu können. Sonst driftet Nigeria in eine neue Schuldenkrise ab.

"Wir brauchen moderate Ölpreise, um unseren Haushalt und die Entwicklungsprogramme finanzieren zu können, die Präsident Buhari vorgelegt hat. Man muss sich um Diversifizierung kümmern, Kosten senken, Korruption bekämpfen, sparsam haushalten und mit dem auskommen, was zur Verfügung steht", erläutert Kachikwu.

Mit dem auskommen, was zur Verfügung steht - das trifft mehr als die Hälfte der Nigerianer. Sie leben in extremer Armut, der Wohlstand des Landes ist sehr ungleich verteilt. Die Eliten des Landes müssen jetzt zeigen, ob sie Nigerias Wirtschaft jenseits des Öl-Sektors in Schwung bringen können.

Die Krise als Chance? – Wie Nigeria mit dem Ölpreis-Verfall kämpft
J. Borchers, HR
14.03.2016 14:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der Deutschlandfunk am 15. März 2016 um 05:54 Uhr.

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