Ölfabrik auf Khark Island: Iran will zurück in die Weltwirtschaft | Bildquelle: AFP

Iran und der fallende Ölpreis Zurück an die Spitze - aber wie?

Stand: 17.03.2016 11:46 Uhr

Nach dem Fall der Sanktionen will der Iran zurück auf den Weltmarkt. Doch dafür bräuchte das Land modernere Technik zur Ölförderung und müsste sich aus der Abhängigkeit vom Öl lösen. Aber das ist kaum durchsetzbar.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Teheran                                                                                                                         

Der Iran verfügt mit fast 40 Billionen Kubikmetern über die größten nachweisbaren Gasvorkommen und mit 157 Milliarden Fass über die viertgrößten Ölreserven der Welt. Der Iran sei weltweit die Nummer eins bei den kohlenwasserstoffgestützten Energieträgern, erklärt Ölminister Bijan Zangeneh: "Wir werden in weniger als drei Jahren die Gasproduktion auf mehr als eine Milliarde Kubikmeter am Tag erhöhen. Die Ölförderung soll in diesem Zeitraum 4,7 Millionen Fass am Tag erreichen."

Gegenwärtig fördert der Iran täglich knapp drei Millionen Fass Öl, davon werden rund 1,5 Millionen Fass exportiert. Wieder zu einer bestimmenden Größe auf dem Öl- und Gasmarkt zu werden, ist der feste Entschluss des Iran, sagt der Energieexperte Bijan Khadjepour: "Hundert Milliarden Dollar Investition in den nächsten zwei bis drei Jahren wird der Iran brauchen, um sich dann wieder als ein starker Energieexporteur zu positionieren."

Mit moderner Technik alte Felder ausbeuten

Der Iran wirbt um ausländische Kunden, Investoren und Technologien. Gespräche mit internationalen Öl-Multis haben bereits begonnen. Teheran hofft, neue Ölfelder erschließen und mit moderner Technik mehr Öl aus bestehenden, aber technisch veralteten Feldern holen zu können.

Ein Ölfeld kann nie zu 100 Prozent ausgebeutet werden. Wie viel gefördert werden kann, wird durch die "Recovery Rate" ausgedrückt. "Technologisch werden die internationalen Firmen schon wichtig. Der Iran hat zwar eigene Technologien und eigene Produktionsmethoden, aber wenn man sich die 'Recovery Rate' anschaut, kann der Iran in den normalen Ölfeldern zwischen 26 bis 28 Prozent der Reserve gewinnen. Das ist eine 'Recovery Rate' von 28 Prozent. In Europa hat man auch schon 50 Prozent erreicht."

Öleinnahmen nur noch ein Viertel des Staatshaushalts

Der Ölpreis ist seit Juni 2014 von 110 auf heute unter 40 Dollar gefallen. Teherans Öleinnahmen sind drastisch gesunken. Das, so stellt Präsident Hassan Rouhani fest, habe erhebliche Auswirkungen auf öffentliche Investitionen und den Staatshaushalt. "Im neuen Staatshaushalt wird der Anteil der Öleinnahmen 25 Prozent betragen. In anderen Ländern der Region, die auch zu den starken Ölexporteuren gehören, beträgt dieser Anteil 90 Prozent", sagte Rouhani.

"Wer regiert, kann nichts ändern"

Der Iran will sich aus der Abhängigkeit vom Öl lösen und seine Wirtschaft auf breitere Füße stellen. Das sei nicht leicht, prophezeit der Politologe Sadegh Zibakalam von der Uni Teheran. Denn das größte Problem besteht darin, dass die iranische Wirtschaft korrupt und staatlich gelenkt sei. "Es hängt nicht davon ab, wer gerade regiert, denn er kann im Grunde nichts ändern. Die gesamte Wirtschaft wird vom Herrschaftssystem gelenkt." Dieses sei ein von außen undurchdringliches Geflecht aus Macht-, Einfluss- und Interessengruppen.

"Alle große Industrieunternehmen und die großen Handelsfirmen gehören dem Staat oder halbstaatlichen Institutionen, wie den Revolutionswächtern, den Bassidji genannten Volksmilizen und vielen ähnlichen Organen." Diese sind mit ihren Unternehmen stark im Öl- und Gasgeschäft vertreten, zahlen keine Steuern, genießen Privilegien und besitzen oft eine Monopolstellung. Das alles trägt zu einer spürbaren Zurückhaltung ausländischer Investoren bei. Hinzu kommen die unsichere Rechtslage im Iran sowie der anhaltend niedrige Ölpreis, der Investitionen wenig lukrativ erscheinen lässt.

Ölpreis-Verfall und Irans mögliche Rückkehr auf den Weltmarkt
R. Baumgarten, SWR
17.03.2016 10:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Rouhani: Die Schuldigen sitzen in Riad

Präsident Rouhani spricht mit Blick auf den Ölpreisverfall von einem Komplott gegen den Iran. Die Schuldigen säßen in Riad, ist in Teheran immer wieder zu hören. Die Saudis produzierten auf Teufel komm raus und wollten mit allen Mitteln verhindern, dass der Iran seine alte Stärke auf dem Ölmarkt wiedererlange. Das, so sagen Experten im Iran, sei auch gegen die Ölpolitik Riads sehr gut möglich, wenn die iranische Wirtschaft gründlich reformiert werde. Dagegen aber sträuben sich etablierte Nutznießer und Krisengewinnler der vergangenen Jahrzehnte.

Vor der OPEC-Sitzung mit Russland berichten ARD-Korrespondenten in loser zeitlicher Reihenfolge über die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises:

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio am 17. März 2016 um 05:41 Uhr

Darstellung: