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Wirtschaft
Greenpeace: "Etikettenschwindel bei Ökostrom"
Kritik an Handel mit Umweltzertifikaten

"Etikettenschwindel bei Ökostrom"

Windkraftanlagen in Nordfriesland (Archivbild Mai 2007) (Foto: ASSOCIATED PRESS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wer Ökostrom bezahlt, bekommt nicht auch zwangsläufig welchen. ]
Verbraucherschützer und Greenpeace haben mehreren Stromversorgern Etikettenschwindel mit Ökostrom vorgeworfen. Die legale Praxis, Atom- oder Kohlestrom auf dem deutschen Mark als Ökoenergie zu verkaufen, sei "Betrug am Verbraucher", sagte Robert Werner von Greenpeace Energy.

Thorsten Kasper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen bemängelte im Nachrichtenmagazin "Spiegel", durch den Handel mit Umweltzertifikaten würden ganze Städte auf einmal scheinbar mit Ökostrom versorgt - "auf dem Papier, ohne dass auch nur eine zusätzliche Kilowattstunde davon erzeugt wird". So wirbt beispielsweise Kassel damit, dass seit November alle Kasseler Haushalte sauberen Naturstrom erhalten.

Die Verbraucher gingen davon aus, dass ihr Geld neue Windräder oder Solaranlagen installiert würden, sagte Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes dem Blatt. "Tatsächlich landet das Geld größtenteils beim Atom- oder Kohlekraftwerbsbetreiber."

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"Normaler" Strom wird an der Börse veredelt

Grundlage dafür ist dem Magazin zufolge das "Renewable Energy Certificate System" (RECS), das in etlichen europäischen Ländern den Stromversorgern einen Tausch ermögliche. Demnach kauft ein deutscher Versorger beispielsweise Atomstrom an der Börse für sieben Cent je Kilowattstunde. Den veredele er dann für 0,05 Cent mit einem Öko-Zertifikat eines norwegischen Wasserkraftwerks. Dessen Betreiber sei dann verpflichtet, die entsprechende Menge seines Ökostroms in konventionellen umzuetikettieren. Im Gegenzug dürfe der deutsche Versorger seinen Atomstrom als Ökostrom verkaufen.

"Unternehmen halten sich oft nicht an die Regel"

Allerdings hielten sich viele Produzenten etwa von Strom aus Wasserkraft in Norwegen oder Frankreich nicht an die Vorgabe, ihren Kunden nach dem Verkauf eines Zertifikats auch darüber zu informieren, dass sie nicht mehr das Recht hätten, ihren Strom als Ökostrom zu bezeichnen, kritisierte Thorben Becker vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Mitglieder des RECS sind nach Angaben auf dessen Homepage unter anderem Tochterfirmen der großen Energiekonzerne RWE, E.ON und Vattenfall.

Stand: 05.01.2008 16:29 Uhr
 

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