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22.03.2010

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Wirtschaft
Streik
Warnstreiks in Kitas und Krankenhäusern
Tarifstreit im öffentlichen Dienst

Warnstreiks bei Bussen und Bahnen

Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes hat es erneut Warnstreiks gegeben. Schwerpunkt war Norddeutschland. Mitarbeiter von Bund und Kommunen legten in mehreren Bundesländern ihre Arbeit nieder - darunter Niedersachsen, Schleswig- Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Gewerkschaftsangaben zufolge beteiligten sich rund 29.000 Beschäftigte an den Warnstreiks.

Bei einer Kundgebung in Hannover mit rund 15.000 Beschäftigten warf ver.di-Chef Frank Bsirske den Arbeitgebern mangelnde Verhandlungsbereitschaft vor. "Die Arbeitgeber gefallen sich darin, auf der Stelle zu treten", sagte Bsirske. Bisher habe sich in den Gesprächen nichts bewegt. Er rief die Verhandlungsführer von Bund und Kommunen dazu auf, nun ein Angebot vorzulegen. "Sonst wird es nicht bei Warnstreiks bleiben", sagte Bsirske.

Mitglieder der Gewerkschaft komba (Foto: APN) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Protestzug: Mitglieder der Gewerkschaft komba in Hannover]
Frank Bsirske, Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di (Foto: APN) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ver.di-Chef Bsirske macht den Arbeitgebern Vorwürfe.]
 

In Hannover beteiligten sich Bus- und U-Bahn-Fahrer an den Warnstreiks. In Hamburg kam es zu einem halbtägigen Warnstreik, zu dem etwa 1000 Beschäftigte der Stadtreinigung, Kitas und Bundesbehörden aufgerufen waren. In Mainz blieben Busse und Bahnen ebenfalls in den Depots.

900 Beschäftigte in Schwerin treten in Ausstand

Auch in Kindergärten, Krankenhäusern und in der öffentlichen Verwaltung legten die Beschäftigten die Arbeit nieder. In Hamburg und Schleswig-Holstein blieben Kitas geschlossen, zugleich fielen Teile des Winterdienstes aus. In Schwerin traten rund 900 Beschäftigte der Stadtverwaltung und städtischer Betriebe in den Ausstand. In der Region Hannover mussten in mehreren Kliniken geplante Operationen wegen der Warnstreiks verschoben werden.

Weitere Informationen zu den Warnstreiks in Norddeutschland finden Sie beim [ndr]. Über die Auswirkungen der Warnstreiks in Rheinland-Pfalz berichtet der [swr].

Anzeigetafel einer Straßenbahnhaltestelle (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Vom frühen Morgan an bleiben Busse und Bahnen in vielen Städten im Norden wie hier in Hannover im Depot. ]
Hinweisschild auf Streik im U-Bahnhof (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Leere U-Bahnhöfe in Hannover: Die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe waren ganztägig im Ausstand.]
 

Nächste Verhandlungsrunde am Mittwoch

Bislang haben die Beschäftigten mit drei Warnstreiktagen ihre Fünf-Prozent-Forderung, unter anderem nach mehr Lohn, unterstrichen. Zuletzt waren am Freitag Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und das Saarland betroffen. Insgesamt hätten sich bis zu 15.000 Beschäftigte an den befristeten Arbeitsniederlegungen beteiligt, teilte ver.di mit.

Vor der nächsten Verhandlungsrunde am Mittwoch ist die Situation zwischen den Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes und ver.di damit unverändert: Ziel der Warnstreiks ist es, die Arbeitgeber zu der Vorlage eines Angebots zu zwingen. Bislang hatten die Arbeitgeber wegen der Gewerkschaftsforderung von fünf Prozent in einem Paket kein Angebot vorgelegt. Die geforderten fünf Prozent seien völlig unrealistisch, sagte der Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle.

Forderungen in der Tarifrunde 2010:

Ver.di forderte für die Angestellten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen ein Plus im Gesamtvolumen von fünf Prozent und reduzierte die Forderung dann auf 3,5 Prozent. Welchen Anteil die Einzelforderungen daran haben, ist noch offen. Neben mehr Geld für die Beschäftigten will ver.di eine tarifvertraglich geregelte Altersteilzeit, Verbesserungen für Auszubildende sowie mehr Aufstiegsmöglichkeiten. Für Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen soll es Verbesserungen bei Zuschlägen auf Nachtarbeit und für Teilzeitbeschäftigte geben. Angestellte kommunaler Versorgungsbetriebe sollen fünf Prozent mehr Gehalt bekommen. Bund und Kommunen lehnen die Forderungen als zu hoch ab. Ihr Angebot lautet: 1,5 Prozent mehr Lohn über zwei Jahre.

 

Verhandlungen ohne Annäherung vertagt

Die Tarifverhandlungen waren am vergangenen Montag in Potsdam ohne Annäherung vertagt worden. Sollte nach der dritten Runde die Schlichtung beantragt werden, wären Warnstreiks wegen der dann geltenden Friedenspflicht nicht mehr möglich. Als Schlichter würden Hannovers früherer Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt fungieren.

Tarifverhandlungen für Bund und Kommunen:

In den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst geht es um die Einkommen von rund 1,15 Millionen Angestellten bei Städten und Gemeinden sowie um die rund 160.000 Angestellten des Bundes. Vertreten werden sie von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und dem deutschen Beamtenbund (dbb). Beide verhandeln gemeinsam.

Die Bezahlung der Beamten von Kommunen und Bund ist nicht Teil der Verhandlungen, da ihre Besoldung nicht durch einen Tarifvertrag, sondern durch ein Gesetz festgelegt wird. In der Regel wird der Abschluss auf die rund 360.000 Beamten übertragen, zudem orientieren sich auch die Bundesagentur für Arbeit, Sozialverbände und weitere Institutionen am Ergebnis. Deswegen sprechen die Gewerkschaften von mehr als zwei Millionen Beschäftigten, die von einem Abschluss betroffen sind.

 
Stand: 08.02.2010 16:21 Uhr
 

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