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In Deutschland wächst die Einkommenskluft zwischen Arm und Reich besonders stark. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der OECD. Dafür sei vor allem die Entwicklung der Löhne verantwortlich. Außerdem gebe es immer mehr Teilzeitarbeit und befristete Verträge.
Von Evi Seibert, SWR-Hörfunkstudio Paris
[Bildunterschrift: Unterschiede beim Gehaltszettel: In Deutschland wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer. ]
Die Gesellschaft driftet weiter auseinander. Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher. Zu diesem Schluss kommt die neue Studie der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD).
Die Ungleichheit ist vor allem in Deutschland gewachsen. Die Gutverdienenden bekommen hier im Schnitt etwa acht Mal so viel Geld wie die Geringverdiener. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Leute nur noch im Niedriglohnsektor Jobs finden. Selbst dort können sie weniger arbeiten und verdienen als früher.
Monika Queisser, eine der Autorinnen der Studie, erklärt: "Es liegt zum Teil daran, dass die Leute weniger Arbeitsstunden leisten, vor 20 Jahren haben sie noch 1000 Stunden im Jahr durchschnittlich geleistet." Das sei gefallen auf 900 Stunden im Jahr, während die Besserverdienenden 2200 Stunden arbeiteten. "Daran sieht man, dass es eine stärkere Polarisierung zwischen arm und reich gibt", so Queisser.
Dazu kommt, dass immer mehr Menschen in Teilzeitbeschäftigungen arbeiten. Vor allem Frauen haben dadurch zwar Zugang zum Arbeitsmarkt, was die OECD positiv beurteilt. Gleichzeitig können sie aber in Deutschland wegen unzureichender Betreuungsmöglichkeiten für Kinder oft nicht in die Vollzeit-Jobs aufsteigen, die dementsprechend bessere Karrierechancen und Einkommensmöglichkeiten bieten würden. Dies ist auch ein Problem für die zunehmenden Haushalte mit alleinerziehenden Elternteilen.
Die Organisation rät, auf keinen Fall trotz Krise bei der Ausbildung zu sparen. Nur gute Bildung, von Kindheit an bis hin zur Weiterbildung im Berufsleben, bringe der Bevölkerung auf Dauer gute Jobs und Einkommen. Queisser sagt: "Wir haben gesehen, dass dieser Faktor der einzige war, der sowohl die Beschäftigung erhöhen konnte, als auch weniger Einkommensungleichheit schaffen konnte."
Erst in zweiter Linie greift die Umverteilung über Steuereinnahmen. Dazu zählen Maßnahmen gegen Steuerflucht, die Abschaffung von Steuererleichterungen für Besserverdienende oder der Ausbau von Abgaben auf Vermögen und Grundbesitz.
Gleichzeitig sind staatliche Transferzahlungen wichtiger als je zuvor, um die Verluste für Menschen mit niedrigem Einkommen auszugleichen. Denn durch die aktuelle Rezession wird diese Ungleichheit noch verschärft.
Die Regierungen können und sollten etwas gegen die Ungleichheit tun, so die OECD. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft seien fatal: "Wir haben die Jugendbewegungen in Spanien, in Israel, Wallstreet. In vielen anderen Ländern sagen die Leute, 'jetzt langt es, wir nehmen an diesem Fortschritt nicht mehr teil.' Und es gibt nur 0,1 Prozent der Bestverdienenden, die sozusagen am meisten profitieren und alle anderen auf der Strecke lassen."
Wenn sich die Mittelklasse gefährdet fühle und sage, sie habe keine Zukunft mehr, dann nehme auch deren Bereitschaft ab, Steuern zu zahlen und zur Umverteilung beizutragen. "Ich glaube, das ist eine ganz gefährliche Tendenz, die sofort gestoppt werden sollte", erklärt Queisser.
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