Telekom-Chef Obermann und Timotheus Höttges | Bildquelle: dapd

Obermann räumt seinen Posten Machtwechsel bei der Telekom

Stand: 20.12.2012 18:26 Uhr

Nach sechs Jahren an der Spitze der Deutschen Telekom hat René Obermann seinen Rücktritt angekündigt. Anfang 2014 soll Finanzvorstand Timotheus Höttges an die Konzern-Spitze rücken. Obermann habe den Aufsichtsrat um Auflösung seines Vertrags zum 31. Dezember 2013 gebeten, teilte das Bonner Unternehmen mit. Das kommende Jahr wollen die Manager für einen gleitenden Übergang nutzen.

Als er den Posten im November 2006 mit nur 43 Jahren übernahm, galt er als einer der schwierigsten Jobs in der deutschen Wirtschaft. Die Festnetzkunden liefen dem ehemaligen Monopolisten in Scharen davon, die Umsätze schrumpften. Nun zog Obermann eine positive Bilanz seiner Amtszeit. Bei seinem Antritt sei das Unternehmen "das Gespött vieler im Markt" gewesen. Heute habe der Konzern anerkanntermaßen das beste Netz und den besten Kundenservice. Außerdem stehe die Telekom heute besser da als die Hauptwettbewerber in Europa.

Höttges - enger Vertrauter Obermanns

Der bisherige Finanzchef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges | Bildquelle: dapd
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Der bisherige Finanzchef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, soll an die Spitze des Konzerns rücken

Seinen designierten Nachfolger lobte Obermann in höchsten Tönen: Er könne sich keinen Besseren vorstellen als Höttges, um die gute Entwicklung der vergangenen Jahre fortzuschreiben, sagte Obermann. Der 50-jährige Vater zweier Kinder ist seit dem Jahr 2000 bei der Deutschen Telekom. Im Frühjahr 2009 bekam Obermann seinen Wunschkandidaten als Finanzvorstand. Höttges ist einer der engsten Vertrauten Obermanns. Beide arbeiteten bereits vor Jahren bei T-Mobile in ähnlicher Konstellation zusammen. Im Privatleben verabreden sie sich regelmäßig zum Laufen.

"Mehr Zeit für Kunden"

Timotheus Höttges und René Obermann | Bildquelle: dpa
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Ein eingespieltes Team: Höttges (links) und Obermann

Der 49-jährige Obermann wolle nach 16 Jahren Tätigkeit für die Telekom wieder näher ans operative Geschäft rücken, als das für den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns möglich sei, und stärker unternehmerische Aufgaben übernehmen, hieß es. "Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", sagte Obermann.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ulrich Lehner, bedauerte die Entscheidung Obermanns in einer Mitteilung: "Ich respektiere seinen Schritt, auch wenn ich unsere erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt hätte." Die Bundesregierung als Großaktionär nahm die Rücktrittsankündigung ebenfalls mit Bedauern zur Kenntnis. "Die gefundene Nachfolgeregelung spricht dafür, dass Kontinuität gewahrt wird", hieß es aus dem Bundesfinanzministerium. Man respektiere jedoch seine Gründe.

Nachfolger vor großen Aufgaben

Die Ankündigung kommt in einer bewegten Zeit für den Konzern. Im Oktober hatte Obermann publik gemacht, er wolle die kriselnde US-Tochter mit einer Fusion wieder flott machen. Gleichzeitig will die Telekom in Deutschland in den nächsten Jahren für Milliarden ein superschnelles Datennetz bauen - die Dividende für die nächsten Jahre wurde deshalb bereits gekürzt. Höttges erklärte, er wolle dem Konzern keinen Kurswechsel verordnen, sondern Obermanns Strategie weiterführen. "Ich habe noch viele Themen vor, die das Unternehmen nach vorne bringen sollen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Dezember 2012 um 20:00 Uhr.

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