Dunkle Wolken am Himmel. (Bildquelle: dpa)

Enthüllungen schaden Cloud-Industrie Düstere Aussichten durch NSA-Skandal

Stand: 19.08.2013 21:06 Uhr

Die Technik gilt eigentlich als die Lösung der Zukunft, um große Datenmengen günstig zu speichern: Cloud-Computing, das Deponieren von Daten auf Internet-Servern. Doch der NSA-Abhörskandal könnte die Branche schwer treffen.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkkorrespondentin Washington

Normalerweise macht der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich keine Schlagzeilen in den USA, doch mit diesem Zitat sorgte er für Aufsehen: "Wer Angst hat, dass seine Daten abgefangen werden, sollte Dienste suchen, die nicht über amerikanische Server laufen."    

Und auch Neelie Kroes, die Vizepräsidentin der EU-Kommission, warnt vor amerikanischen Anbietern: "Wenn europäische Cloud-Kunden nicht der US-Regierung und ihren Versprechungen trauen können, dann können sie vielleicht auch nicht den amerikanischen Cloud-Anbietern trauen. Das ist meine Einschätzung. Und wenn ich recht habe, dann bedeutet das Milliarden-Konsequenzen für amerikanische Firmen."

Es gibt bereits erste Schätzungen, wie der NSA-Skandal der Cloud-Industrie schadet. Die Stiftung ITIF Information, Technology und Innovation hat in diesem Jahr eine Studie dazu veröffentlicht: Danach könnte die Cloud-Industrie in den nächsten drei Jahren 35 Milliarden Dollar an Geschäft verlieren, weil Kunden in aller Welt nicht mehr sicher sind, ob ihre Daten vor den Augen der US-Geheimdienste geschützt sind.

NSA-Skandal und der Schaden für Cloud-Computing
S. Fritz, SWR Washington
19.08.2013 19:49 Uhr

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Daniel Castro, einer der Autoren der Studie, erklärt, woher die Zahlen stammen: "Umfragen haben ergeben, dass ausländische Kunden bereits zehn Prozent ihrer Aufträge storniert haben und mehr als die Hälfte sorgen sich um die Sicherheit ihrer Daten."

Rund 40 Prozent der befragten Anbieter hätten bereits Schwierigkeiten, ihre Dienste zu verkaufen. Andere Forschungsinstitute halten die Zahlen noch für untertrieben. Sie gehen davon aus, dass der Schaden bis zu 100 Milliarden Dollar ausmachen könnte.

Branche eigentlich vor guter Zukunft

Der Geheimdienst hat der Branche damit einen dicken Brocken in den Weg gelegt - und das zu einem Zeitpunkt, als sie gerade so richtig durchstarten wollte. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise war Cloud-Computing eine clevere Geschäftsidee.

Statt in teure Rechner zu investieren, konnten die Unternehmen ihre Daten einfach im Internet deponieren und wieder hervorholen, wenn sie gebraucht wurden. Wie Unterlagen, die auf einem Speicher gelagert werden, nur dass sich dieser Speicher eben nicht unterm Dach sondern irgendwo auf einem gigantischen Rechner, der sogenannten Cloud befindet. Es kamen ganz neue Anbieter ins Spiel, Amazon zum Beispiel ist einer der größten Player in diesem relativ neuen Business.

Experten für Daten-Sicherheit warnen jedoch davor, Kundendaten, Personal-Informationen oder Forschungsergebnisse in irgendeiner virtuellen Cloud abzulegen, von der niemand so genau weiß, wo sie sich gerade herumtreibt. David Smith, vom Potomc Institut Cyber Center, sieht jedenfalls beide Seiten in der Verantwortung. "Der Vorstand muss fragen: Okay, sie liefern mir Platz für meine Daten, aber welche Sicherheiten bieten sie mir dafür?", so Smith.

EU könnte vom Vertrauensverlust profitieren

Für die amerikanische Industrie, die den Cloud-Markt dominiert, ist der weltweite Vertrauensverlust jedenfalls ein großes Problem. Andererseits fragen Experten: Was ist die Alternative? Die Daten chinesischen Anbietern anzuvertrauen, oder sich doch wieder riesige Rechner in den Keller der Firmenzentrale stellen?  

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes. (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes.

Wenn es Verlierer gibt, gibt es meist auch Gewinner. Und so passt es vielleicht ganz gut, dass die EU gerade auf dem Weg ist, eine eigene Cloud-Strategie aufzubauen. "Wir wollen eine Position als EU in der ganzen Debatte und nicht nur in der Debatte, sondern auch in der Umsetzung", sagte die EU-Vizepräsidentin Kroes noch im Juni. Bevor Edward Snowden seine Datenkammer öffnete - und damit den NSA-Skandal publik machte. "Cloud-Computing ist die Antwort für Privatpersonen und für kleinere und mittlere Unternehmen. Es ist günstig und sicher", so Kroes weiter.

Der amerikanische Geheimdienst CIA selbst geht offenbar davon aus, dass seine sensiblen Daten auf der Wolke sicher sind. Er hat gerade einen 700-Millionen-Dollar-Auftrag an Amazon vergeben.   

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