Die norwegische Flagge

Milliardenschweres Aktienpaket Norwegens Staatsfonds verkauft Öl-Anteile

Stand: 16.11.2017 16:34 Uhr

Es ist ein Schock für die Öl- und Gaskonzerne: Der größte Staatsfonds der Welt setzt künftig nicht mehr auf Öl. Er will seine milliardenschweren Beteiligungen abstoßen, um unabhängig vom Ölpreis zu sein. Die Aktien der betroffenen Unternehmen verloren an Wert.

Der norwegische Pensionsfonds, der größte Staatsfonds der Welt, will seine Milliarden nicht mehr ins Ölgeschäft investieren. Die norwegische Zentralbank, die den Fonds verwaltet, erklärte, sie wolle so die Abhängigkeit des Fonds vom Ölpreis verringern. Der Fonds speist sich aus den Öl-Einnahmen Norwegens, dem größten Ölproduzenten in Westeuropa.

Die Pläne setzten die Aktien der betroffenen Unternehmen unter Druck. An den Börsen verloren die Werte von Royal Dutch Shell, BP und Eni. Der europäische Branchenindex für Öl- und Gaskonzerne fiel um ein halbes Prozent auf den tiefsten Stand seit vier Wochen.

Parlament muss die Pläne bewilligen

"Diese Empfehlung beruht ausschließlich auf finanziellen Gründen und Analysen zur Abhängigkeit des Staates vom Öl", betonte Zentralbank-Vizechef Egil Matsen. Damit seien keinesfalls Prognosen über die Entwicklung des Ölpreises, über die künftige Rentabilität des Ölsektors oder dessen Nachhaltigkeit verbunden.

Archivbild: Bohrinsel Troll B vor Norwegen
galerie

Norwegen ist der größte Ölproduzent in Westeuropa.

Wann der Fonds mit dem Verkauf der Anteile beginnt, steht noch nicht fest. Der Antrag muss noch vom norwegischen Parlament genehmigt werden. "Die Richtung ist aber klar. Im Falle einer Annahme unseres Vorschlags wird es in der nächsten Zeit zu einer Reduzierung der Beteiligungen kommen", betonte Matsen. Die frei werdenden Gelder sollen dann in andere Branchen investiert werden.

Fonds verwaltet eine Billion Dollar

Der Staatsfonds legt seit den 1990-er Jahren einen Teil von Norwegens Öl-Einnahmen für künftige Generationen an. Weltweit ist er an mehr als 9000 Firmen beteiligt und hält rund 1,3 Prozent der Anlagesumme an den weltweiten Börsen. Mitte September erreichte er erstmals einen Wert von einer Billion Dollar - umgerechnet fast 850 Milliarden Euro. Das sind pro Kopf fast 160.000 Euro für jeden der rund 5,3 Millionen Einwohner Norwegens.

Nach einem Parlamentsbeschluss darf der Fonds nicht in Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen. Die Leitlinien des Staatsfonds verbieten zudem Investitionen in Unternehmen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, Kinderarbeit ausnutzen oder Tabakprodukte herstellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2017 um 16:00 Uhr.

Darstellung: