Die Gewerkschafte kündigten Protest gegen den Stellenabbau an. (Bildquelle: dapd)

Tochter des Technikkonzerns vor dem Aus Nokia Siemens Networks streicht 1000 Stellen

Stand: 05.12.2012 16:29 Uhr

Der harte Sanierungskurs des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Network (NSN) kostet kurz vor Weihnachten mehrere hunderte Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Wie erwartet kündigte der angeschlagene finnisch-deutsche Konzern das Aus für die in Nürnberg beheimatete Tochter NSN-Services bis spätestens Ende 2013 an. An den bundesweit 16 Standorten fallen damit rund 1000 Arbeitsplätze weg.

Die Service-Tochter kümmert sich vor allem um die Wartung etwa von Verkabelungen oder Antennen in Kommunikationsnetzen. NSN hatte die Sparte von der Deutschen Telekom übernommen. "Das Unternehmen hat nie einen Gewinn erwirtschaftet und in den fünf Jahren seit seiner Gründung Verluste in zweistelliger Millionenhöhe angehäuft", teilte NSN mit. "Aus Sicht von NSN sind diese anhaltenden Verluste in einem Geschäftsbereich, der nicht zum Kerngeschäft gehört, nicht mehr tragbar", sagte NSN-Deutschland-Chef Hermann Rodler.

Geplatzter Großauftrag als Hauptgrund

Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks protetieren gegen den Stellenabbau. (Bildquelle: dpa)
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Gewerkschaften kündigten Protest gegen den Stellenabbau an.

Die Gewerkschaften reagierten entsetzt. Die Mitarbeiter erfuhren von den Plänen bei einer zentralen Versammlung in Kassel. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen sei der Hauptgrund für die Schließung gescheiterte Verhandlungen über einen Großauftrag der Deutschen Telekom. Demnach habe die Telekom 49 Millionen Euro zahlen wollen, NSN habe aber auf 56 Millionen Euro beharrt. "Wegen 7 Millionen Euro verlieren 1000 Menschen ihren Job", sagte ein Teilnehmer. "Wir sind alle vor den Kopf gestoßen." Das Management sei nach der kurzen Bekanntgabe gleich wieder abgereist.

Vorstandschef Rodler kündigte an, nun rasch mit den Arbeitnehmervertretern zu sprechen, "um die Situation für ihre Mitarbeiter zu klären". Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder appellierte an NSN und den früheren Eigentümer Telekom, die Beschäftigten nicht "für unternehmerische Fehlentscheidungen der Vergangenheit büßen zu lassen". Die Schließung sei völlig inakzeptabel. Die Unternehmen müssten den betroffenen Arbeitnehmern eine Perspektive bieten. Die IG Metall demonstrierte in München lautstark mit 250 Mitarbeitern des Standorts im baden-württembergischen Bruchsal gegen die geplante Schließung des Werkes. Dort soll bis Ende 2014 Schluss sein.

Weitere Sparten werden verkauft

Die Zentrale von Nokia Siemens Networks. (Bildquelle: dpa)
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Nokia Siemens Networks fährt ein großangelegtes Sanierungsprogramm.

Zuvor war bereits die Schließung oder der Verkauf von anderen Gesellschaften beschlossen worden. Insgesamt fallen in Deutschland dadurch mindestens 2600 Arbeitsplätze weg, weitere gut 2000 werden durch Verkäufe abgestoßen. NSN hatte angekündigt, 17.000 der weltweit 74.000 Stellen abzubauen und sich von Sparten durch Schließung oder einen Verkauf zu trennen.

Der Konzern will sich nach dem Umbau auf das mobile Breitbandgeschäft konzentrieren, das Festnetzgeschäft spielt offenbar keine Rolle mehr. Zugleich kündigte das Unternehmen an, seine Kundendienstsparte Business Support Systems mit 1200 Mitarbeitern an den kanadischen IT-Spezialist Redknee zu verkaufen. Am Montag hatte NSN, das zu gleichen Teilen dem krisengeschüttelten Handyriesen Nokia und Siemens gehört, mitgeteilt, seine Glasfasersparte mit rund 1900 Mitarbeitern an den Investor Marlin Equity Partners zu verkaufen.

NSN schreibt seit Gründung im Jahr 2007 nur Verluste. Zu Jahresbeginn verordnete sich das Unternehmen einen harten Sanierungskurs. NSN hatte öfter die Nokia-Quartalszahlen mit Verlusten verhagelt. Dem Konzern machen eine schwache Nachfrage nach Telekommunikationsausrüstung und die Konkurrenz durch günstige Anbieter aus China zu schaffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 5. Dezember 2012 um 17:00 Uhr.

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