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Studie: Fast jeder Vierte arbeitet für Billiglöhne

Fast jeder Vierte arbeitet für Billiglöhne

Immer weniger Lohn für immer mehr Beschäftigte

Reinigungskraft (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: 6,5 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten für Billiglöhne. ]
Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten für ein sehr niedriges Einkommen. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg der Anteil der Geringverdiener von 15 auf 22,2 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen, die seit Januar vorliegt und nun in Amsterdam vorgestellt wurde. Demnach arbeiten heute 6,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland für wenig Geld. "Die Befunde für die Bundesrepublik sind besorgniserregend", sagte der Direktor des IAQ, Gerhard Bosch, der "Frankfurter Rundschau".

Deutliche Ost-West-Unterschiede

Als Niedriglohn gelten Bruttostundenlöhne, die bei weniger als zwei Dritteln der durchschnittlichen Stundenlöhne liegen. Aufgrund der immer noch sehr großen Lohnunterschiede innerhalb Deutschlands liegt diese Grenze im Osten bei 6,81 Euro pro Stunde, im Westen bei 9,61 Euro. Der deutsche Durschnittswert liegt bei 9,13 Euro. Unterhalb dieses Werts liegen 41,1 Prozent der Beschäftigten im Osten und 19,1 Prozent im Westen.

Auch verglichen mit anderen Staaten ist der Anteil der Nideriglohnbeschäftigten in Deutschland hoch. In Frankreich ist die Quote gerade mal halb so hoch, in Dänemark ist sie noch niedriger. Die deutsche Quote liegt nur noch knapp unter dem US-amerikanischen Niveau, das bei rund 25 Prozent Niedriglohnanteil liegt.

1,9 Millionen arbeiten für weniger als fünf Euro

DGB-Aktion für Mindeslohn (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Arm trotz Arbeit" - laut IAQ-Studie trifft das immer mehr Beschäftigte ]
Die Autoren der Studie, Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina, kritisieren eine weitere Entwicklung: "Die Politik hat mit umfassenden Deregulierungen die Schleusen geöffnet für die weitere Ausdehnung der Niedriglohnbeschäftigung." Dabei steige nicht nur die Zahl der betroffenen Beschäftigten, sondern gleichzeitig sinke auch seit 2004 deren durchschnittlicher Stundenlohn - im Westen innerhalb eines Jahres von 7,16 Euro (2005) auf 6,89 Euro (2006), im Osten im gleichen Zeitraum von 5,38 Euro auf 4,86 Euro. 2006 arbeiteten insgesamt 1,9 Millionen Menschen für eine Stundenlohn unter fünf Euro. Ihr Fazit: Es gibt "vermehrt Hinweise darauf, dass das Lohnspektrum zunehmend nach unten ausfranst".

Betroffen sind dabei keineswegs nur gering Qualifizierte. Rund drei Viertel der Niedriglohnbeschäftigten haben laut Studie entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss. Das zeige, so die Autoren, dass die Niedriglöhne den Kern der Beschäftigung erreicht haben.

Stand: 18.04.2008 12:14 Uhr
 

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