Stromnetze | Bildquelle: dpa

Konzept zum Netzausbau für die Energiewende Nur drei statt vier neue "Stromautobahnen"

Stand: 26.11.2012 20:27 Uhr

Die Bundesregierung plant für die Energiewende weniger neue Stromleitungen als zunächst ins Auge gefasst: Von vier großen Nord-Süd-Trassen blieben im überarbeiteten Netzentwicklungsplan drei übrig, teilten Bundesnetzagentur und Wirtschaftsministerium mit.

Die neuen Planungen sehen eine ganz im Westen, von der Nordseeküste über das Ruhrgebiet ins Rhein-Main-Gebiet vor, eine aus dem Raum Hamburg bis östlich von Stuttgart sowie eine Trasse von Thüringen nach Bayern. Vorerst gestrichen wurde ein Verbindung aus dem Raum Osnabrück/Bielefeld in den Großraum Frankfurt/Main.

Netzumlage könnte sinken

Auch einige andere Leitungen wurden zurückgestellt, so dass jetzt mit gut 2800 Kilometer Neubau rund 1000 Kilometer weniger als zunächst geplant sind. Von gut 70 Projekten blieben rund 50 als vordringlich übrig. Die Netzbetreiber hatten ursprünglich von rund 20 Milliarden Euro Investitionen gesprochen, die über die Netzumlage von allen Verbrauchern bezahlt werden. Diese Summe dürfte sich jetzt auch reduzieren.

Das Bundeswirtschaftsministerium muss als nächstes ein Bundesbedarfsplangesetz vorlegen. Dieses soll noch im Dezember vom Kabinett verabschiedet werden, damit das parlamentarische Verfahren beginnen kann. Mit dem Gesetz stehen die Anfangs- und Endpunkte der künftigen Höchstspannungsleitungen fest. Erst dann werden die genauen Trassenkorridore festgelegt, bis zu tausend Meter breite Streifen, in denen später einmal die Leitungen verlaufen werden.

"Meilenstein" für den Umbau der Energieversorgung

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sprach bei der Vorstellung des Netzentwicklungsplans von einem "Meilenstein" für den Umbau der Energieversorgung. Nun bestehe Klarheit darüber, "welche Projekte im Übertragungsnetz realisiert werden."

Der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) nannte den Netzbau essenziell für die Energiewende. "Wir appellieren daher an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern, bei dem weiteren Verfahren unnötige Verzögerungen zu vermeiden", erklärte der Verband. Auch Rösler betonte, die Planungsverfahren sollten von derzeit zehn Jahren auf vier bis maximal fünf Jahre gekürzt werden. Der Verband Kommunaler Unternehmen warnte davor, beim Ausbau die kleineren Verteilnetze nicht zu vergessen.

Trassen werden für Ökostrom benötigt

Der Netzentwicklungsplan basiert auf Szenarien für den Strombedarf in den nächsten zehn Jahren. Mit einer engeren Kooperation zwischen Ländern und Bund sollen zudem die Raumordnungsverfahren gestrafft werden. Darauf müssen sich beide allerdings noch im Detail verständigen. Die neuen Leitungen sind vor allem nötig, um Windenergie aus Norddeutschland und von hoher See in die Industriegebiete des Südens und Westens zu transportieren. Hintergrund ist der Atomausstieg, der bis 2022 erreicht sein soll.

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Netzentwicklungsplan

Die Nord-Südtrassen werden weniger umfangreich ausgebaut als zunächst geplant. Quelle: Bundesnetzagentur

Netzentwicklungsplan
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