Mehrere Anschlüsse von Netzwerkkabeln nebeneinander | Bildquelle: dpa

Studie zu langsamem Internet Ausgebremst beim Surfen - für viele Alltag

Stand: 17.01.2018 17:41 Uhr

Nur noch kurz die Mails checken oder nach einer Zugverbindung suchen - das können viel Internetnutzer nur, wenn sie viel Geduld aufbringen. Der Grund: langsames Internet - bei fast drei von zehn von der Bundesnetzagentur überprüften Nutzern.

Fast ein Jahr lang - zwischen Oktober 2016 und September 2017 - hat die Bundesnetzagentur bundesweit Internetnutzer aufgefordert, die Geschwindigkeit ihrer Festanschlüsse zu testen. Rund 700.000 Messungen wurden seitdem ausgewertet - mit einem ernüchternden Ergebnis. Demnach hatten fast drei von zehn Nutzern (28,4 Prozent) eine relativ langsame Verbindung. Das heißt, die Datenübertragung war nicht mal halb so schnell wie die vertraglich vereinbarte Höchstgeschwindigkeit.

Nicht das versprochene schnelle Internet zu haben betrifft nach Angaben der Bundesnetzagentur Kunden sämtlicher Anbieter. "Über alle Bandbreiteklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden nach wie vor oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen die Anbieter in Aussicht gestellt haben", sagte Behördenchef Jochen Homann. Wobei die Ergebnisse bei den einzelnen Bandbreiten und zwischen den Anbietern unterschiedlich ausfielen.

Die Messungen wurden über die Seite "breitbandmessung.de" durchgeführt und flossen anonymisiert in die Studie ein. Im Vergleich zu der 2017 publizierten Untersuchung bleibt die Situation in etwa gleich - damals hatten 29,2 Prozent der Surfer Anlass zur Klage über Schneckentempo im Netz.

Auch im Mobilfunk surfen viele im Schneckentempo

Im Mobilfunk ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch größer. Nur 18,6 Prozent der Nutzer kamen auf mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten Höchstgeschwindigkeit. Gegenüber dem Vorjahreswert von 27,6 Prozent war das deutlich schlechter. Nur 1,6 Prozent der Nutzer bekamen laut jüngster Studie die vereinbarte Höchstgeschwindigkeit oder sogar eine noch schnellere Verbindung.

Eine unmittelbare Konsequenz aus der Studie entsteht nicht für die Anbieter - es gibt keine Sanktionen oder dergleichen. Die Bundesnetzagentur setzt mit dem Bericht vielmehr auf Transparenz, um die Anbieter unter Druck zu setzen und die Situation zu verbessern.

Ein Ärgernis auch für Geschäftsleute

Deutschland hinkt beim Breitbandausbau im internationalen Vergleich seit langem hinterher - Funklöcher oder Schneckentempo-Festanschlüsse sind nicht nur für Privatleute ein Ärgernis, sondern sind auch für Firmen ein gravierendes Problem im internationalen Wettbewerb. In einer Reaktion auf die Untersuchung wies der Branchenverband Bitkom darauf hin, dass Anbieter Übertragungs-Höchstgeschwindigkeiten nicht immer zusichern könnten, etwa aus technischen Gründen. Dies stehe auch in Produktinformationsblättern, in denen Angaben zu den normalerweise zur Verfügung stehenden Bandbreiten gemacht würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2018 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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