Sicherheitssystem Nest | Bildquelle: Marcus Schuler

Alphabet-Tochter Nest Ein Alarmsystem der neuen Art

Stand: 21.09.2017 09:53 Uhr

Um den Thermostat-Hersteller Nest ist es ruhig geworden. Jetzt meldet sich das Unternehmen, das zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehört, zurück. In San Francisco stellte es ein Sicherheitssystem für die eigenen vier Wände vor.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Eine Zeit lang ging das Gerücht, Google würde das 2014 für 2,3 Milliarden Dollar gekaufte Unternehmen am liebsten wieder loswerden. Nichts wollte Nest, das gerade mal auf 1000 Mitarbeiter kommt und seinen Sitz in Palo Alto hat, seit dem Einstieg von Google gelingen. Unter anderem musste ein Rauchmelder zurückgerufen werden.

Erst als Mitgründer und Chef Tony Fadell - er gilt als einer der Erfinder des Apple iPods - das Unternehmen Mitte vergangenen Jahres verließ, ging es mit Nest wieder aufwärts. Anders als bei anderen Zukäufen hat Google das Unternehmen autonom gelassen, betont Maxime Veron, oberster Marketing-Chef bei Nest: "Zentraler Teil der Übernahme war damals, dass Nest ein unabhängiges Unternehmen bleiben kann. Dieses Modell hat man mittlerweile für andere Unternehmen bei Alphabet übernommen."

Veron sagt das vermutlich aus zwei Gründen: Zum einen will er deutlich machen, dass man von der Zusammenarbeit mit Google profitiert - zum Beispiel bei Themen wie "Machine Learning", zum anderen beharrt Nest auf seine eigene Infrastruktur, gerade wenn es um Themen wie Privatsphäre und Datensicherheit geht. "Nest ist Nest, nicht Google. Daten werden nicht auf Servern von Google verarbeitet", betont Veron.

Präsentation des Sicherheitssystems Nest | Bildquelle: Marcus Schuler
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Maxime Veron stellt das neue Alarmanlagen-System vor.

Zurück zu den Wurzeln

Die jetzt in San Francisco vorgestellte Hardware führt das nur knapp sechs Jahre alte Unternehmen wieder zu seinen Wurzeln zurück. Es bringt in den USA ein Alarmanlagen-System heraus, das diesen Markt umkrempeln könnte. Den Anfang, so erklärt Michele Turner, Chefin für das Sicherheitssystem, macht eine Video-Türklingel, die ihre Intelligenz aus der Cloud bezieht: "Diese Klingel kann sowohl eine Person erkennen, als auch deren Gesicht."

Und hier kommt wieder Google ins Spiel: Dank der vom Mutterunternehmen entwickelten Algorithmen konnte Nest hier einen technologischen Sprung machen, der ansonsten vermutlich nicht so möglich gewesen wäre.

Via App lässt sich aus der Ferne mit Fremden oder Gästen sprechen. Je nach Besucher, bekannt oder unbekannt, können auch verschiedene Ansagen automatisch abgespielt werden.

Ein Mann zeigt auf eine Kamera des Sicherheitssystems Nest | Bildquelle: Marcus Schuler
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Über die Video-Türklingel kann man via App mit Fremden oder Gästen sprechen.

Alarmsystem für die eigenen vier Wände

Kernstück ist aber ein Alarmsystem für die eigenen vier Wände. Hier versucht Nest, die komplizierte Welt der Alarmanlagen dramatisch zu vereinfachen - mit Detektoren, die an Wände oder Fenster geklebt werden und mit einer Schaltzentrale, die per App oder via Schlüsselanhänger gesteuert wird. Marketing-Chef Veron: "Es lässt sich in 30 Minuten oder weniger montieren. Man muss nicht bohren. Es wird nur mit dem Wlan verbunden. Die Sensoren, die sowohl auf Bewegung reagieren als auch das Öffnen von Türen oder Fenster erkennen, werden einfach an die Wand geklebt."

Was auffällt: Die gesamte Hardware fühlt sich alles andere als billig an. Mit viel Liebe zum Detail hat das Unternehmen Geräte gebaut, die an das so viel gelobte Thermostat, das Nest vor sechs Jahren berühmt gemacht hatte, anknüpft. Wie kein anderes Unternehmen versucht Nest, in den Haushalt vorzudringen und diesen Raum mit Thermostaten, Rauchmeldern und Kameras für Innen und Außen zu erobern. Für 499 Dollar, umgerechnet 416 Euro, kommt das Alarmpaket im Herbst in den USA auf den Markt. Im Laufe des nächsten Jahres ist ein Marktstart in Europa vorgesehen.

Nest stellt vernetztes Sicherheitssystem vor
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
21.09.2017 09:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juli 2017 um 17:17 Uhr.

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