Mexikos Wirtschaftsminister Guajardo bei einer Konferenz | Bildquelle: REUTERS

NAFTA-Verhandlungen in Mexiko Freihandel ja - aber nicht um jeden Preis

Stand: 01.09.2017 09:11 Uhr

Mexikos Wirtschaft ist abhängig von NAFTA. Angesichts Trumps Drohungen, das Freihandelsabkommen zu kündigen, sorgt sich Mexikos Regierung und spricht nun zum Start der zweiten Runde der Verhandlungen schon von einem Plan B.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Mexikos Regierung macht sich auf das Schlimmste gefasst. Denn mitten in die Neuverhandlungen der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA platzt US-Präsident Trump immer wieder mit Drohungen: NAFTA sei "schrecklich" und "furchtbar" und solle gekündigt und neu geregelt werden, wenn die Verhandlungen keine Verbesserung für die USA brächten.

Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Villarreal sprach deshalb schon von einem Plan B. Und Außenminister Luis Videgaray Caso warnte: Mexiko werde im Falle einer Kündigung seitens der USA nicht am Verhandlungstisch sitzen bleiben. Außerdem verhandle man nicht via sozialer Netzwerke.

Doch Mexiko hat viel zu verlieren, denn die Wirtschaft ist abhängig von NAFTA: Etwa 80 Prozent der Exporte gehen in den Norden. Besonders für die Automobilindustrie wäre ein Ausstieg bitter. Schließlich ist das Schwellenland auch dank NAFTA zum siebtgrößten Autoproduzenten der Welt aufgestiegen, mehr als drei Viertel der exportierten Fahrzeuge gehen zollfrei in die USA. Auch deutsche Autobauer wie BMW und VW profitieren von der Nähe zu den USA.

Mitarbeiter loben VW als Arbeitgeber

Angestellte und Arbeiter des zweitgrößten VW-Werks der Welt im Bundesstaat Puebla üben sich in Gelassenheit. Ein Arbeiter sagt: "Ich habe hier wirklich einen tollen Job. Die Bezahlung ist viel besser als anderswo." Das Werk biete alles, damit sich die Arbeiter gut fühlten und gute Arbeit ablieferten. Eine andere VW-Mitarbeiterin erzählt, sei sei schon seit 20 Jahren hier. "Ich bewundere das Unternehmen. Dass VW als transnationales Unternehmen hier ist, hat dem Bundesstaat sehr geholfen."

Fast 80.000 Arbeitsplätze in Puebla hängen direkt oder indirekt von VW ab. In ganz Mexiko hat sich während der bald 24 NAFTA-Jahre ein komplexes Geflecht von Produktionsstätten und Zulieferbetrieben entwickelt. Trump will alles auf den Kopf stellen und die Ursprungsregeln ändern, das heißt: Autos und ihre Teile sollen überwiegend aus den USA stammen.

Das widerspreche jedoch dem Freihandelsvertrag, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Macario Schettino: "Die NAFTA-Ursprungsregeln waren beispielgebend für andere Freihandelsverträge. Um im Rahmen von NAFTA in Nordamerika Autos zu verkaufen, müssen sie auch größtenteils in Nordamerika produziert werden, also in den USA, Kanada oder in Mexiko", sagt Schettino.

Wirtschaftsforscher: Trump hat wenig Ahnung

In Mexiko habe es das größte Wachstum gegeben, auch in der Zulieferindustrie. "Das Problem mit Trump ist, dass er wenig darüber weiß und meint, er könne nationale Ursprungsregeln einführen, also nur für sein Land. Das gibt es aber in keinem Freihandelsabkommen. Die Regeln gelten für alle beteiligten Länder."

Würde man die Ursprungsregeln in der NAFTA-Zone ändern, so Schettino, wäre Mexiko der Gewinner. "Denn unsere Automobilindustrie ist die wettbewerbsfähigste und würde die meisten Investitionen erhalten." Die US-Autoindustrie werde keinesfalls mehr wachsen, meint Schettino, auch nicht durch andere Ursprungsregeln.

Das wichtigste für Mexiko in diesen Verhandlungen sei, NAFTA beizubehalten und um einige Punkte zu verbessern. Als Grundlage könnte der Vertragsentwurf der moderneren Transpazifischen Partnerschaft TPP dienen, die Trump gleich nach seinem Amtsantritt kündigte. In der Nordamerikanischen Freihandelszone, der größten der Welt, sei der digitale Handel zum Beispiel noch nicht geregelt.

Ökonomen bleiben optimistisch

Ökonomen wie Schettino bleiben trotz aller Drohungen des US-Präsidenten optimistisch: Die USA würden bei einer Kündigung nicht nur wirtschaftlich viel verlieren. Der südliche Nachbar Mexiko würde seine Hilfe in Fragen von Migration und Sicherheit zurückfahren, etwa bei der Verhinderung des Drogenschmuggels.

Zweite NAFTA-Verhandlungsrunde in Mexiko unter düsteren Vorzeichen
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
01.09.2017 09:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. September 2017 um 07:36 und 12:31 Uhr.

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