"FTD": Energiekonzerne wollen Speicherheizungen wiederbeleben

Versorger wollen Speicherheizungen offenbar nachrüsten

Mit alten Stromfressern durch die Energiewende?

Die als veraltete Stromfresser geltenden Nachtspeicherheizungen sollen nach den Vorstellungen großer Stromkonzerne künftig die Energiewende vorantreiben. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, will der Energieversorger RWE die elektrischen Heizungen wiederbeleben. Sie sollen mit moderner Regeltechnik ausgestattet und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken genutzt werden. Auch der Versorger EnBW spiele ein solches Modell durch.

Nachtspeicherheizung
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Heizen ist ein Kostenfaktor - besonders für Kunden mit Nachtspeichergeräten.

Test mit 50 Wohnungen lief offenbar erfolgreich

Der Technik-Chef der RWE-Effizienztochter, Norbert Verweyen, sagte der Zeitung, ein Praxistest mit 50 Wohnungen sei erfolgreich verlaufen. Technisch funktioniere das System schon heute. Die Geräte sollten so ausgestattet werden, dass sie flexibel auf Temperatur- und Strompreissignale reagieren können: Wenn der Strompreis aufgrund eines Überangebots aus Windkraftwerken niedrig ist, laden die Geräte nach, in Phasen mit hohen Tarifen schaltet sich die Elektronik ab. RWE wolle somit Heizstrom anbieten, der zehn Prozent unter dem normalen Nachtspeichertarif liege. "Wenn wir nachweisen können, dass es sich wirtschaftlich rechnet, wollen wir 2014 damit auf den Markt kommen", sagte Verweyen.

Zwar sind die meisten Elektroheizungen, die nachts billigen Kraftwerksstrom abnahmen, längst aus den Wohnungen verschwunden. Doch die 1,4 Millionen noch eingebauten Heizungen genügen laut RWE, um Pumpspeicher mit zehn Gigawatt Leistung zu ersetzen. Nebenbei könnten die Versorger darauf verzichten, Milliarden zu investieren, um Energie zwischenzulagern. Schon jetzt stehen Windräder immer wieder zwangsweise still, weil die dort produzierte Energie weder genutzt noch gespeichert werden kann.

Andere Versorger geben Speicherheizungen keine Chance

Andere Versorger sehen ein Comeback der Speicherheizungen laut "FTD" hingegen kritisch: Vattenfall etwa plane, für 500 Millionen Euro einen mit Windenergie betriebenen Wärmespeicher in sein Hamburger Fernwärmenetz einzubauen. Auch das Öko-Institut hält demnach nicht viel von einer Aufrüstung der alten Technik.

Die Bundesregierung hat das Ende der Speicherheizungen übrigens bereits besiegelt: Vor dem 1. Januar 1990 eingebaute oder aufgestellte elektrische Speicherheizsysteme dürfen nach dem 31. Dezember 2019 nicht mehr betrieben werden. Alle nach 1990 angeschlossenen Geräte dürfen maximal 30 Jahre laufen. Daran wird sich nach Angaben einer Sprecherin des Bundesbauministeriums auch nichts ändern.

Stichwort

Die Nachtspeicherheizung ist eine elektrisch betriebene Heizung mit Wärmespeicher. Dieser wird in sogenannten Schwachlastzeiten wie in der Nacht aufgeheizt und kann die Wärme dann einige Stunden lang halten.

Aufgrund günstiger Nachtstromtarife war diese Heizmethode jahrelang eine Alternative etwa zu Kohle- oder Holzöfen. Für die Energieversorger hatten sie den erwünschten Nebeneffekt, dass ihre Kraftwerke einigermaßen gleichmäßig ausgelastet waren. Speicherheizungen bergen aber viele Nachteile: Sie haben einen niedrigen Gesamtwirkungsgrad. Mit ihren Außentemperaturfühlern können sie schlecht auf Wetterumschwünge reagieren. In vielen Altgeräten wurde Asbest verbaut.

Stand: 04.12.2012 13:46 Uhr

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