Ein freistehendes Schild mit der Aufschrift "Monsanto".

Aktionäre stimmen zu Monsanto-Deal nimmt erste Hürde

Stand: 13.12.2016 16:11 Uhr

Bayer hat die erste Hürde in der Übernahme von Monsanto genommen: Die Aktionäre des US-Saatgutspezialisten haben dem Angebot zugestimmt. Doch der Weg ist noch weit. Nun müssen die Kartellwächter entscheiden.

Von Michael Heussen, WDR Köln

Bayer-Chef Werner Baumann vergleicht den Prozess der Übernahme von Monsanto gerne mit einem Marathon. Die ersten fünf Kilometer hat er heute geschafft. Die Aktionäre des amerikanischen Saatgut- und Pestizid-Herstellers haben in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri grünes Licht gegeben: Der Monsanto-Vorstand darf das 66 Milliarden Dollar-Angebot aus Leverkusen annehmen. Das war auch weithin so erwartet worden. Aber ab jetzt wird der Weg steinig und steil. Denn die deutlich größeren Hürden sind die Kartellwächter in Brüssel, in den USA und in rund 30 weiteren Staaten.

Klage abgewiesen

Erst am Montag hatte ein Gericht in Missouri die Klage eines Aktionärs abgewiesen, der dem Vorstand des amerikanischen Konzerns vorgeworfen hatte, das Unternehmen unter Wert an Bayer zu verkaufen. Die Leverkusener hatten einen Aufschlag von 44 Prozent auf den letzten Aktienkurs geboten, 128 US-Dollar pro Aktie. Doch die Börse reagiert bislang sehr zurückhaltend: Der Monsanto-Kurs verharrt bei rund 105 Dollar. Das gilt gemeinhin als Indiz dafür, dass die Aktienmärkte Zweifel am Gelingen der Fusion haben.

Grüne fordern Verbot der Übernahme

Der Widerstand bleibt auch von anderer Seite hoch: Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter appelliert gemeinsam mit mehreren Fraktionskollegen an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die Übernahme zu untersagen. Sie monieren mit Blick auf die Eigentümerstrukturen der führenden Agrochemiekonzerne, dass "weitgehend dieselben Finanzinvestoren relevante Anteile an allen Unternehmen halten. Für die Investoren zählt dann nicht die Rendite der einzelnen Unternehmen, sondern die des gesamten Marktes, und diese steigt, wenn der Wettbewerb abnimmt."

Logo Bayer | Bildquelle: AFP
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Bayer und Monsanto wollen Kombiprodukte entwickeln.

Wenn die Fusion genehmigt würde, würden in Zukunft drei Konzerne 65 Prozent des weltweiten Saatgutmarkts kontrollieren, bei Pestiziden hätte vier Konzerne die Kontrolle über 80 Prozent des Weltmarkts. Das Ziel von Bayer und Monsanto sei, verstärkt Kombiprodukte zu entwickeln und Saatgut zusammen mit abgestimmten Pflanzenschutzmitteln zu vermarkten. "Diese Bündelung steigert zusätzlich zur Marktkonzentration die Abhängigkeit der Erzeuger von einzelnen Firmen," kritisieren die Grünen.

Weltweiter Protest gegen Bayer und Monsanto

Weltweit machen Umweltaktivisten gegen die Fusion mobil: Beim Monsanto-Tribunal in Den Haag im Oktober kündigten etwa Rechtsanwälte aus Argentinien angekündigt, dass sie ihre Klagen gegen Monsanto auf Bayer ausweiten werden. Es geht etwa um ungeklärte Krankheits- und Todesfälle, die sie mit dem Einsatz des Monsanto-Pestizids Glyphosat in Verbindung bringen.

Auch in Indien und Sri Lanka formiert sich Widerstand. Menschenrechtsaktivisten berichten, dass die Geschäftspraktiken von Monsanto Bauern in den Selbstmord getrieben haben. Wenn die Fusion genehmigt würde, wäre nicht mehr Monsanto in St. Louis Adressat solcher Klagen, sondern Bayer in Leverkusen.

Bayer: Gentechnik ernährt die Welt

Dort wird aber eine ganz andere Geschichte erzählt: Mantra-artig wiederholen Werner Baumann und andere Bayer- und Monsanto-Spitzenmanager, dass ohne den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut und darauf angestimmten Pestiziden die Weltbevölkerung bald nicht mehr zu ernähren sei. Sie behaupten, dass ihre Produkte nachweislich nicht gesundheitsschädlich seien, und zweifeln anderslautende Gutachten der Gegenseite an. Es steht oft Studie gegen Studie, ein Wort des einen Wissenschaftlers gegen das eines anderen. Wer Recht hat, wird erst die Zeit zeigen.

Baumann selbst hat mal gewitzelt, im Falle eines Scheiterns wäre er der Vorstandsvorsitzende mit der kürzesten Amtszeit in der Bayer-Historie. Um das zu verhindern, braucht der bekennende Nicht-Sportler noch ordentlich Puste für die Reststrecke seines Marathons. Das Ziel ist das Gelingen der Übernahme bis Ende 2017.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Dezember 2016 um 13:39 Uhr

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