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30.05.2012

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Wirtschaft
Smartphones treiben Wachstum auf umkämpftem Mobilfunkmarkt
Mobilfunkmarkt in Deutschland

Smartphones lassen die Kassen klingeln

Die Verkaufserfolge der Smartphone-Hersteller bescheren dem deutschen Mobilfunkmarkt einen Wachstumsschub. Sie sorgen für rasant steigende Umsätze bei der Datenübertragung. Den Netzbetreibern kommt das gerade recht. Denn sie klagen trotz aller Rekordwerte über sinkende Preise und harten Wettbewerb.

Von David Rose, tagesschau.de

Smartphone mit SIM-Karten der vier Netzbetreiber (Foto: picture alliance / dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Smartphones sorgen für hohe Zuwachsraten im Datengeschäft der Netzbetreiber. ]
Die Botschaft der Zahlen lautet: Mobil ist die Zukunft. Auf den ersten Blick wirkt das Wachstum des Mobilfunkmarkts grenzenlos. Voriges Jahr telefonierten die Handy-Besitzer in Deutschland 180 Milliarden Minuten und damit mehr als doppelt so viel wie 2005. Schätzungen zufolge könnten in diesem Jahr die Handy-Telefonate und die Festnetz-Gespräche erstmals fast gleichauf liegen. Jede Sekunde werden bundesweit mehr als 1300 SMS verschickt - auch hier zeigt der Trend weiter steil nach oben. Und weil inzwischen jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone ist, verdoppelte sich die Menge übertragener Daten allein binnen eines Jahres.

Regulierungsbehörden senken Preise

Doch die Bilanzen der vier Netzbetreiber Vodafone, Deutsche Telekom, E-Plus und Telefónica Germany (O2) dokumentieren auch die andere Seite der Branche. Die Konzerne klagen über die Folgen von Regulierungsentscheidungen: Die EU begrenzte die Roaming-Gebühren. Die Bundesnetzagentur senkte die sogenannten Terminierungsentgelte, die die Netzbetreiber für Gespräche aus anderen Netzen verlangen dürfen.

Der Wettbewerb Dutzender Anbieter und der Netzbetreiber untereinander drückt zusätzlich die Preise. Die Kunden profitieren davon: Sie zahlten für Mobilfunkangebote im vergangenen Jahr 17,2 Prozent weniger als 2005. Dazu trug der Erfolg der Flatrates bei. Zwei Drittel aller Gespräche und SMS werden mittlerweile über Pauschaltarife abgerechnet. Unternehmen, die trotzdem wachsen wollen, müssen dies zu Lasten der Konkurrenz oder durch neue Angebote schaffen.

Deutscher Mobilfunkmarkt nach Netzen Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Auf jeden Einwohner Deutschlands kommen rechnerisch 1,3 Mobiltelefone. ]

Kundenzahl wächst nur noch minimal

Denn bei wichtigen Kennzahlen der Branche herrscht annähernd Stagnation: Ende Juni waren in Deutschland 109,8 Millionen Mobilfunkkunden registriert und damit nicht einmal ein Prozent mehr als Ende 2010. Die Bundesnetzagentur bilanzierte, dass sich die Zahl der Mobilfunkkunden schon im vergangenen Jahr zum erstem Mal nicht mehr wesentlich erhöht habe. Zwischenzeitlich zeigte der Trend sogar nach unten, weil die Deutsche Telekom Millionen ungenutzter Prepaid-Handys aus der Statistik strich.

Auch die Umsätze der Branche entwickeln sich ganz anders, als es einige der Wachstumszahlen vermuten lassen. Die Marktanalyse des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) belegt zwar, dass schon seit Jahren etwa 40 Prozent der Geschäfte im deutschen Telekommunikationsmarkt auf die Mobilfunkbranche entfallen. Doch dieser Anteil sank zwischen 2005 und 2009 Jahr für Jahr. Die Umsätze der Mobilfunkanbieter schrumpften zeitgleich von 28,1 auf 24,1 Milliarden Euro.

Umsatz des deutschen Mobilfunkmarkts [Bildunterschrift: Umsatz des deutschen Mobilfunkmarkts ]

Leichtes Umsatzwachstum erwartet

Erst voriges Jahr zeigte der Trend wieder leicht nach oben. Vom Gesamtumsatz von 24,3 Milliarden Euro entfielen 14,8 Milliarden Euro auf Sprachdienste und bereits 3,3 Milliarden Euro auf die Datenübertragung. Für das laufende Jahr rechnet der VATM mit einem weiteren leichten Plus der Branchenumsätze. Denn Smartphones und die mobilen Datendienste sorgen für einen Wachstumsschub.

Der Großteil der Geschäfte läuft dabei über die vier Netzbetreiber. Nur jeder fünfte Mobilfunkkunde in Deutschland wird laut Bundesnetzagentur noch von einem unabhängigen Service-Provider wie Freenet oder Drillisch betreut. Gemessen an der Zahl der Mobilfunkkunden löste Vodafone 2010 die Deutsche Telekom als Nummer eins ab. Die Telekom behauptet aber ihre Position als Marktführer -gemessen am Umsatz im Mobilfunkgeschäft. Die E-Plus-Gruppe fühlt sich ihrerseits als Hauptgewinner der vergangenen zwölf Monate: Sie gewann in dieser Zeit mehr als 1,9 Millionen Kunden hinzu - und damit die meisten aller vier Netzbetreiber. Ein ähnlich starkes Wachstum meldete Telefónica Germany (02) mit fast 1,5 Millionen neuen Kunden.

Milliardeninvestitionen stehen an

Seit langem investierten die Betreiberkonzerne jährlich mindestens zwei Milliarden Euro in die Mobilfunknetze. Der Branchenverband BITKOM rechnet vor, dass in den kommenden Jahren allein acht bis zehn Milliarden Euro in den Ausbau der neuen, schnellen Übertragungstechnik LTE fließen werden. Im vergangenen Jahr ersteigerten die vier Netzbetreiber für 4,4 Milliarden Euro bereits neue Frequenzen, die im Mobilfunk eine deutlich schnellere Datenübertragung ermöglichen. Trotz der Milliardeninvestitionen und sinkender Preise zeigen die Bilanzen der Netzbetreiber, dass im deutschen Mobilfunkmarkt weiter viel Geld zu verdienen ist.  

Absatz von Mobiltelefonen in Deutschland [Bildunterschrift: Absatz von Mobiltelefonen in Deutschland ]
Stand: 17.08.2011 09:53 Uhr
 

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