Mobile World Congress in Barcelona

Mobile World Congress in Barcelona ... und abends an die Steckdose

Stand: 26.02.2013 13:28 Uhr

Die Handyentwickler stehen vor einem Rätsel, mit dem auch die Ingenieure von E-Autos kämpfen: Wie können Akkus leistungsfähiger werden? Ein Hersteller versprach auf dem Mobile World Congress nun eine technische Revolution, doch der Praxistest fällt ernüchternd aus.

Von Benjamin Großkopff, NDR, zurzeit Barcelona

Es klang wie eine Revolution, die Nokia-Design Chef Marco Athissari da ankündigte: "Es ist tatsächlich so: Während viele Menschen darum kämpfen, durch einen Tag zu kommen, ohne ihr Smartphone zu laden, können Sie dieses Telefon einmal im Monat laden." Das wäre ein Durchbruch gewesen, eine Sensation - doch schnell wurde klar, dass ein Monat zwar beachtlich ist, aber das neue Nokia-Modell eben auch eher ein Telefon im klassischen Sinne als ein Smartphone ist.

Für alle wirklichen Smarthphone-Modelle, die hier in Barcelona neu vorgestellt werden, gilt weiter: Sie können ein besseres Display haben als ein Full-HD-Fernseher, rasend schnell durchs Netz surfen oder gar einen Tauchgang im Meer überstehen - ein Tag ohne Akku-Aufladen wird dagegen schwierig.

Keine zwei Tage ohne Aufladen

Ein ZTE-Smartphone mit dem Logo des neuen Firefox OS Betriebssystems für Smartphones | Bildquelle: AFP
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Auch neue Modelle stehen vor dem alten Problem: Die Akkus halten nicht lang genug durch.

Kein Hersteller wird gern darauf angesprochen. Michael Wilmes vom südkoreanischen LG-Konzern gibt zu, dass die geringe Akkudauer - freundlich formuliert - ein Thema oder, klarer gesagt, ein Problem ist. Tagsüber telefonieren, surfen und vielleicht noch einen Film gucken, nachts aufladen - das ist bislang die Regel. "Wir arbeiten stark daran, die Milliamperestunden - das ist die Einheit, in der man die Langlebigkeit von Akkus auch berechnet - weiterhin zu verbessern", betont Wilmes. "Wir stellen hier ein Gerät vor, dass 3140 Milliamperestunden hat. Das heißt für die Benutzer, sie können damit länger als einen Tag wirklich intensiv arbeiten."

Aber: Länger als einen Tag sind nun mal keine zwei Tage. Und so sei auch keine wirkliche Besserung in Sicht, selbst bei enormen Fortschritten, sagt der Smartphone-Experte Daniel Schraeder vom Blog "Techstage": "Selbst eine Steigerung der Energiekapazität von 30, 40 vielleicht sogar 50 Prozent würde gar nicht so viel bringen. Denn letztlich zählt es für den Consumer, ob er damit über einen oder über zwei Tage kommt. Wenn sein Smartphone eineinhalb Tage durchhält, dann nützt es trotzdem nichts, denn der Nutzer muss sein Akku abends aufladen, sonst steht er am nächsten Nachmittag ohne Handy da."

Neue Technik frisst zusätzliche Leistung auf

Es gibt zwar einige, kleinere Verbesserungen bei den Akkus, die für den Besitzer der insgesamt immer ausgefeilteren Smartphones aber wenig Folgen haben. "Die Akkus können insofern mithalten als dass die natürlich auch leistungsfähiger werden. Aber was die Akkus zusätzlich an Leistung haben, wird durch die zusätzliche Technik, die größeren Displays, die schneller Datennetze und Prozessoren auch wieder aufgezehrt."

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