Frankreichs Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel bei einem Treffen in Berlin

Merkel-Sarkozy-Treffen zur Euro-Krise Alles dreht sich ums Nicht-Thema Eurobonds

Stand: 16.08.2011 00:27 Uhr

Ein Thema ist kein Thema - zumindest offiziell: Eurobonds. Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy wollen in Paris über Wege aus der Euro-Krise reden, nicht aber über gemeinsame Staatsanleihen. Die Erwartungen sind dennoch hoch. Für Sarkozy ist das Treffen auch innenpolitisch wichtig.

Von Daniela Junghans, WDR-Hörfunkstudio Paris

Die Erwartungen an das deutsch-französische Treffen sind hoch. So hoch, dass bereits eine kleine Äußerung des deutschen Regierungssprechers gestern an der Pariser Börse zu spüren war. Dabei ging es um die Frage, ob Angela Merkel und Nicolas Sarkozy auch über die umstrittenen Euro-Anleihen reden werden. Werden sie nicht, sagte der Regierungssprecher. Eine halbe Stunde später war der französische Aktienindex CAC 40 ins Minus gefallen.

Denn nicht nur Krisenstaaten wie Griechenland oder Italien hoffen auf die sogenannten Eurobonds. Auch immer mehr Wirtschaftsvertreter fordern gemeinsame Anleihen der Euro-Länder. Doch bislang ließen sich Merkel und Sarkozy davon kaum beeindrucken. Ob sie aber dem Druck der Märkte standhalten, ist offen.

"Ich höre nicht auf die Propheten der Apokalypse"

Frankreichs Wirtschaftsminister Francois Baroin ist allerdings sicher, dass Frankreich die aktuelle Krise auch so überstehen kann: "Ich höre nie, weder heute noch gestern oder morgen, auf die Propheten der Apokalypse. Wir haben Verantwortung. Es gibt technische Mittel, es gibt politische Entscheidungen. Daran glauben wir, und das wird funktionieren."

Baroin meint damit zum Beispiel das Verbot ungedeckter Leerverkäufe, das Frankreich in der vergangenen Woche verhängt hat. Diese hoch spekulativen Kurswetten sind derzeit in sechs EU-Staaten untersagt, darunter auch in Deutschland. Je mehr Länder sich diesem Verbot anschließen, desto wirksamer kann es sein.

"Bei ungedeckten Leerverkäufen kann man in kurzer Zeit sehr viel Geld verdienen, ohne die Aktien selbst zu besitzen. Solche Geschäfte muss man auf jeden Fall einschränken", sagt Frankreichs Wirtschaftsminister.

Staatsoberhäupter wollen Vorschläge zur wirtschaftspolitischen Steuerung der Eurozone erarbeiten
tagesschau 12:00 Uhr, 16.08.2011, Norbert Carius, ARD Berlin

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Auch eine bessere Koordination der EU-Wirtschaftspolitik wird wohl auf der gemeinsamen Agenda von Merkel und Sarkozy stehen. Beide wollen vermeiden, dass in Zeiten sensibler Märkte widersprüchliche Informationen aus Brüssel für zusätzliche Bewegung an den Börsen sorgen.

Sarkozy kämpft um Vertrauen

Für Frankreichs Präsidenten hat der heutige Termin aber noch eine ganz andere Bedeutung. Dass er Merkel zu sich nach Frankreich ruft, um die Euro-Krise zu besprechen, ist auch eine Botschaft an seine Landsleute. Die sollen einen tatkräftigen Sarkozy erleben, der die Wirtschaft im Griff hat.

Denn derzeit glaubt gerade mal jeder Dritte Franzose, dass Sarkozy eine neue Krise meistern könnte. Vertrauen haben die Franzosen laut einer aktuellen Umfrage vor allem in Angela Merkel.

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Eurobonds - eine gute Idee?

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich für die Einführung von Eurobonds - also gemeinsamer Anleihen der Euro-Staaten - unter bestimmten Bedingungen ausgesprochen. Ähnlich äußern sich Grüne und Linkspartei. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnte hingegen, dies ginge letzendlich auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Was meinen Sie: Wären Eurobonds generell eine gute Idee?

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