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Der wachsende Durst der Chinesen auf Milchprodukte soll ein Grund für die Preissteigerungen in Deutschland sein. Tatsächlich liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in China noch weit unter dem Weltdurchschnitt. Doch Konsum im Milliardenvolk nimmt zu, und davon profitieren vor allem chinesische Firmen.
Von Astrid Freyeisen, ARD-Hörfunkstudio Schanghai
[Bildunterschrift: China trinkt Milch - in Deutschland steigen die Preise ]
"Ich habe einen Traum", schwärmte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao im vorigen Frühjahr beim Besuch einer Milchviehstation: "Jeder Chinese, zuerst die Kinder, sollten eines Tages täglich einen halben Liter Milch trinken können." Bisher bleibt's beim Traum, vor allem auf dem Land. 90 Prozent der Milchprodukte kaufen die Städter - etwa in Schanghai. "Die Chinesen trinken viel mehr Milch als früher", sagt eine Frau auf der Straße, "weil sich unser Lebensstandard verbessert hat. Die Leute passen jetzt mehr darauf auf, was sie essen. Einige Leute mögen den Geschmack der Milch, andere nicht. Ich habe mich daran gewöhnt. Für uns ältere Leute ist das Kalzium gut für die Knochen, für unseren Körper und das tägliche Laben." Und ein Mann fügt hinzu: "Ich mag den Geschmack und möchte auch stärker werden."
Schanghai ist die Hauptstadt der Milchtrinker: Dort konsumiert man im Jahr 50 Kilo Milchprodukte – mehr als doppelt so viel wie der Durchschnittschinese. Pro Kopf tranken und aßen die Chinesen nur ein Fünftel vom Weltdurchschnitt. Pan Beilei vom internationalen Verband der Milchproduzenten ist überzeugt, dass China zum größten Markt für Milchprodukte aufsteigen wird – ein ähnlicher Trend wie bei Schokolade oder Bier.
Milchkonsum in China: Die Masse macht's beim Milchkonsum der 1,3 Milliarden Chinesen: Pro Kopf tranken und aßen sie 2005 nicht einmal 22 Kilo jährlich, Produktion insgesamt 28 Millionen Tonnen. Aber das Bild ändert sich rasant, wie der Vergleich mit 1995 zeigt: Seit damals hat sich die Gesamtproduktion mehr als verdreifacht. Ausländische Marken sind vor allem beim Milchpulver gefragt – weil in chinesischem Antibiotika-Rückstände gefunden wurden.Und dass der Durst der Chinesen die Weltmarktpreise nach oben treibt, gibt auch der chinesische Molkereiverband zu. Eine Angestellte in einem Shanghaier Bürogebäude sagt: "Ich trinke heute mehr Milch als früher in meiner Kinderheit. Damals habe ich viele andere Getränke lieber gemocht. Ich mag die Milch. Einige Leute ziehen Joghurt vor. Andere sind allergisch auf Milch. Ich bin daran gewöhnt." Eine Kollegin tut sich dagegen schwer mit dem Getränk: "Ich habe früher viel mehr Milch getrunken als heute. Ich finde, sie bläht meinen Bauch auf, ich fühle mich dann nicht gut. Ich trinke nur die Marke Mengniu."
In den Supermärkten dominieren chinesische Marken wie Yili oder Mengniu aus der inneren Mongolei, mit 32 Prozent Marktführer bei der Milch. Wohl ein Grund, warum Danone ein Gemeinschaftsunternehmen mit Mengniu betreibt. Doch eins scheint sich nur langsam zu ändern: Die Abneigung der Chinesen gegen Käse. Sogar in Schanghai, wo man Käse überall kaufen kann, sagt ein Parkplatzwächter: "Käse habe ich noch nie gegessen."
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