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18.03.2010

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Begeisterung über Bahn-Geschwindigkeitsrekord
Nase vorn im Hochgeschwindigkeitsrennen

So schnell, dass die Brücken wackeln

Einige Eisenbahnfans zelteten zehn Tage an der Strecke, um diesen Rekord mitzuerleben: Zwischen Straßburg und Paris beschleunigte der französische TGV auf 574,8 km/h und stellte damit seinen eigenen Weltrekord ein. Im internationalen Konkurrenzkampf hat die französische Bahn aus ihrer Sicht jetzt die Nase vorn.

Von Angela Ulrich, ARD-Hörfunkstudio Paris

Der TGV-V150 während seiner Rekordfahrt, auf der er eine Spitzengeschwindigkeit von 574 km/h erreichte. (Foto: Reuters) [Bildunterschrift: An Schaulustigen in der Champagne rast der TGV-V150 während seiner Rekordfahrt wie ein Blitz vorbei. ]
Es ist 13 Uhr und eine Minute. Zur besten Sendezeit übertragen alle grossen französischen Fernsehkanäle live: Der Spezial-TGV rollt an. Er ist kompakt und mit extrastarken Motoren ausgestattet. Die Spannung in den Oberleitungen auf der Strecke wurde erhöht, die Schienen in den Kurven verstärkt.

Eisenbahnfans sind von weither gekommen, um das Spektakel mitzuverfolgen. "Ich campe hier schon seit 10 Tagen, schlafe im Auto, denn Züge sind meine Leidenschaft. Diesen Rekord muss ich miterleben, danach kann ich in Ruhe sterben!“, sagt ein älterer Mann.

"Es ist unglaublich! Spektakulär!"

 (Foto: Reuters) [Bildunterschrift: Der TGV während der Rekordfahrt ]
Der TGV beschleunigt zügig auf der Strecke, das Kraftpaket wird zum Silberpfeil. Die Brücken, unter denen der Rekordzug durchsaust, vibrieren. Oben drauf schwenken begeisterte Zuschauer Fahnen, es knallen Sektkorken. Fernsehreporter an der Strecke überschlagen sich fast vor Begeisterung. "Da kommt er, ich sehe ihn! Es ist unglaublich! Spektakulär!", ruft einer.

Schon nach wenigen Minuten ist die alte Bestmarke geknackt. Die lag bei 515 Kilometern pro Stunde, ebenfalls von einem TGV vor 17 Jahren aufgestellt. Der Superzug beschleunigt weiter, erreicht sein Maximum nach einer Viertelstunde: 574,8 Stundenkilometer. Das ist Tempo-Weltrekord auf der Schiene.

Lokführer Eric Pieczac steigt kurz danach erschöpft, aber glücklich, aus seinem Cockpit: „Das hat mir Riesenspass gemacht. Ich fühle mich geehrt und bin stolz, dass ich das erreichen konnte, ein Tempo von 574,8 Stundenkilometern. Erleichtert bin ich auch. Ich hab nicht so gut geschlafen letzte Nacht. Aber alles ist gut gelaufen. Eine Superfahrt, das Wetter hat mitgespielt, ich bin zufrieden!“

Rekord sichert Pluspunkte gegenüber ICE

 (Foto: REUTERS) [Bildunterschrift: Geschafft: Patrick Kron, Vorstandsvorsitzender der Alstom, mit der Rekordmarke ]
30 Millionen Euro hat die Rekordfahrt gekostet. Schneller als der TGV war mit 581 Kilometern pro Stunde bisher nur die japanische Magnetschwebebahn Maglev, aber die berührte dabei nicht den Boden. Dass diese Bestmarke noch steht, stört Phillippe Mellier wenig. Nach Meinung des Chefs von TGV-Bauer Alstom Transport hat Frankreich mit der Werbefahrt wieder die Nase vorn im Hochgeschwindigkeitsrennen: „Wir als französisches Unternehmen sind im harten Konkurrenzkampf gegen die Unternehmen aus Deutschland und Japan, die auch diese Technik besitzen. Für uns ist es also wichtig, erneut klarzumachen, dass wir die Anführer sind, mit einer Länge Vorsprung vor der Konkurrenz!“

Rekordstrecke bald für den Normalverkehr frei

Im Regel-Betrieb sind solche Rekordgeschwindigkeiten nicht realistisch. Bis zu 320 fährt der TGV normalerweise. Aber die französische Staatsbahn SNCF will auch ihren Standard-Zug noch schneller machen, sagt Generaldirektor Guillaume Pépy: „Wir haben eine Testreihe über 360 Stundenkilometer gemacht. Technisch ist das möglich. Aber wir wissen noch nicht, ob das wirtschaftlich sein kann. Daran arbeiten wir.“

Ab dem 10. Juni fährt der neue TGV Ost dann mit 320 km/h auf der Rekordstrecke von heute. Die Verbindung Paris - Strassburg dauert dann nur noch 2 Stunden 20 Minuten, Paris - Frankfurt oder Paris - Stuttgart unter 4 Stunden. Kleiner Wermutstropfen bei diesem Zeitgewinn: Die Tickets werden teurer.

Stand: 03.04.2007 16:59 Uhr
 

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