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21.03.2010

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Wirtschaft
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Milchindustrie verteidigt Preiserhöhungen
Milchprodukte werden teurer

Überfällig oder überzogen?

Die deutsche Milchindustrie hat die für August angekündigten Preiserhöhungen bei Milch und Milchprodukten verteidigt. Die Preise seien in den vergangenen Jahr so stark gesunken, dass eine deutliche Anhebung notwendig sei, sagte der Vorsitzende des Milchindustrieverbands, Eberhard Hetzner, im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. "Das neue Preisniveau ist für Verbraucher noch verträglich. Ich hoffe, dass die derzeitige Lage noch eine ganze Zeit anhalten wird", betonte Hetzner.

"Butterpreise wie vor 20 Jahren"

Milchprodukte in einem Frankfurter Supermarkt (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Gestiegene Kosten für Milchproduklte verunsichern die Verbraucher. ]

Laut Verband steigt der Preis für ein Päckchen Butter in den nächsten Tagen von durchschnittlich 79 Cent auf 1,19 Euro. "Solche Butterpreise hatten wir zuletzt vor 20 Jahren", sagte Eckhard Heuser, Geschäftsführer des Milchindustrieverbands. Er rechnet mit einer Mehrbelastung der Verbraucher von monatlich drei bis vier Euro für Milchprodukte. Das sei durchaus erträglich. Quark wird nach Aussagen des Verbands um 40 Prozent teurer, der Liter Milch um fünf bis zehn Cent. Bei Discountern wie Aldi stieg der Preis für Milcherzeugnisse bereits am Wochenende.

Bundesregierung ohne Handhabe

Die Bundesregierung kritisierte die Preiserhöhungen. "Diese drastischen Preiserhöhungen sind nicht wirklich nachvollziehbar", sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums. Die Erhöhung in diesem Ausmaß habe nichts zu tun mit den gestiegenen Milchpreisen, die die Bauern seit kurzem erhalten. Die Bauern bekämen etwas mehr Geld, dies sei aber "nicht wesentlich". Die Bundesregierung beobachte dies, habe aber keine Handhabe.

Landwirtschaftsminister Horst Seehofer lobte, dass die Bauern mehr Geld für die Milch erhielten, "es wäre aber schlecht, sollte der Handel die Situation jetzt ausnutzen". Seehofers Tipp: Die Bürger sollten preisbewusst einkaufen.

Grüne fordern "Widerstand gegen Abzocke"

 (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wird wohl demnächst viel teurer: Milch ]
Die FDP-Bundestagsfraktion forderte den Handel zu einer maßvollen Preispolitik auf. Die Linksfraktion warnte davor, dass Milchprodukte zu teuer für Familien mit geringem Einkommen werden. Die Grünen- Fraktion forderte die Abschaffung von Exportsubventionen für Milch sowie "Widerstand gegen Abzocke".

Pellengahr: "Wettbewerb wird es richten"

Der Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandel (HDE), Hubertus Pellengahr, widersprach derweil Berichten über Preiserhöhungen von bis zu 50 Prozent bei Milchprodukten: "Das wird bei weitem nicht so dramatisch ausfallen." Der scharfe Wettbewerb werde allzu dramatische Preissprünge verhindern. Pellengahr betonte, derzeit lägen die Lebensmittelpreise in Deutschland um knapp zwei Prozent über dem Vorjahreswert. Diese Preissteigerungsrate werde sich nach Einschätzung des HDE voraussichtlich im zweiten Halbjahr nicht wesentlich verändern.

Bundeskartellamt prüft

Das Bundeskartellamt will indes die Preiserhöhungen beleuchten. Eine Sprecherin der Behörde sagte NDR Info, die flächendeckenden Anhebungen der Preise erschienen "auf den ersten Blick seltsam". Deshalb werde das Amt recherchieren und dann überlegen, ob es reagiere. Ganz generell habe das Kartellamt den Milchmarkt schon seit einigen Jahren im Auge.

Am Freitag hatte das zweitgrößte deutsche milchverarbeitende Unternehmen, die Humana Milchunion, deutliche Preiserhöhungen für Milch und Milchprodukte angekündigt. Als Grund nannte das Unternehmen die zunehmende Rohstoffknappheit auf dem Weltmarkt. Dürreperioden in Australien und Ozeanien hätten zu einem nennenswerten Rückgang der dortigen Milchproduktion geführt. Hinzu kämen die gestiegene Nachfrage aus Asien und ein Rückgang der Milchproduktion zugunsten der Bioenergiegewinnung in Deutschland.

Asiatischer "Treibsatz" im Milchpreis

Mit einer schnellen Umkehrung des Trends ist nach Angaben des Bauernverbands nicht zu rechnen - eher mit dem Gegenteil. "Im langfristigen Trend werden sich die Milchpreise nach oben bewegen", sagte Generalsekretär Helmut Born in Berlin. "Der Sog bei Nahrungsmitteln vor allem aus dem asiatischen Raum ist jetzt der unmittelbare Treibsatz für die Milchpreisentwicklung ."

Stand: 30.07.2007 15:32 Uhr
 

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