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[Bildunterschrift: Grüner Punkt ]
Seit Monaten ringt die Bundesregierung um eine Reform der Verpackungsverordnung. Tüten, Tuben und Tetrapacks sollen künftig alle geregelt entsorgt, Schlupflöcher geschlossen werden. Doch ist die Mülltrennung überhaupt noch sinnvoll? Statt das Duale System zu stärken, fordern Experten längst die Abschaffung. Bis zu 50 Prozent des Mülls landen ohnehin in der falschen Tonne.
Von Claudia Thöring, tagesschau.de
Deutschland ist Weltmeister beim Mülltrennen. Die Einführung des Grünen Punkts im Jahr 1990 galt als zukunftsweisend und umweltpolitisch vorbildlich. "Damals gab es zu wenig Deponien und zu wenig Verbrennungskapazitäten. Das Duale System wurde geschaffen, als wir einen Müllnotstand hatten. Und das war damals ein richtiger Schritt", sagt Prof. Klaus Wiemer, Leiter des Fachgebiets für Abfallwirtschaft und Altlasten der Universität Kassel. "Heute ist man allerdings technisch viel weiter. Und das ganze System ist reformbedürftig."
Während Maschinen inzwischen in der Lage sind, Müll exakt zu sortieren, sind die Verbraucher damit offenbar immer noch überfordert. Bis zu 50 Prozent der Abfälle landen in der falschen Tonne, vor allem in Großstädten. "Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass im Restmüll mehr Verpackungen mit Grünem Punkt gefunden wurden als in der gelben Tonne", sagt Gunnar Sohn, ehemaliger Pressesprecher des Dualen Systems Deutschland und heute Herausgeber eines kritischen Umweltmagazins.
Warum also nicht gleich die gelbe Tonne abschaffen und den Müll wieder zusammenführen? Genau das wäre der richtige Schritt, ist Gunnar Sohn überzeugt. Er fordert daher: "Weg mit dem gelben Sack! Heute ist es technisch möglich, alles verwertbare Material aus dem Müll zu holen, nicht nur Verpackungen. Was über den Grünen Punkt gesammelt wird, ist von der Menge her lächerlich." Diese Überzeugung teilt auch Abfall-Experte Wiemer: "Es könnte viel mehr verwertet werden als jetzt. Da liegen Ressourcen in hohem Maße brach."
Das Duale System Deutschland in der Krise: Selbstentsorger und Trittbrettfahrer machen dem Dualen System zunehmend das Leben schwer. Studien zufolge kommt jede vierte Verpackung bereits ohne Grünen Punkt in den Handel. Weil immer mehr Müll in den gelben Tonnen unbezahlt ist, drohen dem Grünen Punkt rote Zahlen. Branchenexperten schätzen die Finanzierungslücke auf rund 300 Millionen Euro.Deshalb soll nun die Verpackungsverordnung geändert werden. Geplant ist ein Zwangsanschluss an die Dualen Systeme für alle Unternehmen, die Verpackungen für Endverbraucher in Umlauf bringen. Selbstentsorgerlösungen sollen nur noch im (groß)gewerblichen Bereich zulässig sein. Wirtschafts- und Umweltministerium ringen noch um die Details dieser neuen Verordnung. Ursprünglich war ein Beschluss vor der Sommerpause geplant.
Während Experten die Existenzberechtigung des Dualen Systems in Frage stellen, hält Heike Schiffler, Pressesprecherin des Dualen Systems Deutschland (DSD) dagegen. "Die Trennung von Restmüll und Verpackungsmüll macht weiterhin Sinn. Denn der Feuchtigkeits- und Schmutzanteil im Restmüll ist viel höher. Da klebt der Müll zusammen. Faktisch ist keine Sortiermaschine bisher in der Lage, Leichtverpackungsgemische zu trennen. Eine qualitative Verwertung ist daher zurzeit nicht möglich."
Untersuchungen, ob das Trennen von Müll überhaupt noch sinnvoll ist, gab es in den vergangenen Jahren mehrere – ohne eindeutige Empfehlungen. "Manche wollen die gelbe und die schwarze Tonne wieder zusammenführen. Ein klarer Vorteil für die Umwelt ist aber nicht nachgewiesen und auch nicht, dass es insgesamt genauso gut funktioniert", sagt Maike Janßen, Verpackungsexpertin beim Umweltbundesamt. Die Kosten wären etwa gleich, und die Deutschen haben sich an die Mülltrennung gewöhnt. Das System funktioniert. Warum also soll man es dann wieder abschaffen für etwas Neues, das möglicherweise nicht so gute Ergebnisse bringt?"
Fest steht: Die Technik wird sich weiter verbessern. Und damit scheint die Wiedervereinigung von gelber und schwarzer Tonne nur noch eine Frage der Zeit.
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