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19.03.2010

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Wirtschaft
Springer übernimmt ProSiebenSat1
Widerstand gegen Springer-Pläne wächst
Warnungen vor zu großem Einfluss

Widerstand gegen Springer-Pläne wächst

Matthias Döpfner und Haim Saban (Foto: dpa/dpaweb) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Matthias Döpfner und Haim Saban ]
Auch in der Medienbranche gibt es erheblichen Widerstand gegen die Pläne des Springer-Konzerns, ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck, die unter anderem "Die Zeit" und das "Handelsblatt" herausgibt, will beim Bundeskartellamt gegen das Milliardengeschäft vorgehen. Der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung, Michael Grabner, sagte der "Süddeutschen Zeitung", durch die Übernahme entstehe "sowohl publizistisch als auch auf den Werbemärkten" eine "große Medienmacht". Das sei ein Thema für die gesamte Medienbranche.

Holtzbrinck war zuletzt selbst mit zwei Vorhaben beim Bundeskartellamt gescheitert. Der Verlag durfte weder die "Berliner Zeitung" kaufen noch sich an der Koblenzer "Rhein-Zeitung" beteiligen. In beiden Fällen befürchteten die Kartellwächter eine zu große Rolle des Verlags im Wettbewerb um Leser und Anzeigen. Grabner sagte, der Verlag erwarte nun, "dass bei Springer mit den gleichen Maßstäben" gemessen werde.

Plog warnt vor Macht des fusionierten Konzerns

Sringer übernimmt ProSiebenSat1 Der zurzeit amtierende ARD-Vorsitzende, NDR-Intendant Jobst Plog, sagte dem Medienmagazin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, es entstehe "eine Zusammenballung publizistischer Macht, wie wir sie bisher noch nicht gesehen haben". Plog sagte, die Machtstellung des Konzerns sei, anders als von Springer-Chef Mathias Döpfner dargestellt, nach der Fusion größer als die des Bertelsmann-Konzerns. Zudem arbeite Bertelsmann nicht so kampagnenhaft, wie dies beispielsweise die Springer-Blätter bei der Rechtschreibreform getan hätten. Plog weiter: "Der Kanzler hat nicht zu unrecht darauf hingewiesen, dass man Politik schwer machen kann gegen "Bild", "BamS" und Glotze. Genau diese Konstellation wird jetzt hergestellt."

Kartellamt: Prüfung wird bis zu vier Monate dauern

Unternehmen, die ein wirtschaftliches Interesse an dem Fusionsfall haben, also hauptsächlich die Konkurrenten, können sich in dem Kartellverfahren "beiladen" lassen, erläuterte eine Sprecherin der Wettbewerbsbehörde. Dann haben sie ihren Angaben zufolge die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen und Akteneinsicht zu nehmen. Außerdem eröffnet ihnen dieser Schritt die Möglichkeit, gegen die Entscheidung der Kartellwächter beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einzulegen, wenn die Entscheidung nicht in ihrem Sinne ausfällt.

Ulf Böge (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Ulf Böge, Präsident des Bundeskartellamtes (Archivbild) ]
Das Bundeskartellamt rechnet in den nächsten Tagen mit der formellen Anmeldung der Springer angekündigten Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG. Eine Prüfung werde dann bis zu vier Monate dauern. Der Präsident des Amtes, Ulf Böge, hatte bereits eine genaue Prüfung des Verkaufs von Deutschlands größtem TV-Konzern angekündigt. Es lägen zwei Sachverhalte vor, "die wir uns genau anschauen müssen". Dabei gehe es darum, welche Auswirkungen die Übernahme und Fusion auf den Werbemarkt im Fernsehen und den Lesermarkt bei Kaufzeitungen haben könne. Neu an diesem Vorhaben sei "eine crossmediale Verflechtung, die wir bisher in Deutschland so nicht kannten", sagte Böge weiter.

RTL und ProSiebenSat1 dominieren den Werbemarkt

Der Fernsehwerbemarkt werde von zwei Familien dominiert - der RTL-Gruppe und der ProSiebenSat.1-Gruppe. Da dürfe es keinerlei Verflechtungen geben, weil sonst selbst potenzieller Wettbewerb wegfiele. Nun habe aber die Europäische Kommission Springer und Bertelsmann die Gründung gemeinsamer Druckereien erlaubt. Somit könnte also eine mittelbare Verflechtung der beiden TV-Familien entstehen, sagte Böge. Das könne Effekte auslösen, die zu einem wettbewerbslosen Oligopol (wenige Anbieter, viele Nachfrager) auf dem Werbemarkt im Fernsehen führten. Auch viele Medienexperten befürchten eine Medienkonzentration mit unabsehbaren Folgen.

Stand: 08.08.2005 17:43 Uhr
 

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