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Aus Hausmüll, Klärschlamm oder alten Reifen entsteht Diesel. In Mexiko geschieht das bereits. Ausgedacht hat sich das Verfahren ein Chemieanlagenbauer aus Bamberg. Eine Antwort auf die immer knapper werdenden Energieressourcen? Müll produziert die moderne Wohlstandsgesellschaft schließlich genug.
Von Ursula Nagy, tagesschau.de
"Das Verfahren ist eine Kopie der Erdölbildung in der Erde", erklärt der Chemieanlagebauer Christian Koch gegenüber tagesschau.de. Erdöl besteht aus zersetzten und abgesunkenen Pflanzen und Tierkadavern. Koch verwendet anstelle dessen Reststoffe, die im Müll stecken. Bis auf Metall und Keramik kann alles in seiner Anlage umgewandelt werden: Hausmüll, Abfälle aus Gewerbe und Landwirtschaft, Tiermehl, Klärschlamm, Autoreifen, Altöle und Fette. Der Unterschied: Was in der Natur Millionen Jahre dauert, passiert in Kochs Anlage im Zeitraffer.
[Bildunterschrift: In Mexiko steht bereits eine von Kochs Anlagen zur Diesel-Gewinnung aus Abfall. ]
Die Abfallstoffe kommen geschreddert und getrocknet in eine Turbine, die mit Heißöl gefüllt ist. Zuerst wird das Müllgranulat auf bis zu 400 Grad erhitzt. Dann wird ein Katalysator zugegeben, ein patentiertes Mineralstoffgemisch, dessen Zusammensetzung Kochs Betriebsgeheimnis ist. Der Katalysator sorgt dafür, dass der Müll zersetzt und in Dieselmoleküle umgewandelt werden kann.
Nach drei Minuten entweicht aus dem Reaktor gasförmiger Diesel, der kondensiert "ein Destillat mit ausgezeichneten Dieseleigenschaften“ ist, so Koch. Der Treibstoff sei europaweit anerkannt und erfülle die Tankstellennorm. Seit dreißig Jahren arbeitet der gelernte Chemieanlagenbauer in Bamberg an diesem Umwandlungsverfahren von schweren Ölen. Inzwischen sei die Technologie ausgereift, so der gebürtige Sachse Koch.
In einer Stunde lassen sich laut Koch 500 Liter Biodiesel herstellen, zum Preis von etwa 25 Cent pro Liter. Eine Tonne Müll könne in 120 bis 200 Liter Kraftstoff umgewandelt werden. Wie viel Sprit die Reststoffe ergeben, hängt vom Material ab. Für einen Liter Diesel bräuchte man etwa 1,2 Kilo Plastik, wenn man Papier und organische Abfälle recycelt, sei die doppelte Menge notwendig.
[Bildunterschrift: Biodiesel wird meist aus Rapsöl gewonnen - künftig auch aus alten Reifen und Müll? ]
Koch sieht in seiner Erfindung die Chance, einen Teil der steigenden Erdölnachfrage durch bisher nicht ausgeschöpfte Quellen zu decken. "Wenn wir alle Ressourcen nutzen würden, wie die Schwerölquellen, die Reststoffe und die brachliegenden Felder zum Anbau von Biomasse, könnten wir 20 Prozent des Treibstoffbedarfs in Deutschland decken."
Außerdem könnten in seiner Anlage Reststoffe verwertet werden, die sonst mit hohem Aufwand verbrannt oder deponiert werden. Das seien vor allem Kunststoffe: "Davon fallen jährlich 1,5 Millionen Tonnen an, die nicht verbrannt werden dürften, weil sie Chlor enthalten und bei der Verbrennung PVC und Dioxin entstehen. Die Katalysatoren können die Stoffe völlig dioxinfrei verwerten und belasten die Umwelt nicht damit."
Im letzten Jahr hat Koch die erste Anlage in Mexiko aufgebaut. Inzwischen kommen Anfragen aus dem In- und Ausland. Deutschland hat fünf Anlagen in Auftrag gegeben, auch Italien, Spanien und Bosnien-Herzegowina bestellten bei dem Sachsen.
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