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Was während der Fußball-Weltmeisterschaft in vielen Austragungsorten und Städten ausnahmsweise möglich ist, könnte in den meisten Bundesländern schon bald die Regel sein. Nach Hessen und Niedersachsen planen auch Schleswig-Holstein und Brandenburg die Freigabe der Ladenschlusszeiten. In vielen Länderministerien wird an ähnlichen Gesetzesentwürfen gearbeitet.
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann kündigte auf NDR Info an, die Geschäfte sollten von Montag bis Samstag rund um die Uhr öffnen können. Zugleich verteidigte Austermann die Entscheidung, den Einzelhandel an Sonntagen geschlossen zu halten. Aus christlicher Verantwortung sollte der Schutz des Sonntags eingehalten werden. Ähnliches sei in Hamburg geplant, berichtet NDR 90,3.
Brandenburgs Arbeitsministerin Dagmar Ziegler sagte der "Märkischen Oderzeitung", das Land wolle "die Ladenschlusszeiten von 2007 an weitgehend freigeben". Der Sonntag bleibe aber wie bisher geschützt. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle im September ins Kabinett eingebracht werden.
Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass die Mehrheit der Bundesländer die Ladenöffnungszeiten erweitern wollen. Möglich wird das durch die im Bundestag Ende Juni verabschiedete Föderalismusreform. An diesem Freitag soll die bislang umfassendste Staatsreform in der Republik durch den Bundesrat abschließend gebilligt werden. Damit gehen die Gesetzgebungszuständigkeiten für den Ladenschluss auf die Länder über. Jedes Land kann dann selbst über die bislang bundeseinheitlich geregelten Ladenöffnungszeiten bestimmen.
Die Länder versprechen sich von den neuen Ladenöffnungszeiten mehr Umsatz und mehr Arbeitsplätze. Für die vollständige Freigabe der Öffnungszeiten sprach sich auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) aus. Es regt sich aber auch Widerstand - und das nicht nur von Gewerkschaftsseite, die die Beschäftigten vor längeren Arbeitszeiten schützen will. Hessens Einzelhandelsverband plant ein Bündnis mit den Kirchen gegen die geplante Liberalisierung des Ladenschlusses. "Bis 20 Uhr reicht völlig aus. Das hat das eher enttäuschende WM-Geschäft gezeigt", sagte Verbandspräsident Frank Albrecht. Das Geschäft sei nicht nur hinter den Erwartungen zurück geblieben, teilweise habe es sogar Netto-Einbußen gegeben.
Ein ähnliches Resümee zieht der Einzelhandel in Hamburg, Thüringen, Sachsen und Bayern aus den ausgeweiteten Öffnungszeiten während der WM. In vielen Geschäften reiche der Umsatz nicht aus, um die Mehrausgaben für zusätzliches Personal auszugleichen, sagte ein Sprecher des Hamburger Einzelhandels.
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