Mehdorn wird Chef des Hauptstadtflughafens BER

Mehdorn

Neuer Chef der Flughafengesellschaft

Mehdorn soll den Hauptstadtflughafen retten

Der frühere Air-Berlin- und Bahnchef Hartmut Mehdorn soll neuer Chef des Berliner Hauptstadtflughafens werden. "Ich freue mich, dass wir Hartmut Mehdorn als neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg (FBB) gewinnen konnten", erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

Mehdorn solle sein Amt bereits am Montag antreten, kündigte der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck an. Der Vertrag gelte für drei Jahre. Mehdorn soll Vorsitzender der Geschäftsführung werden und damit die Gesamtverantwortung tragen.

Lob für Kompetenz und Durchsetzungskraft

Nun müsse es darum gehen, dass Mehdorn und FBB-Planungschef Horst Amann gemeinsam mit Hochdruck die "gewaltigen Probleme" auf der Baustelle des neuen Flughafens lösen, sagte Ramsauer. Sie müssten weiteren finanziellen Schaden vom Unternehmen abwenden und die Mitarbeiter der Flughafengesellschaft neu motivieren. Mehdorn besitze "hervorragende Managementfähigkeiten sowie ein Höchstmaß an wirtschaftlicher und technischer Kompetenz".

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zeigte sich ebenfalls erfreut über die Entscheidung. "Mit Hartmut Mehdorn wird ein erfahrener Manager mit Durchsetzungskraft an die Spitze der Flughafengesellschaft treten", sagte er. Mehdorn habe "Ecken und Kanten, die wir ihm auch nicht mehr abschleifen werden". Hier werde es sicher eine Spannung geben, die aber produktiv sei.

Mehdorn selbst bezeichnete seine neue Aufgabe als technisch anspruchsvoll und schwierig. "Wir werden uns bemühen müssen, das ein bisschen demolierte Vertrauen wieder herzustellen", sagte Mehdorn. Er werde sich zunächst "ein Stück einarbeiten müssen" und zu gegebener Zeit "Maßnahmen vermelden". "Ich kann auch nicht zaubern", fügte er hinzu. Wie viel Geld er in seiner neuen Position verdienen wird, ließ er offen.

Erfahrung als Chef der Bahn und von Air Berlin

Der 70-Jährige Mehdorn bringt viel Erfahrung als Spitzenmanager von Unternehmen im Verkehrsbereich mit. Er war von 1999 bis 2009 Vorstandschef der Deutschen Bahn und zuletzt für zwei Jahre bis Januar 2013 Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin. Er ist dort noch immer Mitglied des Verwaltungsrats und somit zuständig für die strategische Führung des Unternehmens. Allerdings kündigte Mehdorn bei der Vorstellung als neuer Flughafen-Chef an: "Ich werde mein Mandat bei der Air Berlin niederlegen, damit es da keinen Konflikt gibt".

Air Berlin trägt wegen der verschobenen Eröffnung derzeit einen Rechtsstreit um Schadenersatz mit der Flughafengesellschaft aus. Die Klage, die er selbst als Air-Berlin-Chef eingereicht habe, werde nicht über seinen Schreibtisch gehen, sagte Mehdorn. Am liebsten sei ihm eine gütliche Einigung.

Mehdorn machte zugleich deutlich, dass er ein strengeres Nachtflugverbot ablehnt. "Ich bin kein Freund von dieser Einschränkung", sagte er. Ein strengeres Nachtflugverbot sei schlecht für Flughafen und Standort, sagte Mehdorn. Platzeck setzt sich als Brandenburgs Ministerpräsident jedoch für mehr Nachtruhe am Flughafen ein. Er will das bisher geplante Flugverbot auf die Zeit von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr ausdehnen.

Mehdorn wird neuer Chef der BER-Flughafengesellschaft
tagesschau 20:00 Uhr, 08.03.2013, Esther Neumeier, RBB

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Vorgänger im Januar entlassen

Der bisherige Chef des Haupstadtflughafens BER, Rainer Schwarz, war im Januar entlassen worden, nachdem die Eröffnung des neuen Großflughafens mehrmals verschoben worden war. Zuletzt hatten die Planer den Termin im Oktober 2013 absagen müssen, weil noch zu viele technische Mängel an der Baustelle zu beseitigen sind. Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, hatte das Angebot ausgeschlagen, die Nachfolge von Schwarz anzutreten. Auch ein geplanter Vertrag als BER-Chefberater kam nicht zustande.

Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent an dem Flughafenbetreiber, der Bund 26 Prozent. Aus dem Kreis der Anteilseigner hieß es, der Vorschlag für Mehdorn sei vom brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck gekommen. Dieser ist momentan Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Kritik an Mehdorns Berufung

Die Berufung Mehdorns stieß umgehend auf Kritik. Der Flughafen brauche einen diplomatischen Chef, "der offen und behutsam auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Auftragnehmer zugeht", sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, der Grünen-Politiker Anton Hofreiter, der Online-Ausgabe des "Handelsblatts". Mehdorn könne er sich in dieser Rolle nicht vorstellen.

Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring äußerte sich skeptisch. "Er allein kann das Projekt nicht retten", sagte Döring dem "Tagesspiegel". "Hartmut Mehdorn kann Führung und harte Hand, er kennt sich mit Fluggesellschaften aus, aber ob er das Chaos am BER wirklich richten kann, das muss man erst noch sehen."

Durchwachsene Reaktionen auf Mehdorns Berufung
C. GRabenheinrich, ARD Berlin
08.03.2013 16:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 08.03.2013 12:54 Uhr

Darstellung: