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Media Markt verlässt China

Scheitern in Schanghai

Jetzt ist es offiziell: Media Markt zieht sich aus China zurück. Das Ende des mit großen Hoffnungen gestarteten Experiments hatte sich lange angedeutet - und es ist unrühmlich und teuer. Fragt man Kunden und Experten, haben die Deutschen auf dem fremden Markt vieles falsch gemacht.

Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Schanghai

Nachmittag auf der Schanghaier Huaihai Lu, einer der teuersten Einkaufsstraßen in Asien. Hier in Nachbarschaft zu Cartier, Gucci und Prada leuchtet das Media-Markt-Logo mit dem gewohnten roten Schriftzug. Der Elektro-Händler aus Deutschland betreibt hier sein Vorzeigekaufhaus in China, einen großen Klotz mit fünf weitläufigen Stockwerken.

Media Markt in Schanghai
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Media Markt wollte in ganz China Hunderte Filialen eröffnen - am Ende wurden es sieben Filialen in Schanghai.

Wie meistens ist nicht sehr viel los in und vor dem Gebäude. Und bald ist wohl ganz Schluss. Die Kunden wundert es nicht. "Anderswo ist es billiger als hier", sagt eine ältere Dame, die aus der Tür tritt, "zum Beispiel beim TV-Shopping. Und hier bei Media Markt kann man gar nicht handeln. Ich wollte gerade einen Reiskocher kaufen, doch der ist hier zu teuer."

"Es gibt schon so viele Elektronikmärkte in Schanghai, an jeder Ecke", sagt eine andere Frau. "Bei der Konkurrenz, bei Gome zum Beispiel, kann ich immer nach einem Rabatt fragen." Der Service immerhin, der sei gut, sagen die Kunden. Und die große Auswahl. Viele kommen, lassen sich beraten, schauen sich die Modelle an. Aber kaufen, erzählen sie, tun sie woanders. Sie sind doch nicht blöd.

Unrühmliches Ende nach großen Erwartungen

Die rund 800 Media-Markt-Beschäftigten wurden laut Informationen des ARD-Hörfunkstudios Schanghai am Nachmittag vom Ende des deutschen Engagements in Kenntnis gesetzt. Allerdings noch ohne Fahrplan, wie es genau weitergeht.

Das Ende ist unrühmlich und verlustreich - dabei hatte 2010 alles hoffnungsvoll begonnen. "Wir haben zunächst mal 'nur' 200 Millionen Dollar vorgesehen", sagte der damalige Metro-Chef Eckhard Cordes bei der Eröffnung des ersten Schanghaier Kaufhauses der Konzerntochter. In der Testphase werde man bis 2012 nur in der Millionen-Metropole agieren - dann werde man weitersehen. Aber es sei nicht übertrieben optimistisch, davon auszugehen, dass das Testergebnis positiv sein werde, betonte Cordes damals weiter: "Und dann rollen wir das Modell auch in andere chinesische Städte aus."

Hunderte Filialen wollte Media Markt im Land eröffnen - nach deutschem Vorbild. Doch dazu kam es nicht. Es blieb bei den sieben Geschäften in Schanghai. Von Anfang an lief es schlecht. Insider erzählen von den hohen Fixkosten für die Immobilien und Büros in Toplagen, von überbezahlten Angestellten, von mangelnder Erfahrung im knallharten chinesischen Einzelhandel. Media Markt konnte so preislich nie ganz mithalten.

Gescheitert mit dem deutschen Modell: Media Markt verlässt China
M. Rimmele, ARD Schanghai
16.01.2013 13:28 Uhr

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"In China zählt noch mehr der Preis"

"Wenn Sie als Handelskette nach China kommen, ist es sehr schwierig, wenn Sie genau die gleichen Produkte verkaufen, die es anderswo billiger online gibt", sagt der Marktforscher Shaun Rein in Schanghai. Man müsse Produkte haben, die sonst keiner hat. Deshalb verkaufe Apple gut - Media Markt, Tesco und Walmart hätten aber Probleme. Denn man könne dieselben Produkte fünf Prozent billiger haben.

In China, sagt Shaun Rein, zählt noch mehr als anderswo der Preis. Und beim Preis könne ein Ausländer selten mithalten. "Insofern", so seine Diagnose, "war es von Anfang an ein Fehler, Media Markt nach China zu bringen". Selbst das "Made in Germany"-Etikett habe in diesem Fall ausnahmsweise nicht geholfen. "Im Gegenteil: Es steht für teuer", meint er.

Dieser Beitrag lief am 16. Januar 2013 um 14:41 Uhr auf NDR Info.

Stand: 16.01.2013 13:25 Uhr

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