Der Hafen der maltesischen Hauptstadt Valletta | Bildquelle: AFP

Beliebtes Sparmodell Steuertricks mit Malta-Jachten

Stand: 16.02.2017 18:00 Uhr

Das kleine Malta bietet für Ausländer attraktive legale Steuersparmodelle. WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" fanden im Firmenregister neben bekannten Großunternehmen auch schweigsame Jachtbesitzer.

Von Achim Pollmeier und Andreas Spinrath, WDR

Das Mittelmeer schwappt gegen die Kaimauern im Schatten der steinernen Festung von Valletta, enge Gassen winden sich durch die Altstadt der maltesischen Hauptstadt. Eine Touristenidylle.

Doch hinter den alten Mauern wohnen längst kaum noch Menschen - hier arbeiten Tausende Berater; Juristen in Maßanzügen laufen hektisch telefonierend durch die Schatten der Altbauten. Dank der europäischen Steuergesetzgebung macht man hier sein Vermögen nicht mit Postkarten und Mittagstisch - man optimiert die Steuern einer internationalen Kundschaft.

Das ist rechtlich zulässig. Dennoch ist es in der Regel sehr schwer zu erfahren, wer die Kunden der maltesischen Finanzexperten sind. Nach Personen zu suchen, ist im amtlichen Firmenregister von Malta nicht möglich. Einem Team von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" wurden Dokumente zugespielt, die genau diese Personen offenlegen - aus zum Teil kryptischen Firmennamen wurden dadurch deutsche Prominente, Großindustrielle und Milliardenerben.

Straße in Valletta | Bildquelle: REUTERS
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Im idyllischen Valletta arbeiten Tausende Steuerjuristen für vermögende Europäer.

Steuern sparen dank der Jacht

Viele von ihnen erwarben mit einer maltesischen Firma eine Jacht. Das kann viele Gründe haben - auch finanzielle: Für Jachten gibt es auf Malta ein spezielles Steuersparmodell. Kanzleien und Fachzeitschriften bewerben dieses Steuersparmodell im Internet und Fachzeitschriften offensiv.

Im Firmenregister tauchen zum Beispiel Gesellschaften des Investors Carsten Maschmeyer auf, der Haftungsgründe angibt und darauf verweist, dass die Gesellschaften mittlerweile liquidiert seien. Auch Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher ist dabei. Beide betonen, die Firmen nicht aus Steuergründen besessen zu haben.

Im Register finden sich auch die Namen einiger Super-Yachten, die in internationalen Regatten starten. Einige Besitzer kommen aus Deutschland und geben gerne in Werbevideos der Regattaveranstalter Interviews zu ihrer Segelleidenschaft und ihren Jachten: Peter-Alexander Wacker, Aufsichtsratsvorsitzender des gleichnamigen Chemie-Unternehmens und Patriarch einer der reichsten deutschen Familien. Dieter Schön, Inhaber einer privaten Klinik-Kette.

Auf Anfragen wollen die beiden keine Stellung nehmen, ihre Anwälte weisen jedoch übereinstimmend darauf hin, die Schiffe seien "in Übereinstimmung mit den anwendbaren Steuergesetzen in der Europäischen Union umsatzversteuert".

Moralisch oder unmoralisch - das ist nicht die Frage?

Bereitwillig Auskunft gibt ein Anwalt, der bei der Gründung von Firmen auf Malta hilft. Im Interview mit dem ARD-Politikmagazin Monitor auf der Düsseldorfer Messe "Boot" erklärt Christoph Schließmann, wie so ein Modell aussehen kann: Der Eigner sage, er wolle die Mehrwertsteuer legal vermeiden - nicht dieser kaufe dann das Boot, sondern eine Gesellschaft. "Das bedeutet eine maltesische Struktur, die notwendig ist, kauft dieses Boot und verleast dieses Boot", erläutert er. Also eine Struktur aus Unternehmen und Organisationen, die einen schönen Nebeneffekt hat - dass ein Käufer seine Jacht privat nutzen kann, ohne die volle Mehrwertsteuer zu zahlen.

Ob die Leute ihr Gewissen plage? Das sei wohl nicht die richtige Frage, meint Schießmann: "Wenn sie hier ein legales Produkt nutzen können, dann ist bei der Größenordnung die Frage 'Bin ich jetzt moralisch oder unmoralisch, wenn ich etwas Legales mache?' nicht die richtige Frage."

Damit konfrontiert, sagt der grüne EU-Parlamentarier Sven Giegold: "Regelungen wie in der Steueroase Malta führen dazu, dass diejenigen, die eigentlich Steuern bezahlen könnten, Großunternehmen, Vermögende, sich arm rechnen können und ihren Beitrag zum Gemeinwohl nicht leisten."

Malta: Briefkästen von Fraport | Bildquelle: WDR
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Bitte keine "Junk Mail: Unauffällige Briefkästen ...

Malta: Briefkasten Sixt | Bildquelle: WDR
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... bekannter deutscher Firmen in Maltas Hauptstadt Valletta.

Überall bekannte Firmennamen

Großunternehmen finden sich in der Tat auf Malta einige. Sie optimieren offenbar ihre Steuerlast durch einen "Financial Services"-Außenposten. Ausländische Unternehmen lockt Malta mit einer großzügigen Steuerrückerstattung von bis zu 85 Prozent.

Bei der Recherche auf Malta finden Reporter von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" zumindest auf Klingelschildern und Briefkästen viele bekannte Firmennamen: Sixt, BAS, Wincon Nixdorf oder den Flughafenbetreiber Fraport, der mehrheitlich dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt gehört. Wenn jemand den Reportern die Tür öffnete, verwies er jedoch meist an die Zentralen in Deutschland.

Maltas Premierminister Joseph Muscat. | Bildquelle: AFP
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Maltas Premier Muscat: Sein Land hat sein Januar die EU-Ratspräsidentschaft inne.

"Vielen Unternehmen ist das peinlich"

Kritiker wie John Christensen, der Direktor des Tax Justice Network ist, fordern mehr Transparenz - und Geschäftsberichte, die Aufschluss darüber geben, wo und in welcher Höhe ein Konzern Steuern zahlt: "Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse daran, zu erfahren, ob eine in Deutschland operierende Firma auch dort Steuern zahlt, wo sie gezahlt werden sollten."

Seit Monaten gibt es dazu auch einen Vorschlag der EU-Kommission. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble wehrt sich auf EU-Ebene allerdings bislang dagegen, dass diese Daten öffentlich gemacht werden. Hauptargument: Das bringe wenig, weil ja alles legal sei. Und: Dadurch seien Betriebsgeheimnisse in Gefahr. Damit befindet er sich bei den Unternehmen womöglich in bester Gesellschaft. Die seien an zu viel Öffentlichkeit tatsächlich nicht interessiert, glaubt Christensen: "Vielen Unternehmen ist die Art und Weise, wie sie ihre Steuern minimieren, sehr peinlich. Sie wollen nicht, dass das Aufmerksamkeit erregt."

Woher kommt die Differenz?

Nach Angaben der maltesischen Finanzaufsicht existieren derzeit 1616 Firmen mit deutscher Beteiligung. Dem Bundeszentralamt für Steuern hingegen haben seit 2010 allerdings nur 266 Personen Beteiligungen gemeldet, teilte die Behörde auf Anfrage mit.

Bleibt eine Differenz, die sich am wahrscheinlichsten damit erklären lässt, dass es auch noch viele Deutsche gibt, die ihre Malta-Firma dem Finanzamt ganz verschweigen.

Es ist offenbar Zeit, dass deutsche Finanzämter der Altstadt von Valletta einen Besuch abstatten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Februar 2017 um 15:00 Uhr.

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