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Ex-Kanzler Helmut Schmidt in der ARD-Sendung

Altkanzler Schmidt bei Maischberger

Den Krisenmanagern "fehlt es an Tatkraft"

Die gegenwärtige Krise in Europa ist nach Ansicht von Altkanzler Helmut Schmidt keine Krise des Euro, sondern eine Schuldenkrise. Doch um diese zu bewältigen, fehle es den Europäern an Entschlusskraft, sagte Schmidt in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger". Auch Deutschland habe sich stärker verschuldet, als es nach dem europäischen Stabilitätspakt gedurft hätte.

Bereits Ende 2008 beim Einsetzen der Weltfinanzkrise habe es international Beschlüsse etwa zur Regulierung der Finanzmärkte gegeben, die insbesondere durch die USA, aber auch durch die Europäer nicht umgesetzt worden seien, betonte der SPD-Politiker. Alle Rettungsschirme hätten sich als unzureichend herausgestellt. Es sei nicht die erforderliche Tatkraft aufgebracht worden.

Schmidt warnte davor, über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone zu spekulieren. Es sei zwar ein Fehler gewesen, Griechenland in die Euro-Zone aufzunehmen. Man könne aber geschehene Geschichte nicht ungeschehen machen.

Vereintes Europa erfordert gemeinsames Handeln

Die mangelnde Entschlusskraft der Europäer erklärte Schmidt unter anderem mit der gescheiterten europäischen Verfassung. Wäre diese zustande gekommen, wäre die Lage jetzt nicht so ernst, befand Schmidt. Der Lissabon-Vertrag sei nur ein schwacher Abglanz der Verfassung.

Es fehle an geregelten Rechtsgrundlagen für gemeinsames Handeln. Die Europäer hätten noch nicht wirklich begriffen, wie sehr sie auf gemeinsames Handeln angewiesen seien, wenn sie ihren Einfluss in der Welt halten wollten.

Sandra Maischberger interviewt Altkanzler Helmut Schmidt
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Sandra Maischberger interviewt Altkanzler Helmut Schmidt

Geschichte bedeutet Handicap für deutsche Führungsrolle

Für eine deutsche Führungsrolle in Europa sieht Schmidt die Geschichte als Handicap. Der Mord an Millionen Juden und der Zweite Weltkrieg würden im Unterbewusstsein der europäischen Völker noch so schwer wiegen, dass es eine Führung Europas durch Deutschland ausschließe.

Schmidt bescheinigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) taktisches Geschick in ihrer Politik, verwies aber zugleich darauf, dass sie erst nach 1989 zur Europäerin werden konnte. Anders sei dies bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Schäuble ist ein geborener Europäer, das ist Frau Merkel nicht", sagte Schmidt.

"Im Prinzip hat er Recht"

Zugleich stärkte Schmidt dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel für dessen Vorstoß zur Vergemeinschaftung der Schulden im Euro-Raum den Rücken. "Im Prinzip hat er Recht", sagte Schmidt. Man sollte es als Regel nicht aufstellen, aber in der gegenwärtigen Situation sei dies "beinahe unausweichlich".

Mit Spott reagierte Schmidt dagegen auf die Forderung des bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU), mit einem Griechenland-Austritt aus der Euro-Zone eine Exempel zu statuieren. "Scheint ein besonders großer Fachmann zu sein", sagte Schmidt dazu lapidar.

Stand: 08.08.2012 08:57 Uhr

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