Emmanuel Macron, parteiloser Präsidentschaftskandidat in Frankreich | Bildquelle: AP

Macron zum Handelsüberschuss Deutsche Stärke "nicht mehr tragbar"

Stand: 17.04.2017 07:49 Uhr

Der unabhängige französische Präsidentschaftskandidat Macron hat die deutschen Handelsüberschüsse kritisiert und einen Abbau des Ungleichgewichts gefordert. Er mahnte aber auch Reformen in Frankreich an. Macron werden gute Chancen auf das Präsidentenamt vorausgesagt.

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft kritisiert. Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, "dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist", sagte der unabhängige Kandidat den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe".

Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. "Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden", sagte er, ohne aber konkreter zu werden. Zuletzt hatte auch die US-Regierung Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen geübt.

Die Bundesregierung argumentierte jüngst dagegen - die Handelsüberschüsse gingen überwiegend auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte zurück und nicht auf direkte wirtschafts- oder finanzpolitische Maßnahmen.

Auch Reformen in Frankreich gefordert

Präsidentschaftskandidat Macron kritisierte nicht nur Deutschland, sondern nahm auch sein eigenes Land in die Pflicht. Frankreich müsse endlich strukturelle Reformen einleiten, sagte er. "Solange wir die hinauszögern, können wir nicht auf das Vertrauen der Deutschen setzen."

Macron bekräftigte seine Absicht, den französischen Arbeitsmarkt mit einer Qualifizierungs-Offensive anzukurbeln. Eine Übertragung der deutschen Hartz-IV-Gesetze lehnte er aber ab. Mit den Hartz-Reformen wurde vor rund zehn Jahren in Deutschland unter anderem die Bezugsdauer des Arbeitslosengelds gekürzt und die Unterstützung für Langzeitarbeitslose auf das Niveau der Sozialhilfe gesenkt.

Gute Chancen auf das Amt

Der 39-jährige Macron tritt bei der Präsidentschaftswahl als Parteiloser an. Laut Umfragen könnte der frühere Wirtschaftsminister und Investmentbanker die Rechtspopulistin Marine Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang am 7. Mai schlagen. Nach eigener Aussage ist er "weder rechts noch links". Er tritt mit seiner Bewegung "En Marche!" offen für Europa und damit auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland ein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. April 2017 um 9:55 Uhr.

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