ICE-Bahnhof am Flughafen Köln/Bonn | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb

Luftverkehrskonzept von Umweltverbänden Zug statt Flug

Stand: 04.08.2015 19:32 Uhr

Von München nach Nürnberg kann man in einer Stunde mit dem ICE fahren - oder fliegen. Das ist nicht schneller, verursacht aber 20 mal mehr CO2, kritisieren Umweltverbände. Ihre Forderung an die Bundesregierung: Eine CO2-Abgabe und eine Kehrtwende beim Luftverkehrskonzept.

Mehrere Umwelt- und Entwicklungshilfeverbände haben die Bundesregierung aufgerufen, die Reform des Luftverkehrs am Klimaschutz auszurichten. In dem Konzept, das die Bundesregierung derzeit erarbeit, kämen wirksame Maßnahme zum Klimaschutz bisher nur unzureichend vor, sagte der Leiter für Verkehrspolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Werner Reh.

Im Verkehrsministerium entsteht derzeit ein Luftverkehrskonzept, das Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart hatten. Nach Ansicht der Verbände ist es zu sehr auf Wachstum ausgerichtet. Deshalb haben sie nun ein eigenes Konzept vorgelegt.

CO2-Abgabe könnte an arme Länder fließen

Das Bündnis aus BUND und anderen Verbänden schlägt unter anderem eine Klimaabgabe von zehn Euro auf jede Tonne CO2 im Luftverkehr ab 2020 vor. Bis 2030 soll die Abgabe schrittweise auf 80 Euro erhöht werden. Vor allem bei internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz sollte die Bundesregierung auf die Abgabe dringen. Die Experten gehen davon aus, dass durch die Abgabe bereits 2020 rund sieben Milliarden Euro zur Verfügung stehen könnten. Das Geld könnte etwa in den "Green Climate Fund" fließen, der armen Ländern hilft, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.

Umweltverbände stellen neues Luftverkehrskonzept vor
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.08.2015, Andreas Jöhrens, RBB

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VCD: Bahn müsste nicht bauen, aber pünktlicher werden

Den Angaben nach stößt der innerdeutsche Flugverkehr durchschnittlich mehr als 200 Gramm CO2 pro Person und Kilometer aus. Das sei nahezu 20 mal soviel CO2 wie die Bahn im Fernverkehr. Die Bahn spielt im Konzept der Verbände auch eine zentrale Rolle. Jeder dritte Inlandsflug wäre laut deren Konzept verzichtbar, weil die Strecke in einer vergleichbaren Zeit auch mit der Bahn zurückgelegt werden kann.

Michael Müller-Görnert, Luftverkehrsexperte beim ökologisch ausgerichteten Verkehrsclub Deutschland (VCD), nannte als Beispiel die Strecke München-Nürnberg. Der ICE benötigt für die Strecke nur wenig mehr als eine Stunde. Trotzdem würden mehrere Flüge pro Tag angeboten, so Müller-Görnert. Um Reisende aufzunehmen, die bislang fliegen, müsste die Bahn noch nicht mal ihre Kapazitäten ausbauen, wohl aber "in Sachen Komfort, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit" zulegen.

Durch eine Verlagerung von kurzen Flügen auf die Bahn würden nicht nur die großen sechs Flughäfen entlastet, sondern auch die Fluglinien könnten profitieren. In vielen Fällen seien die Kurzstrecken eher ein Verlustgeschäft für die Unternehmen.

"Unnötige Standorte nicht staatlich alimentieren"

Allgäu-Airport Memmingen | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Ist nicht ausgelastet und könnte zum Beispiel mit dem Flughafen München kooperieren: der Allgäu Airport in Memmingen

Ein weiterer Punkt in dem Konzept ist eine bessere Kooperation der großen Airports Deutschlands - wie Frankfurt, München oder Düsseldorf - mit den teilweise schlecht ausgelasteten Regionalflughäfen. Statt die sechs großen Flughäfen immer weiter auszubauen, sollten diese besser mit den Regionalflughäfen kooperieren, von denen viele Überkapazitäten hätten. "Fehlplanungen müssen korrigiert und unnötige Standorte dürfen nicht mehr staatlich alimentiert werden", sagte BUND-Verkehrsexperte Reh.

Das Konzept der Umweltschützer wurde gemeinsam vom BUND, der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, dem evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt", dem Deutschen Naturschutzring, dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, der Klima-Allianz, Robin Wood und dem VCD vorgelegt.

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