Lufthansa-Flugzeug vor Silhouette des Mondes | Bildquelle: dpa

IT-Firma Amadeus Wer an teuren Flugtickets mitverdient

Stand: 15.12.2017 09:45 Uhr

Die Kunden der Lufthansa ächzen unter teuren Tickets. Der enorme Preisanstieg seit der Air-Berlin-Pleite hat sogar das Kartellamt auf den Plan gerufen. Aber auch der Lufthansa machen hohe Ticketkosten zu schaffen. Dahinter steckt Europas heimlicher Tech-Champion: die spanische Amadeus IT Group.

Fast jeder dürfte schon mal mit Amadeus zu tun gehabt haben. Zumindest diejenigen, die einen Flug (oder auch ein Hotelzimmer) gebucht haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Buchung über Systeme des spanischen IT-Service und Softwarehauses lief, ist ziemlich groß. Zusammen mit der US-Firma Sabre und der britischen Travelport teilt sich Amadeus nämlich den weltweiten Markt für Computerreservierungssysteme (CRS). Ein klassisches Oligopol also, und bei solchen Konstellationen wird bekanntlich meist gut verdient.

Weitere Kursinformationen zu Amadeus

Umsatz und Ergebnis im Aufwind

Luis Maroto
galerie

Amadeus IT Group CEO Luis Maroto

Beispiel gefällig? Die jüngsten Geschäftszahlen des Madrider Unternehmens per Ende September. Sie zeigen, dass Amadeus seine Erlöse zwischen Januar und September um 8,9 Prozent auf 3,68 Milliarden und das operative Ergebnis um 14,7 Prozent auf über 846 Millionen Euro gesteigert hat. Das Ebitda legte im Jahresvergleich sogar prozentual zweistellig um 10,1 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro zu. Das Ganze bei einer attraktiven Umsatzmarge von rund 28 Prozent.

Ein Ende des warmen Regens scheint nicht in Sicht, glaubt man den Worten von Firmenchef Luis Maroto: "Wir haben das positive Wachstumsmomentum in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres fortgesetzt. Alle Geschäftseinheiten laufen gut."

Amadeus IT Group
galerie

Amadeus IT Group-Gebäude in Madrid

Gleichzeitig berichtete Maroto von neuen Kunden, die sich dem weltweiten Amadeus-Netzwerk angeschlossen haben. So etwa die kanadische Fluglinie Air Canada (nachdem im Frühjahr bereits die US-Fluglinie Southwest integriert wurde) oder die Hotelkette Premier Inn.

Von Lufthansa mitgegründet

Ob aber alle Kunden vom Erfolg der Firma so begeistert sind wie ihr Chef, darf bezweifelt werden. Denn die Fluglinien bezahlen Amadeus immerhin 4,30 Euro (5,10 Dollar) für jede abgewickelte Buchung. Klingt überschaubar, aber nach Daten der IATA, der Dachgesellschaft der Fluggesellschaften, verdienen europäische Fluglinien nur rund 9,00 Dollar an jedem Passagier. Ein ordentliches Stück vom Kuchen also, das sich Amadeus IT da abschneidet. Dabei liegt die Marge, bezogen auf die Umsätze, bei rund 28 Prozent. Zum Vergleich: Die Lufthansa rechnet 2017 mit rund acht Prozent.

Amadeus IT Group
galerie

Amadeus IT Group

Es entbehrt nicht der Ironie, dass es gerade große europäischen Fluggesellschaften waren, die in den 80er Jahren das weltweite CRS Amadeus überhaupt erst ins Leben riefen. Dies, um die amerikanische Vormachtstellung von Sabre zu brechen. Mit dabei auch die Lufthansa, zusammen mit Air France, Iberia (heute Teil von IAG) und der skandinavischen SAS.

Monika Wiederhold
galerie

Monika Wiederhold, Vorsitzende der Geschäftsführung Amadeus Germany

Sukzessive verkauften die Partner aber ihre Beteiligungen, nachdem Amadeus 2010 an die Börse kam. Heute liegt der Streubesitz über 99 Prozent und die Marktkapitalisierung bei rund 26,5 Milliarden Euro. Damit ist Amadeus, dessen Aktie im spanischen Leitindex IBEX 35 an der Börse in Madrid enthalten ist, mehr wert als die Gesellschaften, die es einst gegründet haben.

Amadeus hat darüber hinaus Standorte in vielen Teilen der Welt. Geschäftsführerin der deutschen Einheit mit Sitz in Bad Homburg v.d. Höhe ist seit dem 1. April Monika Wiederhold. Das Rechenzentrum Amadeus Data Processing GmbH befindet sich in Erding bei München.

Die Lizenz zum Gelddrucken?

Die Revolution hat also schon längst ihre Eltern gefressen. Kein Wunder, dass die Gesellschaften versuchen gegenzusteuern. Sie wollen die Kunden dazu bringen, direkt auf ihrer Webseite online zu buchen und damit den hohen Fremdkosten zu entgehen. Zu diesem Zweck haben die Lufthansa (seit 2015) und andere Fluglinien saftige Zuschläge in der Größenordnung von 16,00 Euro bei einer Buchung über Amadeus oder andere Systeme dieser Art eingeführt. Dunkle Wolken also am Amadeus-Himmel? Immerhin steht das Ticket-Geschäft für zwei Drittel des Umsatzes.

Mitnichten, wie auch der Chart der Aktie eindrucksvoll zeigt, der nur eine Richtung kennt - und aktuell in der Nähe des absoluten Rekordhochs bei knapp 62 Euro steht, das erst im November erreicht wurde. Binnen Jahresfrist liegt der Kursgewinn schon bei fast 50 Prozent, das ist absolut rekordverdächtig.

Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen
galerie

Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen

Warum aber ist das Geschäftsmodell so erfolgreich? Das Fluggeschäft boomt und Amadeus ist tief in der Branche verwurzelt, schreibt Bloomberg-Analyst Chris Bryant. Mehr als 700 Millionen Euro hat Amadeus in diesem Jahr schon für Forschung und Entwicklung ausgegeben, außerdem kreiert die große Kundenbasis Skaleneffekte.

Billigflieger erhoffen sich darüber hinaus mit dem Weg über Amadeus besseren Zugang zu (lukrativeren) Geschäftskunden. Kleinere Kunden scheuen zudem höhere Werbe-, Marketing- und Technikausgaben. Selbst die Lufthansa setzt weiter auf Amadeus, vor allem bei ferneren Destinationen. Amadeus zeigt sich dabei flexibel, der jeweiligen Strategie des Kunden zu folgen.

Quelle: boerse.ard.de
Darstellung: