Demonstrierende Piloten vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Lufthansa-Tarifkonflikt Darum geht es beim Pilotenstreik

Stand: 25.11.2016 17:31 Uhr

Die Lufthansa hat der Vereinigung Cockpit ein neues Angebot gemacht - nun geht es wieder um eine Gesamtlösung, statt nur um das Gehalt. Worüber streiten Piloten und Konzern?

Von Meike Fries, tagesschau.de

Worum geht es im aktuellen Konflikt?

Mit dem neuen Angebot der Lufthansa an die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) steht erneut eine Gesamtlösung zur Debatte - es geht auch wieder um Regelungen zur Altersvorsorge und zu Übergangszeiten. Zuletzt war es nur noch um die Vergütung der der Lufthansa-Piloten gegangen. In diesem Punkt sieht das neue Angebot nun ein Gehaltsplus von 4,4 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern vor.

Die Vereinigung Cockpit, in der über 5400 Piloten der Lufthansa organisiert sind, fordern allerdings einen weitaus höheren Gehaltszuwachs: rückwirkend mehr Gehalt, und zwar in fünf Stufen über jeweils ein Jahr, zu durchschnittlich 3,66 Prozent. Durch Zinseffekte kommen die Piloten auf eine Gesamtforderung von 22 Prozent. Diese hatte die Lufthansa abgelehnt und zunächst lediglich ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten.

Warum war eine Einigung bislang so schwierig?

"Die Positionen liegen bisher schlicht zu weit auseinander", sagt der Luftfahrtexperte Eckhard Bergmann zu tagesschau.de. Seit 2012 seien sehr viele Themen hinzugekommen, die man eigentlich schnell hätte abarbeiten können. "Das alles hat sich nun akkumuliert", so Bergmann.

Dass der Konzern beschlossen hat, Eurowings als Konkurrenz zu Billigfliegern aufzubauen, sei mitten in den Konflikt hinein geschlagen, habe ebenfalls sämtliche Prozesse verzögert und kompliziert. "Die Lufthansa-Piloten sehen ihre Felle davon schwimmen, weil sie sehen, dass Wachstum nicht mehr direkt im Mutterkonzern stattfindet", sagt Bergmann.

Der Vorschlag von Lufthansa zu einer Schlichtung hatte die Cockpit zurückgewiesen. Der Vorschlag der Lufthansa sei "nicht schlichtbar". Für eine Zwangsschlichtung wiederum müssten Gesetze geändert werden, diese Forderung kam dieser Tage bereits aus der CDU. Im neuen Angebot der Lufthansa ist nun der Punkt Mediation enthalten.

Wie könnte ein mögliches Lösungsszenario aussehen?

Beide Seiten hatten bis September 2016 monatelang versucht, das Gesamtpaket zu verhandeln, zu dem unter anderem Altersbezüge und Übergangsbezüge sowie eben die Vergütung gehören. Das war gescheitert. Nun liegt wieder ein Gesamtangebot auf dem Tisch. Luftfahrtexperte Bergmann sah zwar auch die Möglichkeit, dass sich die Parteien zunächst allein in der Gehaltsfrage einigen. "Aber alles ist mit allem verstrickt. Wenn es eine für die Piloten eine verhältnismäßige gute Einigung beim Gehalt gibt, wird das zu Lasten etwa der Übergangsregelung gehen."  

Bergmann vermutet, diese 14. Streikrunde könne auch wohlkalkuliert sein, damit beide Seiten ein mögliches Ergebnis noch irgendwie verkaufen können - die Gewerkschaft ihren Mitgliedern, der Konzern dem Aufsichtsrat und den Aktionären.

Können die Piloten bei weiteren Streiks noch auf Verständnis hoffen?

Eigentlich nicht. Lufthansa-Piloten haben so gut wie keine Lobby, weder innerhalb noch außerhalb des Konzerns. Mit Einstiegs- und Spitzengehältern von 70.000 beziehungsweise über 200.000 gehören sie zu den bestverdienenden Mitarbeitern im Konzern und zu den Beziehern der höchsten Tarifgehälter in Deutschland.

Deutliche Kritik am aktuellen Streik kam bereits von vielen Seiten: Der Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR), Dirk Gerdom, nannte den Arbeitskampf "unverhältnismäßig" – Cockpit trage den Konflikt auf dem Rücken von Geschäftsreisenden aus und nehme einen "immensen Schaden für die deutsche Wirtschaft billigend in Kauf."

Der Deutsche Flughafenverband sagte, der Streik gehe zu Lasten der Flughäfen und forderte die Piloten auf, wieder zu arbeiten. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft monierte, der Arbeitskampf koste die Tourismusbranche "viel Geld, Kunden und Vertrauen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. November 2016 um 17:00 Uhr.

Darstellung: