Kosten der Sozialausgaben sind 2014 auf rund 78 Milliarden Euro gestiegen | Bildquelle: dpa

Berechnung zu Hartz IV Arbeit lohnt sich - meistens - doch

Stand: 19.03.2018 19:12 Uhr

Bezieher von Hartz IV hätten im Monat mehr Geld zur Verfügung als Arbeitnehmer. Das berechnete der Steuerzahlerbund. Allerdings wurde dabei ein wichtiger Posten nicht berücksichtigt, kritisiert die Linkspartei.

Hartz-IV-Bezieher haben nach Zahlen des Steuerzahlerbundes monatlich oft mehr Geld zur Verfügung als Arbeitnehmer. Das zeigen zumindest Berechnungen für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Das Lohnabstandsgebot - der Abstand zwischen Nettolöhnen und Sozialleistungen - werde diesen Berechnungen zufolge nicht immer eingehalten. Zum Beispiel: Wer eine vierköpfige Familie ernähren will, brauche heute einen Bruttolohn von mindestens 2540 Euro, um netto Hartz-IV-Niveau zu erreichen, so der Steuerzahlerbund.

Gehe man von einer Arbeitszeit von 38 Stunden in der Woche aus, benötigten Alleinverdiener mit Partner und zwei Kindern dann einen Stundenlohn von mindestens 15,40 Euro, um Hartz-IV-Niveau zu erreichen. Bei drei Kindern seien dies 20 Euro, so die Berechnungen weiter. Danach werden der vierköpfigen Familie monatlich 610 Euro Sozialabgaben und Steuern abgezogen, der fünfköpfigen Familie 917 Euro. Der Mindestlohn liegt derzeit bei 8,84 Euro in der Stunde.

Kindergeld muss einberechnet werden

Allerdings wurde bei diesen Berechnungen nicht das Kindergeld einberechnet, sagt Susanne Ferschl, stellvertetende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, zu tagesschau.de. Ein Paar mit drei Kindern, das pro Monat 2540 Euro Bruttolohn erhält - um die Bezugsgröße aufzugreifen, auf die sich der Steuerzahlerbund bezieht - hat netto 2526 Euro, wenn man das Kindergeld mit einberechnet.

Ein Paar mit drei Kindern, das hingegen Hartz IV bezieht, erhält pro Monat 2381 Euro. So zeigt es eine Übersicht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Höhe der Hartz-IV-Leistungen. Es hat damit also 145 Euro weniger als das Paar, das arbeitet.

"Hartz IV-Empänger erhalten zwar ebenfalls Kindergeld", sagt Christian Westhoff, Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, zu tagesschau.de. "Dieses Geld wird aber mit dem Regelbedarf des Kindes verrechnet." Addiert man also sowohl für Hartz IV-Empfänger als auch für Arbeitnehmer den Posten Kindergeld, so ergibt sich eine Differenz zugunsten des Arbeitnehmers.

Ein exakter Abstand zwischen Hartz IV und Lohnarbeit sei nicht festgelegt, so Westhoff weiter. Das Lohnabstandsgebot sei lediglich eine abstrakte, politische Position mit dem Ziel, dass Menschen durch ihren Nettolohn mehr Geld zur Verfügung haben als durch staatliche Leistungen.

Der Steuerzahlerbund war für eine Stellungnahme zu dieser modifizierten Berechnung am Abend nicht mehr zu erreichen. Zuvor hatte tagesschau.de unter Berufung auf die "FAZ" berichtet, dass Hartz IV sich oftmals mehr lohne als Arbeit.

Kritik am Steuerzahlerbund

Mit den Berechnungen des Steuerzahlerbunds werde versucht, "ein Keil in die Gesellschaft zu treiben, um damit die politische Debatte zu beeinflussen", so Ferschl zu tagesschau.de. Ihrer Meinung nach brauche Deutschland eine Arbeitsmarktpolitik, die möglichst allen Menschen eine dauerhafte Beschäftigung sichere.

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist in den vergangenen zehn Jahren von gut sieben auf gut sechs Millionen zurückgegangen. Allerdings kam seit 2015 fast eine Million Flüchtlinge und Migranten hinzu, die neu ins Hartz-IV-System aufgenommen wurden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | Bildquelle: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX/Shu
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Mit Hartz IV hat laut Spahn jeder, was er zum Leben brauche.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt für Unmut gesorgt, als er in der Debatte um die Arbeit von Essenstafeln sagte, mit Hartz IV habe jeder, was er zum Leben brauche. Hartz IV oder Arbeitslosengeld II bekommen erwerbsfähige Arbeitslose und Menschen, deren Einkommen oder Vermögen nicht für die Grundsicherung reicht, sogenannte Aufstocker.

Über dieses Thema berichtete HR Info am 20. März 2018 um 16:10 Uhr.

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