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[Bildunterschrift: Die Kluft wächst: Die Lohntüten in Deutschland sind unterschiedlich prall. ]
Die Kluft zwischen Beschäftigten mit mittleren und niedrigen Löhnen ist in den vergangenen zehn Jahren weiter gewachsen. Ende der 90er Jahre erzielten Geringverdiener noch 64 Prozent des Einkommens eines Arbeitnehmers mit mittlerem Einkommen, heute sind es nur noch 53 Prozent, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab.
Dieser Rückgang sei im internationalen Vergleich der stärkste in 20 Ländern der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Die Lohnungleichheit in Deutschland habe das Niveau Großbritanniens und anderer Länder erreicht, die bei der Beschäftigungspolitik weniger auf den sozialen Ausgleich achteten, hieß es in der Studie. In den meisten anderen untersuchten Ländern habe sich die Einkommensschere dagegen nicht weiter geöffnet. Dies gelte auch für die USA, wo die Niedriglöhne allerdings weniger als die Hälfte mittlerer Einkommen erreichen.
Die Hartz-Gesetze und die Agenda 2010 hätten den Arbeitsmarkt flexibler gemacht, allerdings auch neue Risiken geschaffen, hieß es in der Studie weiter. Diese Risiken trügen vor allem Jugendliche, Ältere und Geringqualifizierte. Die "ohnehin stark ausgeprägte Kluft" zwischen gut abgesicherten Erwerbstätigen und Arbeitslosen oder geringfügig Beschäftigten verschärfe sich. In der Wirtschaftskrise zeige sich dies besonders am Rückgang der Zeitarbeit: Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 sei die Beschäftigung hier um 25 Prozent eingebrochen. Mit der Möglichkeit, ehemals Beschäftigte im selben Unternehmen erneut befristet einzustellen, werde das Gefälle zwischen diesen beiden Gruppen voraussichtlich nochmals verschärft, hieß es.
Der uneinheitlichen Lohnentwicklung steht eine wachsende Beschäftigung gegenüber. Der Anteil der Beschäftigten an allen Personen im erwerbsfähigen Alter stieg von 2001 bis 2008 um 4,4 Prozentpunkte auf 70,2 Prozent an. "Die Arbeitsmarktreformen im ablaufenden Jahrzehnt haben zu diesem Beschäftigungserfolg beigetragen, allerdings um den Preis zunehmender Lohnungleichheit", sagt Projektleiter Eric Thode. Ein Großteil der neuen Arbeitsplätze sei in Bereichen wie Zeitarbeit, geringfügiger oder befristeter Beschäftigung insbesondere im Dienstleistungssektor entstanden.
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