Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Wegen der weltweit gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel sieht die Weltbank in 33 Ländern die Gefahr von gewaltsamen Unruhen. Weltbank und IWF forderten deshalb von Geberländern 500 Millionen Dollar, um die Uno beim Kauf von Lebensmitteln zu unterstützen.
Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, warnt, dass die weltweit steigenden Lebensmittelpreise zu Aufständen führen könnten. ]
Am Ende der Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, gab es ein wohl einmaliges Ereignis: Auf der gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Organisationen kam nur ein einziges Thema zur Sprache - die explodierenden Nahrungsmittelpreise. Fast entschuldigend meinte Dominique Strauß-Kahn, der neue Chef des IWF, zu den Journalisten: "Sie mögen überrascht sein, dass ausgerechnet der Direktor des IWF voller Sorge ist wegen der Lebensmittelpreise. Denn eigentlich könnte man meinen, dies habe mit dem Währungsfonds nicht viel zu tun – aber ich sage Ihnen: Es hat doch auch mit uns zu tun."
Weltbank-Chef Robert Zoellick und Dominique Strauß-Kahn traten gemeinsam auf und gaben einen Warnruf von sich. Der IWF-Chef weiter: "Alles, was wir entwicklungspolitisch in den letzten zehn Jahren aufgebaut haben, steht auf dem Spiel. Und nicht nur das: Es ist die politische Stabilität, die inzwischen in vielen Staaten in Gefahr ist. Wir stehen einem riesigen Problem gegenüber. Das ist ein Problem für die Weltbank, für den Währungsfonds und wir werden uns in nächster Zeit intensiv diesem Problem widmen müssen."
Schon zu Beginn der Frühjahrstagung überraschte auch Bundesfinanzminister Steinbrück mit deutlichen Worten, als es um die Explosion bei den Lebensmittelpreisen ging: "Da betritt ein Ungeheuer plötzlich die politische Bühne. Ich halte es für ein Ungeheuer, was da stattfindet. Denn wenn ich mir angucke, in welchem Ausmaß Weizen- und Reispreise steigen, dann ist mein Eindruck: Dies ist nicht mehr nur ein Übergangsphänomen, sondern das könnte eine sehr grundsätzliche Problematik sein, mit erheblichen Auswirkungen auf Schwellen- und Entwicklungsländer und die Ernährung der Menschen."
In den letzten drei Jahren haben sich die Preise für Reis, Weizen und andere Grundnahrungsmittel mehr als verdoppelt. Schon gibt und gab es - wie in Haiti - in einigen Ländern erste Unruhen, weil sich die Menschen das Essen nicht mehr kaufen können.
Einer der Gründe für diese dramatische Entwicklung ist die angestiegene Nachfrage nach Biotreibstoffen, die aus Agrarprodukten wie Mais hergestellt werden. Das führte zu drastischen Preissteigerungen. Weltbank-Chef Zoellick forderte: "Wir müssen endlich Nägel mit Köpfen machen, damit die Menschen was zu essen bekommen."
[Bildunterschrift: "Geld allein löst das Problem nicht": IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ]
Als erste Maßnahme sollen 500 Millionen Dollar als Notprogramm für die Hungernden zur Verfügung gestellt werden: "Wir haben das doppelt überprüft – die Hälfte des Geldes haben wir bereits zusammen, aber das ist nicht genug", so Zoellick weiter. Und Geld sei nicht alles, betonte IWF-Chef Strauß-Kahn: "In der Situation, in der die Menschen leben, brauchen sie kein Geld, sie brauchen was zu essen. Geld zu sammeln allein, löst das Problem nicht. Es gibt einfach zu wenig Nahrungsmittel."
Mit Programmen soll das geändert werden – und zwar schnell, versprachen die beiden Chefs von Weltbank und IWF. Trotzdem stellt sich inzwischen schon auch die Frage, warum die beiden großen Institutionen das Problem erst so spät erkannt haben.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW