Labeling statt Plastik (Foto: REWE) | Bildquelle: REWE

Supermarkt vermeidet Plastik "Tattoos" für Süßkartoffeln

Stand: 01.03.2017 17:00 Uhr

Die Gurke in Plastik, Kunststoff-Etiketten auf Avocados. Vor allem Biogemüse wird oft einzeln verpackt. Erstmals experimentiert eine deutsche Supermarktkette jetzt mit Laseretiketten. Doch es ist nur ein vorsichtiger Schritt.

Von Demian von Osten, WDR

Eine Biogurke, eingepackt in Plastikfolie: Reichlich absurd wirkt das für Biogemüse-Konsumenten, denn sie bekommen zwar ein Bioprodukt, produzieren aber eigentlich überflüssigen Plastikmüll gleich mit.

In Plastik verpacktes Biogemüse in einem REWE-Supermarkt | Bildquelle: picture alliance / dpa
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In Plastik verpacktes Biogemüse in einem REWE-Supermarkt

Dabei ist der Hauptgrund für die Folie nicht der Schutz der Gurke, sondern deren Unterscheidbarkeit. "Theoretisch könnte ein Kunde eine herkömmliche Gurke nehmen und zu den Biogurken legen“, erklärt Marco Sandner, Sprecher der Supermarktkette Rewe. Andere Kunden hätten so keine Garantie mehr, welche Gurke wirklich Bio ist. "Wir mussten eine Lösung finden, um lose verkauftes Obst unterscheidbar zu machen.“ Deshalb die Plastikfolie um die Biogurke.

Immer mehr vorverpacktes Gemüse

In Deutschland fällt dadurch aber immer mehr Müll an. Laut einer Studie des Naturschutzbundes Deutschland sind fast zwei Drittel vom Obst und Gemüse in Supermärkten und auf Wochenmärkten industriell vorverpackt, meistens in Plastikfolie. Fast 90.000 Tonnen Verpackungsmaterial sind dadurch im Jahr 2014 entstanden. Und es wird immer mehr, auch weil immer geringere Mengen pro Verpackung verkauft werden und die Kunststoffverpackungen dicker wurden.

Gegen das unnötige Plastik gibt es in Schweden und den Niederlanden seit einiger Zeit eine Methode, die jetzt auch nach Deutschland kommt. In einem Pilotversuch will Deutschlands zweitgrößte Supermarktkette Rewe Gemüse mit so genannten "natürlichen Labelings" versehen - zunächst nur Bio-Avocados und Bio-Süßkartoffeln. Etiketten werden dann nicht mehr aufgeklebt, sondern in die äußerste Schicht der Schale eingebrannt - Plastikfolien wie bei einer Gurke würden dadurch überflüssig.

Labeling statt Plastik (Foto: REWE) | Bildquelle: REWE
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Natürliches Labeling statt Plastik - so soll es künftig im Gemüseregal von Rewe aussehen . (Foto: REWE)

Das Verfahren übernimmt ein niederländischer Zulieferer. Süßkartoffeln und Avocados landen dort auf einem Förderband und werden sortiert. Dann hält das Band jeweils kurz an, ein Laserstrahl brennt das Logo in die oberste Pigmentschicht. "

Brennen“ ist dabei wörtlich zu nehmen, denn es steigt sogar ein bisschen Rauch auf. Einige Pigmente der äußersten Schalenschicht werden dabei anhand eines Musters abgetragen, sodass danach auf der Schale ein Logo zu erkennen ist, in diesem Fall das Bio-Logo der Supermarktkette. Bio-Produkte lassen sich dadurch dann vom herkömmlichen Produkt unterscheiden.

Laser-Etiketten seien "gesundheitlich unbedenklich"

Laut Rewe ist dieses Verfahren gesundheitlich völlig unbedenklich. "Ich hoffe, die Kunden erkennen, dass es keine Benachteiligung von Geschmack oder Qualität gibt. Nur die alleroberste Schalenfläche wird berührt, man könnte das eingebrannte Logo aber problemlos mitessen", sagt Rewe-Sprecher Sandner.

Plastiktüte schwimmt im Meer | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Plastiktüten landen häufig im Meer und dann in der Nahrungskette.

Eigene Tests hat Rewe dafür nicht durchführen lassen, vertraut aber auf die Kontrollen bei seinem Zulieferer. Die Produkte sollen ab Mitte März testweise in rund 800 Rewe- und Penny-Filialen in Nordrhein-Westfalen zu kaufen sein. Aufgedruckt ist dabei nur das Bio-Logo, kein Barcode oder andere Preisinformationen. "Der Kunde, der Wert darauf legt, dass er Bio kauft, muss das sehen können," sagt Sandner.

Genaue Tests gefordert

Verbraucherzentralen und Umweltverbände begrüßen den Pilotversuch. Philip Heldt, Abfallexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, fordert aber, dass die Hersteller genau überprüfen müssten, was beim Lasern im Gemüse passiert. "Wir wissen, dass bei Verbrennungsprozessen auch Stoffe entstehen können, die gesundheitlich nicht unbedenklich sind.“

In der Pilotphase setzt Rewe das Verfahren nur bei Produkten ein, deren Schale nicht mitgegessen wird. Doch eine Ausweitung auf andere Obst- und Gemüsesorten wie zum Beispiel Äpfel ist nicht ausgeschlossen. Der Kunde brauche Vertrauen, sagt Heldt. "Bei Äpfeln kann ich nicht vom Kunden erwarten, dass er die schält.“

Supermärkte sind "voller Plastik"

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat Rewe schon bei der Abschaffung der Plastik-Tragetüte beraten und unterstützt auch dieses Modellprojekt. "Als Rewe die Plastiktüte ausgemustert hat, war immer noch klar, dass der ganze Supermarkt voller Plastik ist“, sagt Katharina Istel, Referentin Nachhaltiger Konsum beim NABU. Das gelte auch für andere Supermarktketten.

Denn seit einigen Jahren hat der Trend zu Plastikverpackungen immer weiter zugenommen, vor allem bei sogenannten Convenience-Produkten: An Salat- und Sushitheken bediene sich der Kunde selbst und nutze dafür Plastik-Einwegverpackungen. Vorgeschnittene Salate oder vorverpackte Wurst- und Fleischprodukte tun ihr Übriges.

Katharina Istel hofft, dass der Modellversuch bei Rewe erfolgreich wird. "Bei den Supermärkten ist immer die Frage: Wie reagieren die Kunden?", erläutert Istel. Denn oft würden Kunden in Umfragen zwar sagen, dass sie keine Verpackungen bräuchten. Doch im Supermarkt sehe manche Entscheidung dann doch anders aus.

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Über dieses Thema berichtete der WDR am 20. März 2017 um 18:15 Uhr.

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Demian von Osten, WDR

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