Sendungsbild

Lagarde in den tagesthemen "Athen braucht keinen Haircut"

Stand: 22.02.2017 19:34 Uhr

IWF-Chefin Lagarde hält einen harten Schuldenschnitt für Griechenland derzeit für nicht notwendig. Im Interview mit den tagesthemen forderte sie aber längere Kreditlaufzeiten und Zinserleichterungen. Bei den Reformen definierte sie zwei Schlüsselgebiete.

IWF-Chefin Christine Lagarde attestiert Griechenland in der Finanzkrise Fortschritte und Reformwillen. Im Gespräch mit den tagesthemen vermied sie es aber, sich glasklar zu einer Beteiligung des Währungsfonds am dritten Rettungspaket zu äußern.

Das Hilfsprogramm stehe auf zwei Beinen: Dies sei zunächst das Reformprogramm, um Griechenland unabhängiger und stärker zu machen. Viele Reformen seien zwar zugesagt, aber noch nicht in Gesetze gegossen worden. Dies sei aber nötig, betonte Lagarde. Schlüsselgebiete seien die Renten- und die Einkommenssteuerreform. Aber es gebe noch sehr viel mehr Änderungen, die nötig seien.

Das zweite Standbein sei das Schuldenmanagement. Dabei fordere der IWF von den Euro-Staaten vor allem die Verlängerung von Rückzahlungsfristen und die Begrenzung von Zinssätzen. Ein harter Schuldenschnitt - ein sogenannter Haircut - für Athen ist nach den Worten Lagardes hingegen gegenwärtig nicht erforderlich.

Treffen in Kanzleramt

Am Nachmittag hatte Lagarde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel das weitere Vorgehen in der Griechenland-Politik beraten. Bei dem Treffen im Kanzleramt sollte es auch um eine Beteiligung des IWF am dritten Rettungspaket für das seit sieben Jahren gegen die Pleite kämpfende Land gehen. Eine IWF-Beteiligung ist für die Bundesregierung und Bundestag, aber auch für andere Euro-Länder unabdingbar.

Das dritte Rettungspaket von bis zu 86 Milliarden Euro wird bisher nur vom Euro-Rettungsfonds ESM finanziert. Es läuft bis zum Sommer 2018. Einen Schuldenerlass lehnen Deutschland und andere Euro-Länder unter Hinweis auch auf die europäischen Verträge ab. Der IWF vergibt seit 2013 keine Kredite mehr an Griechenland, ist aber an der Überprüfung der Reform- und Sparauflagen nach wie vor beteiligt.

Stichwort: Der Internationale Währungsfonds (IWF)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde 1944 in Bretton Woods (USA) gegründet. Er überwacht weltweit die Finanzsysteme, um bei Zahlungsbilanzproblemen von Regierungen oder drohendem Staatsbankrott einzugreifen. Seine Kredite sind oft an Auflagen geknüpft: So fordert der IWF häufig die Sanierung der Staatsfinanzen durch Preiserhöhungen und Subventionskürzungen. Der IWF ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Der IWF hat 186 Mitgliedsländer, deren Kapitaleinlagen (Quoten) sich nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft und ihrer Währungsreserven richten. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss. Die USA sind größter Anteilseigner mit rund 17 Prozent, Deutschland hat etwa sechs Prozent.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. Februar 2017 um 22:30 Uhr.

Darstellung: