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In Deutschland werden immer mehr Kreditkarten zurückgerufen. Nach Informationen des Bayerischen Fernsehens sind allein bei den Sparkassen 190.000 Karten betroffen. Insgesamt sind, wie tagesschau.de bereits berichtete, Hunderttausende Kunden fast aller deutscher Bankinstitute betroffen.
Zudem gibt es auch erste Schäden. Die Postbank habe selbst bereits Unregelmäßigkeiten entdeckt, wie ein Sprecher sagte. Es handele sich bisher nur "um ein geringes Maß". Zahlen nannte er aber nicht. Karten betroffener Kunden seien gesperrt und ausgetauscht worden. Es sei noch nicht definitiv klar, ob die Unregelmäßigkeiten mit dem Datendiebstahl in Spanien zusammenhingen. Auch tagesschau.de-User hatten von verdächtigen Abbuchungen berichtet.
Bei der Deutschen Bank hieß es, derzeit würden wegen der Warnungen von Visa und Mastercard mehr Kreditkarten ausgetauscht als üblich. Wie viele Kunden des größten deutschen Kreditinstituts betroffen sind, wollte ein Sprecher jedoch nicht sagen. Schadensfälle gebe es nicht, die Maßnahme sei rein präventiv.
Bei der Commerzbank wurde Anfang November "eine geringe Zahl von Kreditkarten umgetauscht", wie ein Sprecher sagte. Der Kartenaustausch sei "vorsorglich" und dauere "einige Tage". Tatsächliche Betrugsfälle gebe es bei der Bank nicht.
Verbraucherschützer übten harsche Kritik: Die Geldhäuser müssten Kunden schneller aufklären und für mehr Schutz der Daten sorgen. Bereits vor vier Wochen hätten die Kartenunternehmen Mastercard und Visa die Institute über betroffene Karten informiert, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Wer schon so lange über das Problem Bescheid weiß, sollte in der Lage sein, seine Kunden umfassend aufzuklären."
[Bildunterschrift: Dienstleister müssten ihre Systeme überprüfen und ihr Personal mit größter Sorgfalt auswählen, meinen Experten. ]
Aller Wahrscheinlichkeit nach sei es zu einem kriminellen Angriff auf Karteninformationen bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister gekommen. Dort hätten anscheinend entweder Mitarbeiter Daten entwendet oder Hacker sich Zugang zu einem Computerserver verschafft. Die Dienstleister müssten sicherstellen, dass ihre Systeme nicht von außen geknackt werden könnten und sie ihr Personal mit größter Sorgfalt auswählten und kontrollierten. Verbraucher sollten zudem bei Banken nachfragen, ob ihre Karte betroffen sei, und Abrechnungen genau kontrollieren, sagte vzbv-Experte Manfred Westphal. "Wenn sich auf den Auszügen nicht genehmigte Abbuchungen befinden, sollten die Betroffenen von ihrer Bank umgehend fordern, die Beträge zu erstatten." Die Geldinstitute stünden in der Pflicht, für etwaige Schäden in jedem Fall einzustehen.
Angesichts der größten Kreditkarten-Tauschaktion in Deutschland werden zudem Rufe nach höheren Sicherheitsstandards laut. "Dieser Vorfall wird dazu führen müssen, dass Banken die Sicherheit bei der Bezahlung mit Kreditkarten noch weiter erhöhen", sagte Dominik Georgi, Experte der Frankfurt School of Finance.
[Bildunterschrift: In Deutschland sind mehr als 20 Millionen Kreditkarten im Umlauf. ]
Bei Visa Europa gibt es nach Angaben einer Sprecherin noch keine Informationen über tatsächliche Betrugsfälle. Wegen der laufenden Ermittlungen wollte das Kreditkartenunternehmen auch nicht erklären, wie ein möglicher Betrug funktionieren könnte, wer der Dienstleister in Spanien ist und wieviele Visa-Kunden vom Karten-Austausch betroffen sind. Die Sprecherin forderte alle Kunden auf, Abrechnungen genauestens zu prüfen und Unregelmäßigkeiten sofort zu melden.
Insgesamt sind in Deutschland mehr als 20 Millionen Kreditkarten im Umlauf. Im vergangenen Jahr wurden damit laut Branchenstatistiken rund 34 Milliarden Euro umgesetzt. Die größten Anbieter sind Mastercard, Visa, American Express und Diners Club. Kreditkarten funktionieren nach dem Prinzip, dass Zahlungen nicht gleich abgebucht werden, sondern erst etwas später - meist einmal monatlich vom Girokonto des Inhabers.
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