Gesundheitskarten | Bildquelle: ARD-aktuell / Weiss

Zusatzbeitrag zur Krankenkasse steigt Ruf nach "Halbe-Halbe" System

Stand: 14.10.2015 17:40 Uhr

Der Krankenkassenbeitrag steigt - zahlen sollen ihn die Kassen oder die Arbeitnehmer, denn der Arbeitgeberanteil ist weiter eingefroren. Doch die Forderung nach dem alten paritätischen System wird immer lauter.

Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Schon seit Längerem hatten die Krankenkassen gewarnt: Die steigenden Ausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Medikamente, aber auch die geplanten Reformen der Bundesregierung werden sich auf den Beitragssatz auswirken.

Jetzt hat der Schätzerkreis, in dem Vertreter von Bundesversicherungsamt, Gesundheitsministerium und Krankenkassen sitzen, entschieden, den durchschnittlichen Beitragssatz im kommenden Jahr um 0,2 Punkte anzuheben.

Rücklagen? Oder steigt der Zusatzbeitrag

Was das konkret für die einzelnen Versicherten bedeutet, müssen jetzt die einzelnen Krankenkassen entscheiden. Können sie das zu erwartende Defizit von rund drei Milliarden Euro ganz oder zum Teil aus Rücklagen begleichen? Oder holen sie sich das Geld über einen steigenden Beitragssatz - also einen Zusatzbeitrag - von ihren Versicherten?

Der Zusatzbeitrag liegt derzeit im Schnitt bei 0,9 Prozentpunkten. Manche Kassen nehmen mehr, einige auch weniger. Fest steht: Die nun geplanten Steigerungen gehen zulasten der Arbeitnehmer. Denn der Arbeitgeberbeitrag ist nach dem Willen der Großen Koalition eingefroren.

Prinzip "Halbe-Halbe" müsse wieder hergestellt werden

Eine Vereinbarung, die die SPD jetzt allerdings noch einmal auf die Tagesordnung setzen will. "Es ist jetzt die Zeit, in der wir über eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung nachdenken müssen", sagt etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Er geht davon aus, dass der Zusatzbeitrag im Wahljahr 2017 wegen weiterer Reformen noch stärker steigen wird. "Das ist eine Diskussion, die wir jetzt in der Großen Koalition zu führen haben", so Lauterbach. "Die alleinige Belastung der Versicherten mit Zusatzkosten, die wir beschlossen haben, ist problematisch."

Unterstützung kommt aus der Opposition. Bereits in diesem Jahr zahlten die Versicherten mehr als zehn Milliarden Euro mehr als die Arbeitgeber. Im kommenden Jahr seien es 13 Milliarden, sagt der Linken-Gesundheitspolitiker Harald Weinberg. Das Prinzip "Halbe-Halbe" müsse wieder hergestellt werden.

"Die Schmerzgrenze ist jetzt erreicht"

Auch Grünen-Kollegin Maria Klein-Schmeink fordert eine Rückkehr zur Parität. Nach ihrer Einschätzung wird der Zusatzbeitrag noch weiter steigen. Die Einkommen legten bei weitem nicht so schnell zu. Der Präsident des Sozialverbandes Deutschland, Adolf Bauer, sagte: "Die Schmerzgrenze ist jetzt erreicht." Der Gesetzgeber müsse endlich eingreifen, um den Anstieg der Zusatzbeiträge zu begrenzen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert, die Arbeitgeber wieder stärker in die Pflicht zu nehmen.

Krankenkassen erhöhen Beiträge
Peter Mücke, ARD Berlin
14.10.2015 17:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Oktober 2015 um 16:00 Uhr.

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