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30.05.2012

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SEPA
Europaparlament beschließt einheitliche Kontonummern
EU-Parlament beschließt einheitliche Kontonummern

Doppelt so lang, aber halb so schlimm?

Von 2014 an werden Banküberweisungen und Lastschriften europaweit vereinheitlicht. Das EU-Parlament hat einer entsprechenden Verordnung zugestimmt. Damit löst die 22-stellige IBAN die bisherigen Kontonummern ab - für viele Verbraucherschützer ein Schreckenszenario.

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel

Die Aufregung in Deutschland war groß, als die Brüsseler K.o.-Pläne für die deutschen Kontonummern bekannt wurden. "IBAN - die Schreckliche" titelten Zeitungen, und Verbraucherschützer warnten vor einer Überforderung der Bankkunden durch die 22-stellige Zahlenkolonne. Ziemlich übertrieben findet das der deutsche Europaabgeordnete Werner Langen: "Es gibt gegen viele Änderungen Widerstände. Ich kann mich an die Einführung neuer Postleitzahlen vor vielen vielen Jahren erinnern. Wir haben ja eine Übergangszeit bis 2016 für deutsche Bankkunden, und das System ist relativ einfach, man wird sich daran gewöhnen", sagt der Christdemokrat.

Audio: Aus für deutsche Kontonummern

AudioMartin Bohne, MDR-Hörfunkstudio Brüssel 14.02.2012 09:24 | 3'17
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Eine leicht beherrschbare Umstellung?

In zwei Jahren werden die gewohnten Kontonummern und die Bankleitzahl verschwinden. Stattdessen muss bei Überweisungen und Lastschriften dann eine europaweit einheitliche Kontonummer, eben jene IBAN (International Bank Account Number), angegeben werden. Wobei bei inländischen Überweisungen die alten Nummern noch zwei Jahre länger akzeptiert werden sollen. Alles halb so schlimm, meint auch der SPD-Finanzexperte Udo Bullmann, es sei eine leicht beherrschbare Umstellung: "Wo die zwei Buchstaben DE für Deutschland angefügt werden, kommt eine zweistellige Prüfziffer, dann die Bankleitzahl und anschließend die Kontonummer - das war es. Es sind also im Prinzip keine neuen Nummern zu lernen." Zumal auch die Banken verpflichtet sind, ihren Kunden den Wechsel so einfach wie möglich zu machen.

Nur noch ein einziges Konto notwendig

Und mit diesem geringen Umstellungsaufwand bekomme man im Gegenzug aber eine Menge Vorteile, so der Fachmann für Finanzen bei den Grünen, Sven Giegold: "Wir wollen, dass Bürger und Unternehmen rechtssicher und günstig ihren Zahlungsverkehr mit dem Ausland durchführen können, das gehört zu einem gemeinsamen Markt. Dadurch werden die Kosten letztlich sinken, und dass ist gut für die Unternehmen und den Endverbraucher. Denn man braucht nur noch ein einziges Konto, mit dem egal aus welchem Land alle Zahlungen europaweit erledigt werden können."

Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe erwartet

Seit Ende Januar akzeptieren alle Banken das SEPA-System (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: SEPA bedeutet "Single European Payments Area". Ziel des Projekts ist es, den Geldtransfer in Europa zu vereinfachen. ]
Die EU-Kommission rechnet mit jährlichen Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe. Das Europaparlament konnte in den Verhandlungen mit den EU-Regierungen noch ziemlich viel an Vereinfachungen durchsetzen. So wird die bisher bei internationalen Überweisungen zusätzlich zu IBAN noch erforderliche Bankleitzahl BIC künftig wegfallen. Und das in Deutschland mit mehreren hundert Millionen Mandaten weit verbreitete Lastschriftverfahren bleibt unangetastet: "Es gab ja sehr große Befürchtungen, dass viele Unternehmen pleite gehen, dass es ein großes Umstellungschaos gibt, weil alle Nummern übergeführt werden müssen in die langen. All das ist geregelt, die alten Lastschriften gehen weiter, die müssen jetzt nicht alle umgestellt werden", sagt Giegold.

Elektronisches Lastschriftverfahren wird es weiterhin geben

Unangetastet bleibt auch das bedingungslose Widerrufsrecht bei Lastschrift-Abbuchungen vom eigenen Konto. Und auch eine weitere deutsche Besonderheit, das elektronische Lastschriftverfahren, wurde durch den Einsatz der Europaparlamentarier in den neuen einheitlichen europäischen Zahlungsraum hinübergerettet, freut sich Sven Giegold: "Das Elektronische Lastschriftverfahren, das ja der Handel in Deutschland entwickelt hat, als Konkurrenz zu den kartengestützen Zahlsystemen, wird weitergehen können. Das war uns sehr wichtig, weil dadurch der Wettbewerb schärfer bleibt. Wir sehen, dass von den Ausgebern der Karten hohe Gebühren verlangt werden und der Handel deutlich günstiger fährt mit seinem elektronischen Lastschriftverfahren."

Und das deutsche Konkurrenzprodukt zu gierigen Kreditkartengesellschaften darf nun sogar in andere europäische Länder exportiert werden. All das ein Grund für Udo Bullmann, das Europäische Parlament mal so richtig zu loben: "Wir haben gesagt, wir machen das Gesetz nur, wenn die Handhabung einfacher wird. Und sie sehen, was alles geht, wenn man sich auf die Hinterbeine stellt."

Stand: 14.02.2012 13:59 Uhr
 

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