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Deutschland ist weit davon entfernt, die Talsohle der Wirtschaftskrise erreicht zu haben. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Konjunkturprognosen aus dem In- und Ausland.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2009 mit einem Wirtschaftseinbruch von 5,6 Prozent in Deutschland. Auch 2010 wird die deutsche Wirtschaft - anders als die Weltwirtschaft - laut IWF-Prognose weiter schrumpfen - und zwar um ein Prozent. Laut den IWF-Zahlen steht unter den großen Industrieländern nur Japan noch schlechter da. Der Grund: die starke Anhängigkeit Deutschlands vom Export. In der Vergangenheit hat sie Wirtschaftskrisen eher abgefedert. Doch diesmal blieben Exportimpulse aus, da die Wirtschaft rund um den Globus schrumpfe, so IWF-Chefökonom Olivier Blanchard.
[Bildunterschrift: Vom Lieblings- zum Problemkind - der deutsche Export leidet besonders unter der Wirtschaftkrise. ]
Noch düsterer sehen die großen deutschen Wirtschaftsinstitute die Lage. Offiziell werden sie ihr Frühjahrsgutachten heute vorstellen, die Kernpunkte sind allerdings bereits bekannt. Die Institute erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um sechs Prozent zurückgehen wird - so stark wie noch nie seit der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre. Für das kommende Jahr sind die deutschen Institute etwas optimistischer als der IWF. Doch auch nach ihrer Prognose dauert die Rezession 2010 an; sie erwarten ein Minus von 0,5 Prozent.
Die Bundesregierung war für das laufende Jahr bislang von einem Rückgang des BIP um 2,25 Prozent ausgegangen. Sie wird ihre Wirtschaftsprognose in der kommenden Woche deutlich nach unten korrigieren. Finanzminister Peer Steinbrück sagte, auch er halte eine Fünf vor dem Komma "nicht für unwahrscheinlich".
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach nach einem Konjunkturgipfel im Kanzleramt von einem "schweren Wirtschaftseinbruch", verwies aber darauf, dass die deutschen Konjunkturprogramme im Ausland stark beachtet würden. Tatsächlich lobte auch der IWF die deutschen Programme und riet der Bundesregierung zu weiteren Schritten, um die Konjunktur anzukurbeln.
[Bildunterschrift: Wollen die Wirkung der Konjunkturpakete abwarten: Guttenberg und Steinbrück ]
Entsprechenden Forderungen nach einem Konjunkturpaket III wurde bei dem Treffen im Kanzleramt aber eine klare Absage erteilt - zumindest vom der Mehrheit der Teilnehmer. Zunächst müssten die beiden ersten Milliardenprogramme wirken, sagten Finanzminister Steinbrück und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Es habe "keinen Forderungsmarathon" gegeben, so Guttenberg. Die Teilnehmer seien sich weitgehend einig gewesen, dass bereits ein "Gerede" über ein drittes Programm jeglicher Grundlage entbehre.
Anderer Meinung waren bei dem Spitzentreffen die Vertreter der Gewerkschaften. Merkel und Guttenberg seien nicht bereit gewesen, auf die Gewerkschaftsforderung nach einem dritten Konjunkturpaket einzugehen, sagte DGB-Chef Michael Sommer im Anschluss an das Treffen in einem "Zeit"-Interview. Er sei aber "angesichts der Tiefe und Dauer der Krise ziemlich sicher, dass die Regierung noch nachbessern muss und wird".
Die großen deutschen Wirtschaftsinstitute werden neben ihrer BIP-Prognose noch eine weitere wichtige Schätzung offiziell vorstellen - die der Staatsverschuldung. Sie wird - als Folge der Wirtschaftskrise und der milliardenschweren Konjunkturprogramme - drastisch ansteigen und über der Verschuldungsgrenze der EU von drei Prozent des BIP liegen. Nach Informationen der Agentur Reuters gehen die Institute für 2009 von einem Haushaltsdefizit von 89 Milliarden Euro aus. Das entspräche 3,7 Prozent des BIP. Im kommenden Jahr kalkulieren die Institute sogar insgesamt mit 132 Milliarden Euro Neuverschuldung bei Bund, Ländern und Kommunen. Dies wären dann 5,5 Prozent des BIP.
Andere EU-Staaten rechnen allerdings noch mit einem deutlich größeren Haushaltsdefizit. Großbritannien muss im neuen Finanzjahr voraussichtlich 175 Milliarden Pfund (197 Mrd. Euro) neue Kredite aufnehmen. Das entspricht 12,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und ist ein Rekord in der britischen Nachkriegsgeschichte.
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