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10.02.2010

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Wirtschaft
Köhler und ein Monster
Bundespräsident greift Banken scharf an
Bundespräsident greift Banken scharf an

"Finanzmärkte sind zum Monster mutiert"

Bundespräsident Horst Köhler (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Finanzbranche hat sich nach Ansicht von Bundespräsident Köhler "mächtig blamiert". ]
Die globale Finanzindustrie ist nach Ansicht von Bundespräsident Horst Köhler zu einem "Monster" mit immer weniger Bezug zur Realwirtschaft mutiert. "Wir waren nahe dran an einem Zusammenbruch der Weltfinanzmärkte", sagte Köhler in einem Interview mit dem Magazin "Stern". Nun müsse "jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss", fügte er hinzu. Die Akteure an den Finanzmärkten haben laut Köhler komplexe Finanzprodukte geschaffen, die sie letztendlich selber nicht mehr verstanden hätten.

Für strengere Regulierung und mehr Transparenz

Schlange stehen vor der Northern Bank (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kunden der Northern Bank standen im vergangenen Herbst Schlange, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. ]
Die vom US-Hypothekenmarkt ausgehende Krise werde noch Schleifspuren in der Wirtschaft nach sich ziehen. Nötig seien eine strengere Regulierung und mehr Transparenz. So müssten die Eigenkapitalstandards für Geschäfte der Banken verschärft werden. Außerdem solle der IWF als globale Institution künftig über die Finanzmarkt-Stabilität wachen, forderte Köhler, der früher Chef des Internationalen Währungsfonds war. Man müsse der Finanzwelt einen Spiegel vorhalten, sagte Köhler: "Sie hat sich mächtig blamiert. Und ein klar vernehmbares mea culpa vermisse ich noch immer." Kapitalismus heiße nicht nur Rendite einfahren, sondern vor allem, mit Risiko umgehen können: "Die Überkomplexität der Finanzprodukte und die Möglichkeit, mit geringstem eigenen Haftungskapital große Hebelgeschäfte in Gang zu setzen, haben das Monster wachsen lassen." Dazu gehörten auch bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager.

"Landesbanken ohne tragfähiges Geschäftsmodell"

Zur Debatte über eine Konsolidierung der Landesbanken sagte Köhler, der vor seiner Zeit beim IWF Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes war: "Die meisten Landesbanken haben offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell." Die beste Lösung sei, die sieben Institute zu einer zentralen Bank der Sparkassen zu fusionieren. Aber auch die privaten Banken sollten sich "in einer Form konsolidieren, dass wir uns auf sie verlassen können", forderte Köhler.

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Köhler: An Atomausstieg festhalten

Köhler schaltete sich außerdem in die Debatte um die Energieversorgung in Deutschland ein. Es gebe ernstzunehmende Studien, in denen vor einer "Energielücke" gewarnt werde. Die Aufgabe sei vor allem, Energie und Rohstoffe zu sparen. Trotzdem könne sich bald die Frage stellen, ob "wir für eine längere Übergangsphase, als wir uns das heute wünschen, noch einen Mix einschließlich Nuklear- und Kohleenergie brauchen." Köhler bekannte sich aber zum Atomausstieg: "Der Ausstieg ist beschlossen, weil Atomkraft für uns auf lange Sicht keine Lösung ist." Die Sicherheitsbedenken sollten auch nicht vernachlässigt werden, weil Kernenergie billig sei. "Allein die ungelösten Endlagerprobleme sind mir viel zu gegenwärtig, als dass ich dazu raten würde", sagte der Bundespräsident.

Stand: 14.05.2008 17:42 Uhr
 

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