Kobe Steel-Werk aus der Vogelperspektive. | Bildquelle: REUTERS

Falsche Produktdaten Razzia nach Skandal bei Kobe Steel

Stand: 20.10.2017 09:59 Uhr

Jahrelang hat Japans drittgrößter Stahlhersteller Metalle mit falschen Angaben zur Festigkeit und Haltbarkeit verkauft. Mehr als 500 Kunden weltweit sind betroffen. Im Zuge des Skandals wurden nun Büros von Kobe Steel durchsucht.

Inspektoren der japanischen Industriebehörde haben Büros des Stahlherstellers Kobe durchsucht. Das meldeten mehrere japanische Medien übereinstimmend. Hintergrund ist der vorige Woche bekannt gewordene Skandal um falsche Produktdaten des drittgrößten japanischen Stahlkonzerns.

Kobe-Steel-Chef Hiroya Kawasaki | Bildquelle: dpa
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Kobe-Steel-Chef Kawasaki versichert, dass es keine Zweifel an der Sicherheit betroffener Produkte gebe.

Kobe Steel hatte zugegeben, jahrelang falsche Angaben zu Festigkeit und Haltbarkeit von Aluminium-, Kupfer- und Stahlprodukten gemacht zu haben. Die betroffenen Produkte wurden an mehr als 500 Kunden im In- und Ausland geliefert. Etwa zwei Drittel seiner Geschäfte wickelt das Unternehmen mit Firmen in Japan ab.

Das Ausmaß der Manipulationen ist noch unklar, auch die Namen der betroffenen Kunden nannte Kobe noch nicht. Bislang gebe es keine Zweifel an der Sicherheit der betroffenen Produkte, beteuerte Konzernchef Hiroya Kawasaki vorige Woche. Offen ist aber, ob die Manipulationen die Materialsicherheit tatsächlich nicht gefährden.

Viele internationale Kunden

Kobe Steel-Stahlwerk in Kobe, Japan | Bildquelle: REUTERS
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Der Skandal betrifft Produkte, die in Werken von Kobe Steel in Japan, China, Malaysia und Thailand hergestellt wurden.

Kobe stellt viele Metalle her, die für Flugzeuge, Eisenbahnen, Autos und andere Ausrüstungen verwendet werden. Die europäische Luftfahrtsicherheitsbehörde EASA empfahl deswegen bereits einen Verwendungsstopp für Produkte von Kobe Steel. Japans Industrieminister Hiroshige Seko wertete den Skandal bislang als "äußerst bedauerliche Ausnahme". Die Regierung habe Kobe aufgefordert, die Sicherheit der eigenen Produkte so schnell wie möglich zu gewährleisten.

Mehrere Autohersteller gaben im Zusammenhang mit der Zulieferung von Teilen aus Metallen von Kobe Steel teilweise bereits Entwarnung. Toyota, Honda, Nissan und Mazda erklärten gestern, dass aus Kobe-Aluminium gefertigte Teile an ihren Fahrzeugen sicher seien. Das hätten entsprechende Untersuchungen von Motorhauben und anderen Außenteilen ergeben. Andere Teile würden noch geprüft.

Der deutsche Autokonzern Daimler erklärte diese Woche, dass Kobe Steel kein Lieferant des Unternehmens sei. Auch BMW ist nach eigenen Angaben nicht betroffen. Der Flugzeughersteller Airbus bezieht laut eigener Darstellung direkt keine Kobe-Produkte, will jedoch seine Zulieferkette überprüfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2017 um 10:00 Uhr.

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