Mehrere Knollen Knoblauch. | Bildquelle: AFP

Investoren in China Der große Knoblauch-Hype

Stand: 18.12.2016 13:42 Uhr

Wer ihn isst, stinkt danach in der Regel aus dem Mund: Knoblauch. Deshalb wird er von Menschen gerne mal gemieden. Ganz anders sieht es gerade auf dem Weltmarkt aus: In China haben Investoren den Knoblauch für sich entdeckt und beeinflussen damit die Preise immens.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die 52-jährige Gemüseverkäuferin ist - gelinde gesagt - not amused, wenn man sie auf das Thema Knoblauch anspricht. Seit 17 Jahren stehe sie hier, Tag für Tag, an ihrem Stand in der Shanghaier Markthalle - so etwas aber habe sie aber noch nicht erlebt. "Ich muss inzwischen 13 Yuan pro Pfund verlangen, mein Einkaufspreis liegt bei neun Yuan", klagt sie. Umgerechnet sind das: 1,80 Euro beziehungsweise 1,20 Euro pro halbes Kilo.

Die Verkäuferin erzählt, dass jetzt nach der Erntesaison die Preise eigentlich runtergehen müssten. Das täten sie aber nicht. "Im Fernsehen haben sie gesagt, dass reiche Spekulanten Knoblauch horten, und in Kühlkammern lagern. Und wir bekommen keinen Nachschub", beschwert sie sich.

Eine chinesische Gemüsehändlerin sitzt auf einer Straße und bietet ihre Ware an. | Bildquelle: AFP
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Gemüsemarkt in China: Knoblauch wird immer teurer. (Archivbild)

Preise lassen sich einfach beeinflussen

Tatsächlich: Weltweit leiden Verbraucher, Gastronomen und die Nahrungsmittelindustrie unter steigenden Knoblauchpreisen. Chinesische Investoren hingegen profitieren von dem Trend. Denn Knoblauch ist rein betriebswirtschaftlich gesehen nichts anderes als ein frei handelbarer Rohstoff, dessen Preise mal rauf- und mal runtergehen.

Im Grunde sei Knoblauch vergleichbar mit Eisenerz, Kohle oder Erdöl, sagt Tong Xin. Er ist Rohstoff-Experte bei der Shanghaier Investmentfirma Yifeng. "Der Knoblauch-Markt ist vergleichsweise klein. Deswegen lässt sich der Preis relativ einfach beeinflussen von einigen wenigen Großhändlern", sagt er. Von denen hätten einige schon Anfang des Jahres bemerkt, dass die Nachfrage nach Knoblauch hoch sei. "Schon damals haben sie sich deswegen mit großen Mengen eingedeckt.“

Sexy Knoblauch: Spekulanten sorgen für Preisblase
S. Wurzel, ARD Shanghai
15.12.2016 11:35 Uhr

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Preis mehr als verdoppelt

Was der Investment-Analyst als vergleichsweise kleinen Markt beschreibt, umfasst immerhin rund 25 Millionen Tonnen - so viel Knoblauch wird jedes Jahr in China produziert. Das Land ist mit Abstand der größte Erzeuger des Produktes. Vier von fünf Knoblauchzehen, die weltweit gehandelt werden, kommen schätzungsweise aus China. Deswegen ist der weltweite Knoblauchpreis auch so abhängig von dem, was sich in China tut.

Vor rund einem Jahr sorgten kräftiger Regen und Schnee im Osten Chinas für Ernteausfälle. Damals ging es erstmals drastisch hoch mit den Knoblauchpreisen. 2016 dann hat sich der Großhandelspreis noch einmal mehr als verdoppelt: von umgerechnet rund einem auf mehr als zwei Euro pro Kilogramm Knoblauch.

Schuld sind nach Ansicht von Rohstoff-Analyst Tong Xin vor allem die Gier der Spekulanten. "Die Märkte entwickeln sich gerade auf eine völlig kranke und verdrehte Art und Weise. Investoren schauen sich zum Beispiel innovative neue Firmen an, sagen sich dann aber: Hier werden wir kurzfristig - in den nächsten zwei oder drei Jahren - keine Gewinne erzielen können", sagt er. Stattdessen steckten Investoren das Geld lieber in Projekte, die sofortige Gewinne versprächen.

Immobilien unattraktiver geworden

Händler brauchen nicht viel mehr zu tun, als Knoblauch massenweise einzukaufen, ordentlich zu lagern und wenn die Preise steigen, wieder zu verkaufen. 100 Prozent Gewinn, erzielt in weniger als einem Jahr. Mit Geld, das die Investoren vorher in Aktien oder Bauprojekte gesteckt hatten. "Die Immobilienpreise sind dieses Jahr zwar wie verrückt gestiegen in China, die Regierung konnte den Preisanstieg im Herbst aber bremsen", sagt Tong Xin.

Daraus folgt nach seiner Ansicht: Das Geld, das vom Aktienmarkt übergesprungen sei auf den Immobilienmarkt, suche sich nun einen neuen Bereich. Und das sei eben Knoblauch. Wie lange die Preise noch steigen, ist schwer vorherzusagen. Allerdings lohnt sich der Blick einige Jahre zurück: Auch 2009 und 2010 gab es schon einmal einen drastischen Anstieg der Knoblauch-Preise. Im Frühjahr 2011 platzte die Blase schließlich, die Preise fielen binnen weniger Monate um mehr als die Hälfte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 14. Dezember 2016 um 22:54 Uhr

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