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22.03.2010

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Wirtschaft
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Millionenpanne: KfW-Überweisung an Pleite-Bank Lehman
KfW überweist 300 Millionen Euro an Lehman

"Kreditanstalt für Wertverlust"

Nach dem Milliardendebakel bei ihrer früheren Mittelstandstochter IKB hat sich die staatliche Förderbank KfW erneut in die Schlagzeilen gebracht. Ausgerechnet am Tag des Insolvenzantrages von Lehman Brothers überwies die KfW irrtümlich 300 Millionen Euro aus einem Termingeschäft an die zusammengebrochene US-Investmentbank. Bundesregierung und Finanzexperten im Bundestag forderten Aufklärung, Union, FDP und Grüne sprachen von einem schweren Versagen des Risikomanagements. Sie sprachen sich dafür aus, die KfW wie eine private Bank unter die Kontrolle der Börsenaufsicht Bafin zu stellen. Bisher liegt die Rechts- und Fachaufsicht beim Bundesfinanzministerium.

Hoffen auf die Konkursmasse

KfW-Bankengruppe in Berlin (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die KfW überwies 300 Millionen Euro an Lehman Brothers - während die US-Bank schon an ihrem Insolvenzantrag arbeitete. ]
Ein Sprecher der KfW bestätigte die Millionenpanne, über die zunächst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet hatte. Das Institut sei bei Lehman mit einem "mittleren dreistelligen Millionenbetrag" engagiert. Am Montag habe es "eine fehlerhaft ausgelöste Swap-Zahlung" in Höhe von 300 Millionen Euro gegeben. Mit Swaps tauschen Banken zum Beispiel kurz- gegen langfristige Zinsverbindlichkeiten. Die genauen Umstände würden jetzt durch die Innenrevision der Bank geprüft.

Wie hoch der Verlust für die KfW am Ende tatsächlich ausfalle, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, ergänzte eine Sprecherin des Instituts. Dies sei abhängig davon, was die Bankengruppe aus der Konkursmasse der Investmentbank zurückerhalte. Die Fördertätigkeit der KfW werde durch die Lehman-Pleite jedoch nicht beeinträchtigt. "Insgesamt sind die Ausfälle für uns verkraftbar", sagte die Sprecherin.

"Mehr als verwunderlich und ärgerlich"

Schriftzug der US-Investmentbank Lehman Brothers (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Hier landeten die Millionen: Die Zentrale von Lehman Brothers in New York. ]
Dem Finanzministerium allerdings reicht das nicht: Der Vorgang sei "mehr als verwunderlich und ärgerlich", der "technische Fehler" sei unerklärlich und werde Konsequenzen haben, sagte der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück. Etwas gelassener gibt sich bis jetzt sein Ministerkollege Michael Glos: Man müsse erst den Vorgang aufklären, dann über personelle und strukturelle Konsequenzen entscheiden, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministers.

In der Regierung wurde die Panne der KfW mit Kopfschütteln aufgenommen. Die mit dem Management der Bundesschulden beauftragte Finanzagentur habe schon vor Wochen ihre Verbindungen zu Lehman gekappt. Harsche Kritik kam von den Oppositionsparteien. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestages, Otto Fricke (FDP), spöttelte: "KfW = Kreditanstalt für Wertverlust." Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel sagte, sie wolle wissen, wie das Risikomanagement der KfW auf Lehman reagiert habe. Auch Gregor Gysi, Fraktionschef der Linkspartei, konnte sich Spott nicht verkneifen: "Futsch sind 'se. Tolle Experten, die da sitzen".

Nun Verlustgeschäft 2009?

In informierten Kreisen wurde unterdessen darüber spekuliert, dass die KfW, die Milliarden bei der Rettung der IKB-Bank verloren hatte, nun 2009 einen Verlust ausweisen werde. Ein Sprecher der KfW sagte, die Turbulenzen um den Zusammenbruch der US-Investmentbank träfen auch die KfW. Sie habe mit Lehman Brothers bei Wertpapieren und Finanzmarkttermingeschäften zusammengearbeitet.

Stand: 17.09.2008 15:35 Uhr
 

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