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10.02.2010

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Wirtschaft
Golfstaaten investieren in Verkehrsinfrastruktur
Investieren für die Zeit nach dem Öl

Die Zukunftsstrategie der Scheichs

Der Milliardenauftrag für die Deutsche Bahn in Katar ist nur ein Mosaikstein in der Zukunftsstrategie der Golfstaaten. Sie kaufen sich in Großkonzerne ein und bauen die Verkehrswege aus, um für die Zeit nach Öl und Gas gerüstet zu sein.

Von Felix de Cuveland, ARD-Hörfunkstudio Amman

Häuser in Doha (Foto: ZB) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Doha soll die Deutsche Bahn ein U-Bahn-Netz mit vier Linien aufbauen. ]
Es ist ein Projekt der Superlative mit 17 Milliarden Euro Investitionsvolumen: In Katar soll mit Hilfe der Deutschen Bahn das vorerst größte Schienennetz der arabischen Welt entstehen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kann dadurch gleich zu Beginn der Amtszeit einen medienwirksamen Erfolg verbuchen, der freilich von seinem Vorgänger und der Bahn selbst vorbereitet worden war.

Es erinnert natürlich an das Modell, das mit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise plötzlich in aller Munde war: Hilfe aus den Golfstaaten für die gebeutelten deutschen Unternehmen, für die westliche Industrie und Wirtschaft überhaupt. Die Scheichs sitzen schon in Autounternehmen wie Daimler, Banken wie Credit Suisse und Anlagenbauern wie MAN Ferrostaal.

"Wenn die Kurse fallen, erhöhen wir unseren Anteil"

"Wir denken langfristig: Wenn die Kurse fallen, erhöhen wir unseren Anteil an den Unternehmen", sagt Katars Ministerpräsident Scheich Hamad Bin Dschassim al Thani. "Das haben wir bei Credit Suisse so gemacht und auch bei den anderen Gesellschaften."

Scheich Hamad Bin Dschassim al Thani (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Wir denken langfristig." - Scheich al Thani. ]
Daheim investieren sie zurzeit massiv in die eigenen Flug- und Seehäfen. Was aber noch fehlt, sind schnelle Güter- und Personenverkehrssysteme zu Lande. Mittlerweile ist das zu einem echten Problem geworden: zu viele Kleinwagen, zu viele Lastwagen, verstopfte Straßen, Luftverschmutzung. Dieses Problem muss gelöst werden. Bis zu 350 Kilometer in der Stunde sollen die Züge fahren, die Katar mit dem benachbarten Bahrain verbinden. Dazu muss eine 45 Kilometer lange Brücke über das Meer gebaut werden. Außerdem wird der Flughafen von Doha, der Hauptstadt Katars, mit der Innenstadt verbunden.

Umbau zum Handelszentrum

Am Golf ist man mutig, oft geradezu kühn, wenn es ans Investieren geht. Das hat seine Gründe. Öl wird in den nächsten Jahrzehnten knapper. Die Emirate am Persisch-Arabischen Golf haben schon lange die Weichen neu gestellt. Sie bauen ihre eigene Finanzindustrie und ihre Kapazitäten zum Umschlag der Warenströme zwischen Europa und Amerika auf der einen und Asien auf der anderen Seite aus. "Das ist das Tor zu unterschiedlichen Welten hier", sagt Britta Hadler, Unternehmensberaterin in Dubai.

Metro vor der Skyline von Dubai (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Dubai ging kürzlich die modernste Metrolinie der Welt in Betrieb. ]
Erst im September wurde in Dubai die modernste Metro der Welt eröffnet, der größte Flughafen ist im Bau. Mit Größenwahn haben solche Projekte der Golfemirate nichts zu tun. "Was wir hier tun, ist nur der weitere Ausbau unserer Dienstleistungsindustrie", sagt Scheich Ahmed Bin Saed al Maktoum. Leiter des Flughafenprojekts. "Die bringt uns nämlich einen großen Teil unseres Volkseinkommens ein."

Natürlich setzte die Welt-Finanzkrise auch den Golfstaaten zu. Es gab schwere Verluste. Aber am Golf blickt man nach vorn. Das ist das Markenzeichen dieser Kleinstaaten, die sich vom Öl unabhängig machen wollen. Und davon kann auch die Deutsche Bahn profitieren.

Stand: 22.11.2009 16:41 Uhr
 

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