Riesige Gewinne für illegales Kartoffelkartell?

Kartoffeln (Bildquelle: dpa)

Ermittlung des Bundeskartellamts

Riesige Gewinne für Kartoffelkartell?

Wegen illegaler Preisabsprachen bei Kartoffeln soll deutschen Verbrauchern und Bauern nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro entstanden sein. Das mutmaßliche Kartoffelkartell, gegen das Ermittlungen laufen, habe nach Schätzungen eines Insiders seit der Gründung vor etwa zehn Jahren einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe gemacht. Die "Bild"-Zeitung berichtet sogar von einem Gewinn in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

Laut "SZ" sollen 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebelbranche regelmäßig die Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarktketten beliefert wurden. Zeitweise sei die Gewinnmarge rasant in die Höhe gestiegen und habe sich verzehnfacht. Dies sei vor allem auf Kosten der Verbraucher gegangen, die weit mehr gezahlt hätten als notwendig. Auch Pflanzkartoffeln für die Bauern sollen zu weit überhöhten Preisen verkauft worden sein.

Bundeskartellamt ermittelt gegen Händler und Lieferanten für Kartoffeln
tagesschau 20:00 Uhr, 11.05.2013, Verena Bünten, WDR

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Bäuerliche Landwirte loben Ermittlungen

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßte die Ermittlungen des Bundeskartellamtes. Nicht nur die Verbraucher, sondern auch viele Landwirte seien durch Absprachen großer Kartoffelhandels-Unternehmen möglicherweise massiv geschädigt und betrogen worden, erklärte der niedersächsische AbL-Vorsitzende Ottmar Ilchmann. Er verwies darauf, dass mehrere Landwirte seit langem ein undurchsichtiges und marktbeherrschendes Gebaren großer Kartoffelzucht- und Kartoffelhandels-Unternehmen kritisierten.

Neun Unternehmen durchsucht

Das Bundeskartellamt hatte am Freitag Ermittlungen wegen illegaler Preisabsprachen bestätigt. Neun Unternehmen aus dem Bereich Erzeugung und Vertrieb seien durchsucht worden. Außerdem seien gegen fünf weitere Unternehmen schriftlich Bußgeldverfahren eingeleitet und die Wohnung eines Verdächtigen überprüft worden, teilte das Amt mit.

Das Kartell habe ganz einfach funktioniert, sagte ein Branchenkenner der "SZ". Es soll eine Art Anführer gegeben haben, der beispielsweise vor den Bestellungen der großen Discounterketten die Kollegen angerufen und den Wochenpreis ausgemacht habe. Die Angebote sollen sich dann nur um einen oder ein paar Cent unterschieden haben.

Der Geschäftsführer einer der durchsuchten Firmen wies die Vorwürfe zurück. Der "SZ" sagte er, dass ein solches Kartell existiert habe, könne er sich nicht vorstellen.

Stand: 11.05.2013 10:53 Uhr

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